„Südtirol schmeckt nach Heimat“: Steffi und Olli kochen sich durch Instagram

Hinter „Gusto Südtirol“ stehen die 33-jährige Steffi und der 44-jährige Olli. Während Steffi aus Südtirol stammt und sich um Kamera, Schnitt und den Auftritt des Kanals kümmert, ist Olli gelernter Koch. Er stammt ursprünglich aus Deutschland und lebt seit 2017 in Südtirol. Gemeinsam wollen sie zeigen, dass Südtiroler Küche mehr sein kann als die immer gleichen Klassiker – ohne dabei ihre Wurzeln zu verlieren.
Am 19. Juli gingen sie mit null Followern und, wie sie selbst sagen, „null Erfahrung“ an den Start. Inzwischen haben ihre Beiträge bereits mehr als 20.000 Aufrufe erreicht. Besonders gut kommen jene Videos an, in denen Steffi und Olli selbst auftreten: Dialekt, Gesichter und der Spaß am gemeinsamen Kochen scheinen bei den Zuschauern einen Nerv zu treffen.
Doch hinter den kurzen Videos steckt deutlich mehr Arbeit, als der fertige Instagram-Beitrag vermuten lässt. Von der Rezeptidee über Einkauf und Kochen bis hin zu Aufnahme, Schnitt, Ton und Text können mehrere Stunden vergehen. Regionalität soll dabei nicht bloß Kulisse sein: Die beiden möchten nach Möglichkeit heimische Zutaten verwenden und künftig auch die Menschen und Betriebe hinter Südtirols Lebensmitteln stärker sichtbar machen.
UT24 hat mit Steffi und Olli über die Idee hinter „Gusto Südtirol“, ihre Liebe zur heimischen Küche und ihre Pläne für die Zukunft gesprochen.
Steffi und Olli, zunächst einmal ganz von vorne: Wer seid ihr und was macht ihr, wenn ihr gerade nicht für „Gusto Südtirol“ vor der Kamera oder am Herd steht?
Hi, wir sind Steffi und Olli, die Gesichter hinter dem „Gusto Südtirol“-Kanal.
Wenn wir gerade nicht für Gusto Südtirol hinterm Herd stehen, Reels drehen oder schneiden, haben wir natürlich unseren ganz normalen Alltag mit Arbeit und Familie. Ich, Steffi, bin 33 Jahre alt, gelernte Empfangsmitarbeiterin und zweifache Mama. Olli ist 44 Jahre alt, gelernter Koch, stammt ursprünglich aus Deutschland und lebt seit 2017 in Südtirol. Und er ist außerdem mein persönlicher Privatkoch zu Hause.
Gusto Südtirol bauen wir erst seit wenigen Wochen mit absoluter Leidenschaft, ganz viel Freude und vielen Ideen nebenher auf. Jeden Tag merken wir mehr, wie viel Spaß es uns macht und wie viel Herzblut inzwischen in unserem Kanal steckt.
Dabei sind wir auch unglaublich stolz auf die Unterstützung, die wir von unserer Familie und unseren Freunden bekommen. Meine große Tochter, die bald 14 wird, findet mittlerweile selbst immer mehr Gefallen daran, bei unseren Reels mitzuwirken. Das freut uns ganz besonders, weil Gusto Südtirol dadurch noch mehr zu einem gemeinsamen Projekt wird.
Und genau dieser Support von Familie und Freunden bedeutet uns eigentlich am meisten. Hinter jedem Reel steckt nicht nur unsere Arbeit, sondern auch die Menschen, die uns den Rücken freihalten, mitmachen, Ideen einbringen oder uns einfach motivieren. Ohne diese Unterstützung wäre vieles gar nicht möglich.
Wie ist die Idee zu „Gusto Südtirol“ entstanden? Gab es einen konkreten Moment, an dem ihr gesagt habt: Das machen wir jetzt?
Die Idee ist ganz spontan aus unserer gemeinsamen Leidenschaft für das Kochen und Essen sowie aus unserer Liebe zur Südtiroler Küche entstanden.
Wir wollten den Leuten zeigen, wie viel Frische und Regionalität eigentlich in unserer Küche steckt und wie wenig Aufwand es manchmal braucht, daraus richtig gutes Essen zu machen.
Wir wollten nicht einfach nur einen weiteren Kochkanal starten. Uns war wichtig, Südtirol so zu zeigen, wie wir es selbst erleben: gutes Essen, regionale Produkte, Dialekt, Humor und vor allem ein bisschen dieses typische Südtiroler Lebensgefühl.
