von lif 06.08.2026 08:52 Uhr

Longevity: Trend oder echte Wissenschaft?

Länger und gesünder leben, davon träumen viele. Rund um dieses Versprechen ist ein Milliardengeschäft entstanden. Von Nahrungsergänzungsmitteln über Fitnesstracker bis zum sogenannten Biohacking. Doch hilft es wirklich oder ist es nur clever vermarktet?

Bild: APA (dpa)

Longevity ist das englische Wort für Langlebigkeit. Gemeint ist die wissenschaftliche Suche nach Wegen, das Leben zu verlängern und im Alter möglichst gesund zu bleiben. Neu ist die Idee nicht, doch in den vergangenen Jahren ist daraus ein regelrechter Trend geworden. Das Geschäft mit der Langlebigkeit boomt, wie auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft feststellt, von Pillen über Anti-Stress-Programme bis hin zur Selbstoptimierung. Dazu gehört auch das Biohacking. Dabei versuchen Menschen, ihren Körper gezielt zu beeinflussen und zu vermessen, um Gesundheit und Leistung zu steigern. Das reicht vom Verfolgen von Puls, Blutdruck und Schlaf mit einer Smartwatch bis hin zu deutlich radikaleren Methoden.

Wie weit der Trend gehen kann, zeigt der US-Unternehmer Bryan Johnson. Er hat es sich zum Ziel gesetzt, seinen Körper biologisch zu verjüngen und gibt dafür nach eigenen Angaben rund zwei Millionen Dollar im Jahr aus. Sein Programm umfasst über 100 Nahrungsergänzungsmittel täglich, dazu ständige Blutwertkontrollen und ein ganzes Ärzteteam, das seine Werte laufend nachjustiert. Johnson ist ein Extremfall, aber  steht sinnbildlich für einen Markt, der immer neue Mittel und Methoden verspricht. Viele der von ihm eingenommenen Stoffe, wie zum Beispiel Substanzen zur Steigerung des Zellbausteins NAD+, tragen komplizierte Namen und klingen nach Hightech. Die Frage ist nur, ob sie halten, was sie versprechen.

Was die Wissenschaft wirklich zeigt

Die vielleicht überraschendste Erkenntnis: Das, was am meisten bringt, ist längst bekannt und kostet fast nichts. Fachleute betonen übereinstimmend, dass ein gesunder Lebensstil der wichtigste Faktor für ein langes Leben bleibt. Wie groß der Effekt ist, zeigt eine Studie der University of Illinois. Demnach leben Frauen im Schnitt 22,6 Jahre länger und Männer 23,7 Jahre länger, wenn sie nicht rauchen, keinen Alkohol trinken, gut und ausreichend schlafen, sich gesund ernähren, in Bewegung bleiben, ihr Sozialleben pflegen und ihren Stress im Griff haben. Das sind mehr als zwei zusätzliche Jahrzehnte, allein durch den Lebensstil.

Dass die Grundlagen wirken, zeigt auch der Blick zurück. Die durchschnittliche Lebenserwartung hat sich in rund 150 Jahren mehr als verdoppelt, vor allem dank besserer Hygiene, medizinischen Fortschritts und besserer Ernährung.

Die Sache mit den Pillen

Und die vielen Nahrungsergänzungsmittel? Hier raten Fachleute zur Vorsicht. Die Apotheken Umschau warnt davor, wahllos Präparate zu schlucken. Sinnvoll sei die Einnahme erst, wenn tatsächlich ein Mangel vorliegt. Zu vielen der angepriesenen pflanzlichen Stoffe gebe es zudem keine Studien, die über einen ausreichend langen Zeitraum sowohl einen Nutzen als auch die Unbedenklichkeit belegen. Hinzu kommt, dass selbst als harmlos geltende Mittel  bei Überdosierung schaden können. Für einzelne Stoffe wie Kreatin, Vitamin D oder Omega-3-Fettsäuren gibt es zwar Hinweise auf einen Nutzen, doch auch sie ersetzen keinen gesunden Lebensstil. 

Nicht vergessen zu leben

Der Longevity-Trend hat durchaus sein Gutes, weil er das Bewusstsein für Vorsorge schärft. Auch in Südtirol sieht man immer mehr Regale mit Nahrungsergänzung oder „Fitness-Zeugs“, auch Fitnesstracker  Handgelenk fallen immer mehr auf Alltag. 

Doch die wichtigste Botschaft der Forschung ist wenig spektakulär und kostet kein Vermögen: nicht rauchen, sich bewegen, gut schlafen, gesund essen und soziale Kontakte pflegen. Und bei aller Optimierung sollte eines nicht zu kurz kommen, wie Fachleute mahnen: das Leben selbst. Wer nur noch damit beschäftigt ist, sein Leben zu verlängern, vergisst darüber leicht, es auch zu genießen.

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