Lehrermangel: Über 1.100 Stellen bleiben offen

Die Online-Stellenwahl für das Schuljahr 2026/27 ist abgeschlossen. Bei allen Stellenwahlen zusammen wurden 2.044 Stellen angeboten, gewählt wurden davon aber nur 914, der Großteil davon befristet, berichtet das Landespresseamt Südtirol. Insgesamt 1.130 Stellen blieben frei. Eine Stelle erhalten haben rund 800 Lehrpersonen. Besonders schwierig ist die Lage bei den unbefristeten Stellen, den sogenannten Stammrollen. Hier konnten nur 175 der möglichen 447 Stellen besetzt werden, das sind gut 39 Prozent. Von diesen 175 entfielen 60 auf die Grundschule, 69 auf die Mittelschule und 46 auf die Oberschule. Bei den befristeten Stellen wählten von 1.106 Bewerberinnen und Bewerbern 683 eine Stelle, in 67 Fällen war kein gewünschter Posten mehr verfügbar.
Dass die Lücke kein einmaliger Ausrutscher ist, zeigt der Blick zurück: Bereits im Vorjahr blieben von rund 1.950 angebotenen Stellen über 1.000 frei.
Vor allem die Mittelschule trifft es
Auffällig ist, wie ungleich der Mangel verteilt ist. In der Grundschule blieben 50,9 Prozent der angebotenen Stellen frei, in der Oberschule 40 Prozent, am stärksten aber trifft es die Mittelschule mit 70,1 Prozent unbesetzten Stellen.
Auch zwischen den Fächern sind die Unterschiede groß. In einigen Bereichen gibt es viele Stellen, aber kaum Bewerber, zum Beispiel in den technischen Fächern, in der Integration an Grund- und Mittelschule sowie in der Sprachförderung Deutsch. Besonders niedrig war die Besetzung in der Oberschule bei Mathematik und Physik mit knapp sechs Prozent sowie bei Informatik. In anderen Fächern ist es umgekehrt: Für Religion, Musik, Sport und Englisch an der Oberschule gibt es kaum freie Stellen und viele Interessierte.
Warum der Beruf unattraktiv geworden ist
Die Gründe für den Mangel liegen tiefer. Eine lange Ausbildung, vergleichsweise wenig Gehalt und unsichere Aussichten auf eine fixe Stelle schrecken viele ab. Das Einstiegsgehalt liegt in Südtirol bei rund 2.000 Euro im Monat, während die Gehälter in Österreich und Deutschland deutlich höher ausfallen. Hinzu kommt, dass Absolventen eines fünfjährigen Masterstudiums zusätzlich einen eigenen Ausbildungslehrgang absolvieren müssen, um die Lehrbefähigung zu erhalten.
Achammer will eine eigene Ausbildungsschiene
„Gerade in jenen Bereichen, in denen es schwierig ist, die Stellen zu besetzen, müssen wir als Land Südtirol neue Wege gehen“, sagt Bildungslandesrat Philipp Achammer. Deshalb wolle man eine eigene Ausbildungsschiene schaffen, die eine schnelle Qualifizierung für die Unterrichtstätigkeit ermögliche. Entsprechende Vorschläge werde er der Landesregierung vorlegen. Für Achammer geht es dabei um mehr als um Organisation: „Wenn wir Bildungsgerechtigkeit für jedes Kind umsetzen wollen, braucht es genügend Lehrpersonal.“ Es sei nun ein wichtiger Moment, um bestmöglich in das neue Schuljahr zu starten.
Die frei gebliebenen Stellen werden nun direkt von den Schulen vergeben. Dabei kommen auch Bewerber ohne die eigentlich vorgeschriebene Qualifikation zum Zug. Wie verbreitet das ist, zeigt eine Zahl des Landes: An Südtirols deutschsprachigen Grund-, Mittel- und Oberschulen unterrichten im Lauf eines Schuljahres rund 1.200 Personen ohne den vorgesehenen Studientitel. Das sind etwa 16 Prozent des gesamten Lehrpersonals.