Irgendwann haben wir dann gesagt: Warum eigentlich nur darüber reden? Machen wir es einfach! Und so ist aus einer spontanen Idee Schritt für Schritt „Gusto Südtirol“ entstanden.
Olli, du bist gelernter Koch. Welche Rolle spielt dein beruflicher Hintergrund bei den Rezepten, die ihr für den Kanal auswählt?
Eine sehr große Rolle. Seitdem ich vor 27 Jahren den Beruf Koch gewählt habe, bin ich mit voller Leidenschaft dabei. Aromen, Geschmäcker und Gerüche nehme ich jeden Tag so intensiv wahr, dass sie wirklich ein Teil von mir geworden sind.
Genau dieses Gespür nutze ich bei der Rezeptauswahl für Gusto Südtirol. Mir ist es wichtig, die Ideen, die ich in meinem Berufsalltag entwickle, zu verfeinern und so zu übersetzen, dass sie für jeden funktionieren.
Wir wollen den Leuten fantastische Gerichte zeigen, die man auch wirklich ohne Probleme zu Hause nachkochen kann. Ich schaue selbst gerne diese atemberaubenden Kochvideos im Internet, aber ehrlich gesagt kann man die zu Hause fast nie umsetzen. Und genau diese Lücke wollen wir mit Gusto Südtirol schließen.
Und wie sind die Rollen bei euch verteilt? Wer kocht, wer filmt, wer schneidet – und wer hat am Ende das letzte Wort?
Wir haben eigentlich eine ziemlich klare Rollenverteilung – zumindest aktuell noch.
Olli ist für alles rund ums Kochen zuständig und bringt die kreativen Rezeptideen ein. Ich kümmere mich um das Filmen, Schneiden und die Nachbearbeitung sowie um die gesamte Kanalführung von Gusto Südtirol.
Und was das letzte Wort betrifft: Sagen wir es so – wir sind uns meistens einig. Und wenn nicht, dann wird diskutiert, bis eine Lösung gefunden ist.
Was macht für euch eigentlich echte Südtiroler Küche aus? Sind es bestimmte Gerichte und Zutaten oder vielmehr eine bestimmte Art zu kochen und gemeinsam zu essen?
Für uns ist Südtiroler Küche viel mehr als nur einzelne Gerichte.
Natürlich gehören Klassiker wie Knödel, Schlutzkrapfen, Speck oder Kaiserschmarrn einfach dazu. Aber echte Südtiroler Küche bedeutet für uns auch, mit guten und regionalen Zutaten zu kochen, nichts unnötig kompliziert zu machen und Essen gemeinsam zu genießen.
Gleichzeitig möchten wir die Südtiroler Küche nicht nur traditionell leben. Wir lieben es, klassische Gerichte neu und kreativ zu interpretieren, Dinge auszuprobieren und manchmal auch ein bisschen verrückt zu sein. Genau diese Mischung aus Tradition, Kreativität und etwas Neuem spiegelt uns und unseren Kanal am besten wider.
Wir möchten zeigen, dass Südtiroler Küche nicht stehen bleibt, sondern sich weiterentwickeln darf – ohne dabei ihre Wurzeln zu verlieren.
Und genau dieses Gefühl möchten wir mit Gusto Südtirol vermitteln: Es muss nicht immer perfekt oder extravagant sein. Hauptsache, es schmeckt, macht Spaß und man sitzt am Ende gemeinsam am Tisch – und genau dann entsteht für uns diese Geschmacksexplosion.
Bei euch geht es nicht nur ums Essen. Auch Dialekt und Südtiroler Humor spielen eine Rolle. War euch von Anfang an wichtig, dass man dem Kanal sofort anhört und ansieht, woher ihr kommt?
Ja, absolut. Sonst wären wir wahrscheinlich einer von vielen.
Wir wollten von Anfang an nicht versuchen, irgendetwas zu spielen oder uns für Social Media zu verstellen. Ich, Steffi, bin aus Südtirol und rede eben auch so, wie ich im normalen Leben rede. Olli kommt aus Deutschland, versteht meinen Dialekt mittlerweile aber zu 100 Prozent.
Der Dialekt gehört für uns genauso zu Südtirol wie das Essen. Und ein bisschen Südtiroler Humor darf natürlich auch nicht fehlen.
Gerade das macht den Kanal für uns authentisch und unterscheidet ihn von vielen anderen Food-Accounts.
