Unsicherheit beim Stillen: Warum professionelle Unterstützung wichtig ist

Jährlich werden in Südtirol rund 4.600 Kinder geboren. Gleichzeitig verfügen viele Familien heute nicht mehr über das enge familiäre Netzwerk, das früher selbstverständlich war. Umso wichtiger sei eine professionelle Begleitung in der ersten Zeit nach der Geburt.
Mit dem Betreuungspfad „Rund um die Geburt“ begleiten die Hebammen des Südtiroler Sanitätsbetriebes Frauen bereits während der Schwangerschaft und unterstützen sie besonders in den ersten Wochen nach der Geburt – vor allem bei Fragen rund ums Stillen. Allein im Gesundheitsbezirk Bozen nutzten im vergangenen Jahr mehr als 1.750 Mütter dieses Angebot.
Hebammen begleiten Familien von Anfang an
„Stillen ist die natürliche Ernährungsform des Säuglings und liefert alle wichtigen Nährstoffe, die ein gesundes Kind in den ersten Lebensmonaten braucht“, erklärt Chiara Comper, Koordinatorin der Sprengelhebammen im Gesundheitsbezirk Bozen. Selbst an heißen Sommertagen reiche Muttermilch als Flüssigkeitsquelle aus.
Frauen können sich bereits während der Schwangerschaft an eine Sprengelhebamme wenden. Nach der Geburt wird die Betreuung auf Wunsch fortgesetzt. Innerhalb von 48 Stunden nach der Entlassung aus dem Krankenhaus nehmen die Hebammen Kontakt mit der Mutter auf. Im ersten Lebensmonat begleiten sie die Familien in der Regel wöchentlich und beantworten Fragen zum Stillen, zur Gewichtsentwicklung des Kindes sowie zum Wohlbefinden von Mutter und Baby.
Neben Hausbesuchen stehen auch die Ambulatorien der Sprengelhebammen zur Verfügung. Im Gesundheitsbezirk Bozen sind dafür 26 Hebammen im Einsatz.
„Niemand muss diese Zeit alleine bewältigen“
Eine der häufigsten Sorgen junger Mütter sei die Frage, ob ihr Baby ausreichend Nahrung erhält. Viele Frauen seien anfangs verunsichert, berichtet Comper.
„Deshalb möchte ich alle Mütter ermutigen, Hilfe anzunehmen – sei es durch Fachpersonen oder durch das persönliche Umfeld. Ein Baby verändert den Alltag grundlegend. Diese Zeit ist wunderschön, aber auch fordernd. Niemand muss sie alleine bewältigen. Stillen muss nicht vom ersten Moment an perfekt funktionieren. Hilfe anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern der beste Weg, damit Mutter und Kind gut zusammenfinden“, sagt die Hebammenkoordinatorin.
Unterstützung auch ohne Stillen
Nicht alle Mütter können oder möchten stillen – etwa aus gesundheitlichen, beruflichen oder persönlichen Gründen. Auch sie werden laut Sanitätsbetrieb umfassend begleitet.
Dann stehen andere Themen wie die Ernährung des Kindes, seine Entwicklung, die Pflege des Neugeborenen oder die Rückbildung nach der Geburt im Mittelpunkt. „Jede Mutter soll sich gut begleitet fühlen – unabhängig davon, wie sie ihr Kind ernährt“, betont Comper.
Falls weitergehende medizinische Abklärungen notwendig sind, arbeiten Hebammen und Kinderärzte eng zusammen, um Mutter und Kind bestmöglich zu unterstützen.






