Autonomie gefeiert – Probleme ungelöst

Der Heimatbund verweist auf mehrere Punkte, die aus seiner Sicht bis heute ungelöst sind. Dazu zählen faschistische Ortsnamen, das Regierungskommissariat sowie der Umgang mit faschistischen Bauten. Auch bei der italienischen Aufarbeitung der Südtiroler Geschichte sieht der SHB weiterhin Defizite. Besonders die Ereignisse der 1960er Jahre müssten aus Sicht des Heimatbundes ehrlich aufgearbeitet werden.
„Wie soll Versöhnung funktionieren, wenn die Geschichte nicht ehrlich aufgearbeitet wird? Geschichte lässt sich nicht wegrestaurieren“, so Lang.
Heimatbund sieht offene Fragen bei der Autonomie
Auch die laufende Autonomiereform müsse nach Ansicht des SHB genau beobachtet werden. Der Heimatbund nennt dabei unter anderem die Ansässigkeitsklausel, die italienische Vertretung in den Gemeindeausschüssen und die Bezeichnung „Alto Adige“.
Kritik gibt es zudem an der aus Sicht des Heimatbundes nicht ausreichenden Gleichstellung der deutschen Sprache bei Beipackzetteln und Lebensmittelkennzeichnungen. Deutsch sei zwar Amtssprache, werde im Alltag aber immer wieder wie eine Sprache zweiter Klasse behandelt, so der SHB.
Gleichzeitig richtet der Heimatbund einen Appell an Österreich. In einem proeuropäischen Geist sollte Südtirol nach Ansicht des SHB die Möglichkeit erhalten, die 1920 verlorene österreichische Staatsbürgerschaft wiederzuerlangen.
Warnung vor Folgen der Zuwanderung
Der SHB warnt außerdem vor möglichen Folgen der Zuwanderung für die Südtiroler Minderheit. Dabei stellt der Heimatbund die Frage, was der beste Schutz der Minderheit nütze, wenn diese selbst zur Minderheit im eigenen Land werde.
Gleichzeitig übt Lang auch Selbstkritik. Südtiroler würden selbst häufig ins Italienische wechseln, wenn dies vermeintlich schneller oder einfacher sei. Wenn die eigene Muttersprache aus Bequemlichkeit zurückgenommen werde, dürfe man sich über deren Bedeutungsverlust nicht wundern.
Der Heimatbund fordert deshalb mehr Zivilcourage und Bodenständigkeit. Lang warnt davor, dass ein Land seine Identität verlieren könne, wenn wirtschaftliche Interessen alles andere überlagern. In diesem Zusammenhang erinnert er an eine Warnung des früheren Landeshauptmanns Silvius Magnago aus dem Jahr 1971: Das Paket stärke zwar die Position Südtirols, könne aber zugleich zur Gefahr einer „moralischen Verfettung“ führen.
„Sind und wollen wir noch Südtiroler sein?“
108 Jahre nach der Zerreißung Tirols und 80 Jahre nach dem Pariser Vertrag stellt der SHB deshalb eine grundsätzliche Frage nach der Identität Südtirols: „Sind und wollen wir noch Südtiroler sein?“
Lang sieht in der Autonomie weiterhin ein wichtiges Instrument. Sie könne dabei helfen, Sprache, Geschichte und Eigenart zu bewahren. Den notwendigen Willen dazu könne die Autonomie den Südtirolern jedoch nicht abnehmen.
„Autonomie kann uns helfen, unsere Sprache, Geschichte und Eigenart zu bewahren. Den Willen dazu kann sie uns aber nicht abnehmen“, schließt Lang.
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