Gibt es Gerichte aus der Südtiroler Küche, die eurer Meinung nach völlig unterschätzt werden und eigentlich viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätten?
Auf jeden Fall. Gerade die Südtiroler Küche hat viele Gerichte zu bieten, die vielleicht nicht so bekannt sind wie Knödel oder Speck, aber unglaublich gut schmecken.
Genau solche Gerichte möchten wir zeigen. Unser Ziel ist nicht, immer nur die bekanntesten Klassiker zu machen, sondern auch Rezepte und Gerichte wieder in Erinnerung zu rufen, die vielleicht ein bisschen in Vergessenheit geraten sind.
Gleichzeitig möchten wir traditionellen Gerichten auch eine ganz neue Interpretation geben. Und genau dafür ist Ollis Ideenreichtum Gold wert.
Und umgekehrt: Gibt es ein Südtiroler Gericht, an das ihr euch bislang noch nicht herangetraut habt?
Natürlich gibt es noch einiges, was auf unserer Liste steht. „Omaskuchl“ zum Beispiel – da kommt fast keiner ran.
Gerade das finden wir aber auch spannend an unserem Kanal. Wir wollen nicht so tun, als hätten wir schon alles gemacht und könnten alles perfekt. Es gibt noch viele Gerichte, die wir ausprobieren möchten.
Und vielleicht entsteht dabei ja auch einmal ein Rezept, bei dem wir am Ende selbst überrascht sind. Genau diese Kreativität, Spontanität und Eigeninitiative schätzen und lieben wir an unserer täglichen Arbeit am Kanal.
Nach nicht einmal einem Monat konntet ihr bereits mehr als 13.000 Aufrufe erreichen. Habt ihr mit einem solchen Start gerechnet?
Nein, absolut nicht und vor allem ehrlich gesagt nicht in diesem Ausmaß. Mittlerweile sind aus den ursprünglich 13.000 sogar schon über 20.000 Aufrufe geworden.
Mit unserem Kanal haben wir beide ein Projekt entwickelt, das komplettes Neuland für uns bedeutet. Gusto Südtirol haben wir am 19. Juli mit null Followern und null Erfahrung gestartet.
Als wir angefangen haben, wussten wir überhaupt nicht, wie die Leute auf unsere Videos reagieren würden. Wir haben einfach gehofft, dass die Idee gut ankommt.
Dass innerhalb so kurzer Zeit bereits so viele Menschen unsere Videos angeschaut haben, auch über Südtirol hinaus, hat uns wirklich sehr gefreut und natürlich auch zusätzlich motiviert.
Für uns ist das ein schönes Zeichen, dass Interesse an unserer Idee und an der Südtiroler Küche da ist.
Gab es bereits ein Reel oder ein Rezept, bei dem ihr selbst überrascht wart, wie gut es bei den Leuten angekommen ist?
Ja, definitiv. Gerade am Anfang beobachtet man natürlich jedes einzelne Reel und schaut gespannt, wie die Leute darauf reagieren.
Besonders spannend ist, dass nicht immer das Video, von dem man selbst denkt, dass es gut funktionieren wird, am Ende auch das erfolgreichste ist.
Wir haben relativ schnell gemerkt, dass gerade die Reels, in denen wir selbst zu sehen sind, besonders gut funktionieren. Unsere Gesichter, der Dialekt und ganz viel Spaß scheinen bei den Leuten sehr gut anzukommen.
Genau das macht Social Media für uns so interessant. Wir probieren deshalb weiterhin verschiedene Rezepte und Formate aus und schauen, was bei den Menschen am besten ankommt.
Social Media wirkt von außen oft sehr spontan. Wie viel Arbeit steckt tatsächlich hinter einem einzigen Reel – von der Rezeptidee bis zum fertigen Video?
Deutlich mehr, als man von außen wahrscheinlich denkt.
Am Anfang steht die Idee: Was kochen wir? Was brauchen wir alles dafür? Wie können wir das Gericht interessant zeigen? Was soll im Video passieren?
Dann wird eingekauft, vorbereitet, gekocht und gefilmt. Danach kommen noch das Schneiden, die Auswahl der Szenen, Ton, Text und alles, was dazugehört.
Über den Tag verteilt kommen da definitiv mehrere Stunden Arbeit zusammen, von der ersten Idee bis zum fertigen Reel. Gerade weil wir noch am Anfang stehen, lernen wir bei jedem einzelnen Video etwas dazu.
Gibt es bei euch auch Rezepte, die es niemals online schaffen, weil beim Probekochen etwas gründlich danebengegangen ist?
