Ein Leben lang gearbeitet und trotzdem arm

Die 82-Jährige hat früh angefangen. Mit 14 Jahren trat sie ins Arbeitsleben ein, mit 19 kam ihr erstes Kind, vier weitere folgten, das letzte bekam sie mit 36. Als sie Anfang 40 war, starb ihr Mann. Von da an stand sie mit fünf Kindern allein da. Gearbeitet hat sie ihr Leben lang, vor allem hat sie Zimmer gemacht. Nach den ersten beiden Kindern ging sie direkt nach der Geburt wieder arbeiten, während die Kinder bei ihrer Mutter lebten. Das Problem an der ganze Sache ist, dass ihre Arbeit oft nicht gemeldet wurde. Ohne offizielle Anstellung flossen keine Beiträge in die Rentenkasse und damit fehlt dieses Geld heute in ihrer Rente. „Ich war die meiste Zeit nicht gemeldet und als junge Frau in dieser Zeit, ohne Ausbildung, kannte ich mich damit nicht aus“, sagt sie.
Heute lebt sie von der Mindestrente. „Ich kaufe mir nur das Nötigste“, erzählt sie. Einteilen muss sie sich alles genau. Zwar bekommt sie einige Begünstigungen, doch bis diese bei immer bearbeitet und akzeptiert werden, dauert es oft lange. Auch sie zählt zu jenen, bei denen die angekündigte Rentenaufstockung nicht ankam.
Eine Hilfe, die nicht alle erreicht
Genau gegen solche Fälle sollte die Rentenaufstockung des Landes wirken. Mit dem Landeshaushalt 2025 wurde eine Unterstützungsleistung für über 65-Jährige mit geringem Einkommen eingeführt, für die von 2025 bis 2027 jährlich rund 50 Millionen Euro bereitstehen. Anspruch hat, wer bis Dezember 2025 mindestens 65 Jahre alt und in Südtirol ansässig war, eine Rente von unter 1.000 Euro bezieht und eine gültige ISEE von höchstens 20.000 Euro vorweisen kann.
In der Praxis profitieren davon aber nur wenige. Im ersten Jahr bezogen 2.972 Senioren die Leistung, das Land stellte dafür 9,8 Millionen Euro bereit. Für 2026 waren es laut Team K nur rund 3.000 Personen und besonders die etwa 600 Mindestrentner, die Sozialgeld beziehen, haben bis heute keinen Cent erhalten. Die Kriterien bleiben auch für 2027 dieselben wie im ersten Jahr.
Für die Oppositionsbewegung Team K ist das zu wenig. Wegen der strengen Kriterien seien viele Betroffene ausgeschlossen worden, kritisiert die Abgeordnete Maria Elisabeth Rieder, gerade jene Menschen, die Unterstützung am dringendsten bräuchten. Team K fordert, dass alle Berechtigten die zustehenden Beträge auch rückwirkend für 2026 erhalten, und verlangt mehr Transparenz darüber, wie viele Menschen durch die Kriterien herausfallen. Gleichzeitig ruft Rieder alle möglichen Anspruchsberechtigten auf, die ISEE-Erklärung bis Ende September erstellen zu lassen, um nicht auf zustehende Leistungen zu verzichten.
Vor allem Frauen trifft es
Die 82-Jährige ist ein Beispiel für ein Muster, das sich in den Zahlen wiederfindet. Frauen sind im Alter deutlich häufiger von finanziellen Schwierigkeiten betroffen als Männer, weil sie oft Kinder erzogen, Angehörige gepflegt oder wie sie ohne geregelte Anstellung gearbeitet haben. Eine Sonderauswertung des Landesstatistikinstituts ASTAT kommt zum Schluss, dass in Südtirol bis zu 4.077 Frauen ab 67 Jahren möglicherweise gar keine eigene Rente beziehen. ASTAT warnt allerdings ausdrücklich davor, diese Zahl als gesichert zu verstehen, da es sich um eine Schätzung handelt.
Hinzu kommt, dass die Renten in Südtirol allgemein niedrig sind. Der Medianwert lag 2024 bei 13.795 Euro pro Rentenleistung im Jahr. Rund 19.000 Rentner beziehen zudem eine staatliche Mindestrente, die 2024 bei etwa 572 Euro im Monat lag.
Warum das Land nicht einfach die Renten erhöht
Eine direkte Aufstockung der Mindestrenten wäre laut Soziallandesrätin Rosmarie Pamer zwar technisch möglich, aber nicht sinnvoll, weil der Staat diese Aufstockung des Landes bei der Auszahlung seines Anteils wieder abziehen würde. Deshalb der Umweg über eine eigene Leistung. Um Altersarmut vorzubeugen, ruft Pamer vor allem Frauen dazu auf, rechtzeitig vorzusorgen, etwa über einen Zusatzrentenfonds oder über öffentliche Beiträge für Erziehungs- und Pflegezeiten.
Der Wunsch einer 82-Jährigen
Für die 82-Jährige kommen solche Ratschläge zu spät. Von der Politik wünscht sie sich vor allem eines: „Dass man mehr auf alte Menschen mit wenig Geld achtet.“ Sie habe das Gefühl, es werde immer nur auf jene geschaut, die ohnehin genug haben. „Mir kommt vor, es wird immer nur auf die geschaut, die schon Geld haben und nicht schauen müssen, wie sie über die Runden kommen.“






