von lif 06.08.2026 08:24 Uhr

Nach Zertifikat-Skandal: Soziale Mitte verteidigt Prüfung

Die Ermittlungen um gefälschte Sprachzertifikate sorgen für Diskussionen. Für die Soziale Mitte der SVP darf daraus aber nicht der Schluss gezogen werden, die Zweisprachigkeitsprüfung selbst infrage zu stellen.

Foto: LPA/Greta Stuefer

Hintergrund sind die Ermittlungen gegen rund 1.700 öffentliche Bedienstete im Zusammenhang mit gefälschten Sprachzertifikaten. Für Gabi Morandell, Vorsitzende der Sozialen Mitte, ist die Zweisprachigkeitsprüfung keine bürokratische Schikane, sondern ein wichtiges Instrument zum Schutz der Sprachminderheit. Wer im öffentlichen Dienst arbeite, müsse die Bürger auf Deutsch und Italienisch verstehen und ihnen in ihrer Sprache begegnen können, betont Morandell. Der aktuelle Fall zeige jedoch, dass man beim Nachweis der Zweisprachigkeit genauer hinschauen müsse.

Die Zweisprachigkeitsprüfung sei in den vergangenen Jahren bereits grundlegend modernisiert worden, so Morandell. Nicht mehr die klassische Übersetzung eines Textes stehe im Mittelpunkt. Geprüft werde vielmehr, ob Texte verstanden und deren Inhalte in der jeweils anderen Sprache wiedergegeben werden könnten. Auch die Organisation sei vereinfacht worden: Die Anmeldung erfolge digital und wer am Vormittag den schriftlichen Teil bestehe, könne bereits am Nachmittag zur mündlichen Prüfung antreten. Das sei der richtige Weg, so Morandell. Man solle das System weiter verbessern und zu einem modernen, schnellen und verlässlichen Nachweis machen.

Klare Regeln auch für externe Zertifikate

Auch bei externen Sprachzertifikaten brauche es klare Regeln, betont die Vorsitzende. Zertifikate müssten anerkannt werden, entscheidend sei aber, dass sie auch tatsächlich die erforderlichen Sprachkenntnisse belegten. Am Ende dürfe nicht das Papier zählen, sondern die Fähigkeit, sich sicher in beiden Landessprachen zu verständigen. Ein Problem entstehe, wenn jemand diese Voraussetzung umgehen könne. Es wäre zutiefst unfair gegenüber all jenen, die jahrelang eine Sprache gelernt und eine Prüfung ehrlich bestanden hätten, wenn sich andere über gefälschte oder gekaufte Nachweise einen Vorteil verschafften.

Man brauche daher nicht weniger, sondern mehr echte Zweisprachigkeit, so Morandell. Die Prüfung oder das Zertifikat müsse sicherstellen, dass dort, wo Zweisprachigkeit verlangt werde, diese auch tatsächlich vorhanden sei. Das schütze die Sprachminderheit und stärke das Vertrauen in den öffentlichen Dienst.

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