Jaaaaa, definitiv! Da steht mir mein Perfektionismus manchmal ganz krass im Weg. Kein Bild, kein Reel ist perfekt genug und man beginnt zu zweifeln.
Nicht jedes Experiment wird automatisch zum fertigen Reel. Manchmal funktioniert ein Rezept einfach nicht so, wie wir es uns vorgestellt haben, manchmal schaut das Ergebnis nicht so aus, wie es sollte, und manchmal schmeckt es einfach nicht.
Aber auch das gehört dazu. In den fertigen Videos sieht man natürlich meistens nur das Ergebnis. Hinter den Kulissen läuft aber längst nicht immer alles glatt.
Bei Lebensmitteln wird Herkunft immer stärker zum Thema. Wie wichtig sind regionale Produkte bei euren Rezepten?
Regionale Produkte sind für uns sehr wichtig.
Wenn wir über Südtiroler Küche sprechen, dann gehört für uns auch dazu, woher die Zutaten kommen. Südtirol hat unglaublich viele hochwertige Produkte und Produzenten direkt vor der Haustür.
Wir möchten deshalb nach Möglichkeit regionale Zutaten verwenden und auch zeigen, was unsere Region kulinarisch zu bieten hat.
Wir finden, dass wir unsere Regionalität noch viel stärker fördern und unterstützen sollten. Hinter den Produkten stehen so viele tolle Betriebe und Menschen, die mit Leidenschaft arbeiten. Genau diese Menschen möchten wir mit unserer Plattform auch sichtbar machen.
Ihr habt gerade erst angefangen. Wo soll „Gusto Südtirol“ in einem Jahr stehen? Ist das für euch vor allem ein Hobby oder könnt ihr euch vorstellen, daraus langfristig ein größeres Projekt zu machen?
Im Moment haben wir das große Ziel, unserem Kanal Bekanntheit zu verschaffen. Natürlich steht aber vor allem die Freude daran im Vordergrund. Wir wollen Schritt für Schritt wachsen und schauen, wohin die Reise geht.
Natürlich haben wir auch größere Ziele und können uns gut vorstellen, dass daraus langfristig mehr entsteht. Ich habe schon jetzt ganz viele tolle Ideen im Kopf, was daraus alles entstehen könnte. Welche Richtung das genau annimmt, wird sich mit der Zeit zeigen.
Wir möchten aber nichts erzwingen. Wichtig ist uns, dass Gusto Südtirol authentisch bleibt und wir weiterhin Spaß daran haben.
Sind neben Instagram auch andere Plattformen, Kooperationen oder vielleicht sogar einmal ein eigenes Kochbuch, Veranstaltungen oder andere Formate denkbar?
Ganz klares Ja!
Wir hoffen auf ganz tolle Zusammenarbeiten, darauf, viele neue Menschen kennenzulernen und gemeinsam etwas Schönes zu erschaffen. Dafür braucht es manchmal mehrere tolle Persönlichkeiten, Ideen und natürlich auch passende Betriebe und Partner.
Im Moment konzentrieren wir uns aber erst einmal darauf, Gusto Südtirol auf Instagram aufzubauen und eine Community zu schaffen.
Wenn sich daraus später weitere Möglichkeiten ergeben – andere Plattformen, Kooperationen, Veranstaltungen oder vielleicht irgendwann sogar ein eigenes Kochbuch –, wäre das natürlich eine geniale Entwicklung.
Wenn ihr jemanden, der „Gusto Südtirol“ noch nicht kennt, mit nur einem einzigen Gericht von eurem Kanal überzeugen müsstet: Was würdet ihr ihm servieren?
Unsere selbstgemachte Südtiroler Zwiebelmarmelade repräsentiert unseren Gusto-Südtirol-Kanal für uns sehr gut.
Sie ist regional, kreativ, vielfältig einsetzbar und gleichzeitig für jedermann einfach nachzumachen. Genau das ist auch das, was wir mit Gusto Südtirol vermitteln möchten: Aus guten Zutaten etwas Besonderes machen, ohne dass es kompliziert sein muss.
Und zum Abschluss: Südtirol schmeckt für euch nach …?
Südtirol schmeckt für uns nach Heimat, Kindheit, Familie und vielen wunderbaren Erinnerungen. Nach Natur, guten Produkten, traditionellen Gerichten, gemeinsamem Essen, Bergen und ganz viel Lebensgefühl.
Neueste Meldungen






