Wahlkreis-Streit im Unterland: Bürgermeister weisen Vorwürfe der Schützen zurück

Auslöser ist eine Informationsveranstaltung des Schützenbezirkes am vergangenen Freitag im Bürgerhaus von Tramin. Dort war über die geplante Reform und Teilung des Senatswahlkreises informiert worden. Die Bürgermeister bezeichnen die Veranstaltung grundsätzlich als „richtig, wichtig und notwendig“. Auch die große Beteiligung und der vollbesetzte Saal hätten gezeigt, wie sehr das Thema die Bevölkerung beschäftige.
Inhaltlich teilen die Gemeindevertreter die bei der Veranstaltung von Oskar Peterlini und Peter Hilpold vorgetragenen Bedenken. Sie stellen klar, dass auch sie das gemeinsame Ziel verfolgen, eine Trennung des Senatswahlkreises Bozen-Unterland zu verhindern.
„Diese Darstellung entspricht schlichtweg nicht den Tatsachen“
Für Unmut sorgte hingegen eine Aussage von Landeskommandant Christoph Schmid am Ende der Veranstaltung. Laut den Bürgermeistern habe Schmid ihnen vorgeworfen, in der Angelegenheit „stumme Nebendarsteller“ geblieben zu sein und sich nicht ausreichend oder überhaupt nicht gegen die Teilung gewehrt zu haben.
Diese Darstellung weisen die Bürgermeister entschieden zurück. Unmittelbar nach Bekanntwerden der geplanten Änderung seien Gespräche geführt, Telefonate geführt und Kontakte zu politischen Verantwortungsträgern aufgenommen worden. Zudem habe es Interventionen bei der Parteileitung, Vertretern der Landesregierung und auf verschiedenen politischen Ebenen gegeben.
Dass diese Arbeit nicht laufend öffentlich gemacht werde, bedeute keineswegs Untätigkeit. Politische Arbeit finde auch in persönlichen Gesprächen, Verhandlungen und direkten Interventionen statt, heißt es im offenen Brief.
„Nicht jede politische Arbeit findet auf einer Bühne statt. Nicht jedes Telefonat wird veröffentlicht“, schreiben die Bürgermeister. Deshalb sei es nicht akzeptabel, wenn vor einem vollbesetzten Saal der Eindruck vermittelt werde, die Gemeindevertreter hätten versagt oder sich ihrer Verantwortung entzogen.
Besonders kritisch sehen sie, dass den betroffenen Bürgermeistern nach den Vorwürfen keine unmittelbare Möglichkeit zur Stellungnahme gegeben worden sei.
Kritik an Umgang mit Tramins Bürgermeister
Besonders hervorgehoben wird im Schreiben der Traminser Bürgermeister Wolfgang Oberhofer. Als Hausherr der Gemeinde, in der die Veranstaltung stattfand, habe er nach der Kritik an den Bürgermeistern keine Möglichkeit erhalten, unmittelbar darauf zu reagieren.
Bei konkreten Vorwürfen gegen demokratisch gewählte Gemeindevertreter müsse es aus Sicht der Unterländer selbstverständlich möglich sein, diese richtigzustellen. Ein vor Beginn der Veranstaltung festgelegter Fragenkatalog könne nicht dazu führen, dass Betroffene nachträglich keine Gelegenheit zur Stellungnahme erhalten.
„Zusammenhalt muss auch gelebt werden“
Die Bürgermeister warnen zugleich vor einer Spaltung innerhalb des Unterlandes und Überetschs. Es brauche keine künstlichen Gräben zwischen Bürgermeistern, Schützen, Vereinen, politischen Vertretern und der Bevölkerung. Statt gegenseitiger Schuldzuweisungen müsse das gemeinsame Ziel im Vordergrund stehen.
„Zusammenhalt kann nicht nur gefordert werden. Zusammenhalt muss auch gelebt werden“, heißt es in dem Schreiben.
Dabei betonen die Bürgermeister ausdrücklich, dass sich ihre Kritik nicht gegen die Schützenkompanien in den einzelnen Gemeinden richte. Die Schützen und ihre Mitglieder wüssten, dass die Bürgermeister hinter ihrer Arbeit stünden und deren Bedeutung für Tradition, Brauchtum, Heimat und die Anliegen der Volksgruppe anerkennen würden.
Im offenen Brief wird zudem an historische Persönlichkeiten wie Josef Noldin, Josef Fontana und Sepp Kerschbaumer erinnert. Bei wichtigen Fragen der Heimat dürfe es nicht um persönliche Eitelkeiten, Applaus oder politische Selbstdarstellung gehen. Vielmehr seien Haltung, Verantwortung, Respekt und Anstand gefragt.
Gemeinsamer Widerstand gegen die Wahlkreisreform
Die Bürgermeister kündigen an, weiterhin mit Nachdruck gegen die geplante Trennung des Senatswahlkreises Bozen-Unterland vorzugehen. Dabei wolle man parteiübergreifend mit allen Organisationen, Institutionen und politischen Verantwortungsträgern zusammenarbeiten, die sich ebenfalls gegen die Reform stellen.
Unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie dieses Ziel am besten erreicht werden könne, seien legitim. Nicht akzeptabel sei hingegen die öffentliche Herabsetzung von Personen, die sich für dasselbe Ziel einsetzen, ohne ihnen die Möglichkeit zur Richtigstellung zu geben.
Am Ende des Schreibens appellieren die Bürgermeister an den Zusammenhalt von Gemeinden, Schützen, Vereinen, Politik und Bevölkerung. Das Unterland und Überetsch brauche keine künstlich erzeugten Gegensätze, sondern gegenseitigen Respekt und gemeinsame Anstrengungen gegen die geplante Änderung.






