von ih 10.08.2026 14:32 Uhr

Remigration? Dann zurück nach Italien!

Italienische Neofaschisten posieren vor dem faschistischen Siegesdenkmal in Bozen und werben für „Remigration“. Dabei ist der Ort für diese Inszenierung geradezu grotesk: Denn ausgerechnet das Siegesdenkmal steht wie kaum ein anderes Bauwerk für den Versuch des italienischen Faschismus, Südtirol zu unterwerfen, seine Identität zu brechen und das Land zu italianisieren.

Italienische Neofaschisten wollen sich offenbar selbst „remigrieren“. - Foto: Facebook.

Italiener sind nicht zufällig in Südtirol

Man muss sich die Szenerie einmal vor Augen führen: Italienische Neofaschisten stehen stolz vor dem faschistischen Siegesdenkmal in Bozen und fordern „Remigration“. Welche Botschaft wollen diese Herrschaften damit eigentlich aussenden?

Wenn sie unter „Remigration“ tatsächlich die Ausreise jener Menschen verstehen, die ihrer Vorstellung nach nicht in ihr Land gehören, dann stellt sich eine durchaus naheliegende Frage: Warum machen sie nicht bei sich selbst den Anfang?

Denn die Geschichte Südtirols ist bekannt. Nach der Annexion des Landes durch Italien wurde insbesondere unter dem Faschismus versucht, Südtirol systematisch zu italianisieren. Die italienische Bevölkerung wurde gezielt angesiedelt, während die deutsche und ladinische Bevölkerung politisch, kulturell und sprachlich zurückgedrängt werden sollte. Faschistische Ortsnamen wurden eingeführt, die deutsche Schule wurde verboten und die Tiroler Identität sollte aus dem öffentlichen Leben verschwinden.

Die Ansiedlung italienischer Bevölkerung war somit nicht einfach das Ergebnis einer natürlichen Bevölkerungsentwicklung. Sie war Teil einer staatlichen Politik, die darauf abzielte, den Charakter Südtirols zu verändern. Dass diese Italianisierungspolitik letztlich nicht den gewünschten Erfolg hatte, lag auch am Widerstand und an der Beharrlichkeit der Südtiroler Bevölkerung, die ihre Sprache, Kultur und Identität trotz massivem Druck bewahrte.

Und genau deshalb ist die jüngste Inszenierung vor dem Siegesdenkmal so bemerkenswert.

Ein Denkmal, das seinen Namen nicht zufällig trägt

Das Siegesdenkmal in Bozen ist kein neutrales Monument irgendeiner vergangenen Epoche. Es wurde vom faschistischen Regime errichtet und war von Anfang an als politisches Machtsymbol gedacht.

Am 12. Juli 1926 wurde der Grundstein gelegt, am 12. Juli 1928 wurde das Denkmal eingeweiht. Das Jahr 2026 markiert damit den 100. Jahrestag der Grundsteinlegung – ein „Jubiläum“, das angesichts der Geschichte dieses Bauwerks wohl eher Anlass zur Erinnerung als zum Feiern sein sollte.

Das Denkmal soll den angeblichen italienischen Sieg im Ersten Weltkrieg verherrlichen und gleichzeitig die Südtiroler Bevölkerung demütigen. Besonders bezeichnend ist die lateinische Inschrift: Hic patriae fines siste signa. Hinc ceteros excoluimus lingua legibus artibus – sinngemäß wird darin behauptet, Italien habe an diesem Ort seine Grenzen gesetzt und den „Barbaren“ Sprache, Gesetze und Künste gebracht.

Die Botschaft war unmissverständlich: Hier die angeblich zivilisierenden Italiener, dort die angeblich rückständigen „Barbaren“. Das ist keine neutrale Erinnerungskultur. Das ist faschistische Siegespropaganda in Stein.

Und genau deshalb ist es auch bezeichnend, dass ausgerechnet dieses Monument heute wieder als Kulisse für neofaschistische Provokationen dient. Wer behauptet, das Denkmal habe mit dem heutigen Faschismus nichts mehr zu tun, sollte sich fragen, warum sich gerade radikale Neofaschisten dort so wohlfühlen.

Ein Leuchtring macht aus einem Faschistendenkmal kein demokratisches Denkmal

Seit dem 21. Juli 2014 gibt es im Keller des Siegesdenkmals ein Dokumentationszentrum. Die Idee dahinter war, das Denkmal historisch einzuordnen und dadurch zu entschärfen. Doch ein Dokumentationszentrum im Keller verändert nicht die Botschaft des Bauwerks über dem Boden.

Oben steht weiterhin das monumentale faschistische Symbol. Und genau dort posieren heute wieder jene, die sich offen auf eine faschistische Tradition beziehen.

Viele volkstumspolitische Kräfte haben deshalb zu Recht mehrfach darauf hingewiesen, dass der demokratische Staat bis heute nicht bereit sei, das faschistische Erbe konsequent zu entsorgen oder zumindest wirklich zu entschärfen.

Passiert ist bisher jedoch nichts. Wenn wundert das allerdings, wenn die Nachfahren des italienischen Faschismus mittlerweile sogar Teil der Südtiroler Landesregierung sind – und von der SVP hofiert werden.

Und dann kommt die „Remigration“

Die aktuelle Provokation der Neofaschisten könnte absurder nicht sein.

Ausgerechnet vor einem Monument, das für die staatlich organisierte Italianisierung Südtirols steht, wird heute von italienischen Nationalisten „Remigration“ gefordert. Das ist historisch betrachtet eine groteske Verdrehung.

Denn wer die Geschichte Südtirols ernst nimmt, kann nicht so tun, als seien die ethnischen und sprachlichen Verhältnisse dieses Landes einfach zufällig entstanden. Die Italianisierung war über Jahrzehnte ein politisches Projekt. Menschen wurden angesiedelt, Institutionen wurden verändert, Sprache und Kultur wurden zurückgedrängt.

Diejenigen, die heute vor dem Symbol dieses Projekts stehen und „Remigration“ skandieren, sollten sich deshalb vielleicht einmal mit der Geschichte des Landes beschäftigen, an dem sie ihre Parolen präsentieren.

Und noch viel eher sollten sie sich die Frage stellen: Wie glaubwürdig ist es als Italiener in Südtirol „Remigration“ einzufordern, wenn man selbst noch immer im Land ist?

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