Der grüne Männlichkeits-Guru

Männlichkeit ist immer schlecht
Politik sollte sich darum kümmern, gute Rahmenbedingungen für die Menschen zu schaffen – nicht darum, erwachsenen Männern vorzuschreiben, wie sie zu denken, zu fühlen oder zu leben haben. Wer ein Manifest darüber verfasst, was ein „echter Mann“ sein soll, erhebt zwangsläufig den Anspruch, anderen Menschen moralische Leitplanken zu setzen. Genau diesen Anspruch erhebt nun der erst 28 Jahre alte Zeno Oberkofler.
Die zentrale Botschaft des jungen Grünen lautet, traditionelle Männlichkeit sei von Klischees geprägt. Stärke, Risikobereitschaft oder geringe Emotionalität seien Eigenschaften eines überholten Männerbildes. Stattdessen fordert er einen neuen Männlichkeitsentwurf. Was dieser konkret sein soll, bleibt jedoch bemerkenswert vage. Der Eindruck entsteht vielmehr, dass klassische Männlichkeit von ihm vor allem als gesellschaftliches Problem verstanden wird.
Dabei gerät aus dem Blick, dass Eigenschaften wie Leistungsbereitschaft, Durchsetzungsvermögen, Mut oder Risikobereitschaft über Generationen hinweg wesentlich zum wirtschaftlichen, technischen und gesellschaftlichen Fortschritt beigetragen haben. Wer traditionelle Männlichkeit fast ausschließlich kritisch betrachtet, blendet diesen Teil der Realität aus.
Ein linksgrüner Erziehungsauftrag
Zeno Oberkoflers eigener Pflichtenkatalog zeigt, wohin die Reise gehen soll. Der moderne Mann soll Verantwortung für die psychische Gesundheit seiner Freunde übernehmen, sich mit Menstruation beschäftigen, Care-Arbeit leisten, Mental Load tragen, sich um Verhütung kümmern und sein Verhalten ständig selbst hinterfragen. Verantwortung zu übernehmen, ist selbstverständlich nichts Verwerfliches. Problematisch wird es jedoch, wenn daraus ein ideologisch geprägtes Männerbild entsteht, das den Anspruch erhebt, festzulegen, was ein „richtiger Mann“ heute zu sein hat. Genau das wirkt weniger wie ein Angebot zur Diskussion als vielmehr wie ein linksgrüner Erziehungsauftrag für eine ganze Generation.
Dabei wird ein grundlegender Widerspruch ausgeblendet. Seit Jahren wird jungen Männern vermittelt, traditionelle Männlichkeit sei grundsätzlich problematisch. Stärke, Durchsetzungsvermögen oder klassisch männliches Auftreten werden immer häufiger kritisch betrachtet oder mit negativen Eigenschaften verknüpft. Gleichzeitig entsteht bei vielen Männern der Eindruck, dass bereits ein normaler Flirtversuch oder ein offensives Werben um eine Frau schnell unter Generalverdacht geraten kann. Wer sich diesem gesellschaftlichen Klima ausgesetzt fühlt, zieht sich nicht selten lieber zurück, als das Risiko einzugehen, missverstanden oder verurteilt zu werden.
Parallel dazu steigt die Zahl der Singles seit Jahren an. Ob dafür allein kulturelle Entwicklungen verantwortlich sind, lässt sich sicher nicht behaupten. Die Frage muss jedoch erlaubt sein, ob eine durch radikale Feministinnen angestoßene Debatte, die Männlichkeit vor allem als Problem beschreibt und Männer immer stärker verunsichert, tatsächlich zu besseren Beziehungen zwischen Männern und Frauen beiträgt. Daran bestehen erhebliche Zweifel.
Widersprüche ohne Ende
Bemerkenswert sind Zeno Oberkoflers öffentliche Aussagen über seine eigene Jugend. Er schildert in Interviews, dass ihn der soziale Druck belastete, keine feste Freundin gehabt zu haben und sich nicht für Sport interessiert zu haben.
Umso mehr stellt sich die Frage, weshalb ausgerechnet er jetzt den Anspruch erhebt, ein neues Leitbild für Männlichkeit formulieren zu wollen. Wollen sich Männer wirklich von einem grünen Jungspund die Welt erklären lassen, der weder eigene Kinder hat, noch auf eine lange und erfüllte Partnerschaft zurückblicken kann? Der jedoch offen zugibt, dass sein eigenes Tun und Handeln in der Jugend nie sonderlich von Erfolg gekrönt war – weder im Dating, noch im Sport.
Ähnlich widersprüchlich wirkt auch Oberkoflers Ankündigung, junge Männer gezielt im Fitnessstudio oder im Umfeld der sogenannten Manosphere erreichen zu wollen. Ausgerechnet dort möchte er für sein neues Männerbild werben – in Kreisen, deren Vorstellungen von Männlichkeit, gesunder Ernährung und sportlicher Aktivität meilenweit von jenen eines Zeno Oberkoflers entfernt sind. Dort überhaupt ernstgenommen zu werden, dürfte eine Mammutaufgabe für den grünen Jungpolitiker werden.
An der Seite von patriarchalen Antisemiten
Auch politisch bleiben Fragen offen. Zeno Oberkofler engagierte sich in jüngster Vergangenheit bei antisemitischen Pro-Palästina-Demonstrationen, während er gleichzeitig traditionelle Männlichkeitsbilder im eigenen Land scharf kritisiert. Kritiker sehen darin einen Widerspruch und fragen, weshalb patriarchale Rollenbilder je nach politischem Kontext unterschiedlich bewertet werden.
Am Ende bleibt deshalb eine grundsätzliche Frage: Braucht Südtirol wirklich unerfahrene junge Politiker, die erwachsenen Männern erklären möchten, wie sie ihr Leben zu führen haben? Oder wäre es nicht sinnvoller, sich auf die eigentlichen Aufgaben eines Landtagsabgeordneten zu konzentrieren?
Männer brauchen kein Manifest aus der grünen Parteizentrale. Sie brauchen weder politische Umerziehungsprogramme noch ideologische Leitbilder. Sie brauchen die Freiheit, ihren eigenen Lebensweg zu gehen und selbst zu entscheiden, was für sie Verantwortung, Familie, Erfolg und Männlichkeit bedeuten.






