Alte Tirolensien neu gelesen (Teil 80)

Im Zentrum stehen die Diözese Brixen, die Amtszeiten der Fürstbischöfe Johannes Raffl und Johannes Geisler sowie die Zerreißprobe der „Option“ ab 1939. Das Buch beleuchtet darüber hinaus detailliert den Kampf um den deutschen Religionsunterricht, die Spaltung des Klerus in „Optanten“ und „Dableiber“ sowie die Verstrickungen zentraler Kirchenfiguren wie Generalvikar Alois Pompanin und den Widerstand von Priestern wie Michael Gamper.
Josef Gelmis Buch ist eine sehr beeindruckende und zugleich sehr differenzierte Darstellung der Südtiroler Kirchengeschichte in einer der schwierigsten Epochen des 20. Jahrhunderts. Der Autor beleuchtet die Zeit des Faschismus, des Nationalsozialismus, der Option und der Nachkriegsjahre und zeigt dabei auf eindrucksvolle Weise, wie eng Kirche, Politik und das persönliche Gewissen miteinander verbunden waren. Besonders wertvoll ist, dass der Autor nicht bei einer allgemeinen historischen Betrachtung stehen bleibt. Anhand zahlreicher Geistlicher und konkreter Ereignisse werden die verschiedenen Haltungen innerhalb der Kirche sichtbar: Mut und Widerstand stehen neben Anpassung, Zweifel und schwierigen Gewissensentscheidungen. Persönlichkeiten wie Josef Mayr-Nusser, Michael Gamper, Alois Pompanin und andere erhalten dadurch ein menschlich greifbares Profil.
Sehr eindrucksvoll sind auch die Abschnitte über die Option. Sie machen deutlich, wie tief diese Entscheidung die Südtiroler Bevölkerung und insbesondere den Klerus spaltete. Gelmi schildert die Konflikte ohne vorschnelle Verurteilungen und ermöglicht dadurch einen differenzierten Blick auf die damaligen Ängste, Überzeugungen und politischen Zwänge. Das hier zu rezensierende Werk ist zudem reich an bislang wenig bekannten Einzelheiten und historischen Dokumenten. Gerade diese konkreten Beispiele machen die Geschichte lebendig und zeigen, dass große historische Entwicklungen immer auch persönliche Schicksale und Gewissensentscheidungen bedeuten.
Der Titel Licht und Dunkel im Hause Gottes ist dabei sehr treffend gewählt: Gelmi verschweigt weder die dunklen Seiten noch die mutigen und hoffnungsvollen Momente. Gerade diese Ausgewogenheit macht das Werk besonders lesenswert. Alles in allem ist das hier zu besprechende Werk ein wichtiges, sorgfältig recherchiertes und zugleich bewegendes Buch über Südtirols Kirche in einer Zeit großer politischer und gesellschaftlicher Umbrüche. Für alle, die sich für die Geschichte Südtirols, die Kirche und die schwierigen Jahre zwischen Faschismus, Nationalsozialismus und Nachkriegszeit interessieren, ist dieses Buch auf diese Weise eine sehr empfehlenswerte Lektüre.
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Josef Gelmi, Licht und Dunkel im Hause Gottes. Südtiroler Kirche, Faschismus, Nationalsozialismus und Nachkriegszeit, Bozen 2014.






