von lif 08.09.2026 16:02 Uhr

Machen Kollagenpräparate wirklich schöner?

Straffe Haut, weniger Falten, schmerzfreie Gelenke: Kollagendrinks und -pulver versprechen viel. Die Verbraucherzentrale Südtirol hat sich angesehen, was die Wissenschaft dazu sagt.

Bild: APA

Kollagen ist ein wesentlicher Bestandteil von Haut, Haaren, Nägeln, Bändern, Sehnen und Gelenken. Ab dem 25. Lebensjahr sinkt die körpereigene Kollagenbildung, die Haut verliert an Straffheit und Elastizität. Kein Wunder also, dass Kollagendrinks, Pulver und Kapseln seit Jahren boomen. Stars schwören angeblich sogar auf den „Glow-Coffee“ zum Frühstück, einen Kaffee mit etwas Kollagenpulver. Doch die Studienlage ist ernüchternd. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2025 wertete 23 klinische Studien aus. Das Ergebnis zeigt, dass nur jene Studien, die von Pharmaunternehmen finanziert wurden, eine positive Wirkung auf Falten, Elastizität und Feuchtigkeit der Haut zeigten. Unabhängige Studien konnten keine Wirkung auf die Hautalterung nachweisen.

Eine ganz aktuelle Metaanalyse von 2026, die 113 Studien berücksichtigte, kam immerhin zum Schluss, es gebe Hinweise auf eine positive Wirkung bei langfristiger Einnahme, auch bei Arthroseschmerzen. Die einzelnen Studien seien aber wegen der Vielzahl an Methoden und Dosierungen schwer vergleichbar, viele umfassten nur wenige Teilnehmer und kurze Zeiträume.

Teuer, aber wirkungsarm

Ein weiteres Problem ist die Dosierung: Laut der Wiener Dermatologin Kerstin Ortlecher müsste man täglich zehn bis 40 Gramm Kollagen einnehmen, um eine wahrnehmbare Verbesserung zu erreichen. Gängige Nahrungsergänzungsmittel enthalten aber nur drei Gramm pro Ampulle. Deutlich effektiver gegen Hautalterung seien Sonnenschutz, ausreichend Schlaf sowie der Verzicht auf Rauchen und viel Zucker.

„Der Effekt von Kollagenpräparaten auf die Haut ist also fraglich, der Effekt auf die Geldbörse aber in jedem Fall groß“, fasst Silke Raffeiner, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Südtirol, zusammen. Ein Test der Stiftung Warentest aus dem Jahr 2022 zeigte: Für das teuerste Produkt waren 3,95 Euro pro Tagesration fällig, das macht 1.442 Euro im Jahr. Selbst das günstigste Produkt kostete jährlich noch 321 Euro.

Kein „veganes Kollagen“

Wenig bekannt ist, woher das Kollagen stammt. Es wird aus Schlachtabfällen wie Schweineschwarte, Rinderspalt oder Sehnen von Rindern, Schweinen und Hühnern gewonnen, ein Teil auch aus Fischhaut und Fischschuppen. Entsprechende Produkte können deshalb allergische Reaktionen auslösen. „Vegetarisches“ oder „veganes Kollagen“ gibt es nicht, diese irreführenden Bezeichnungen dürfen auch nicht verwendet werden.

Werbeaussagen wie „weniger Falten“, „hautglättende Wirkung“ oder „Anti-Aging“ sind für kollagenhaltige Produkte mangels wissenschaftlicher Beweise gar nicht zugelassen und damit rechtswidrig.

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