Freiheitliche kritisieren „besondere“ Schwimmstunde scharf

Die Stellungnahme des Beirats folge einem einfachen Prinzip, kritisiert der Obmann der Freiheitlichen, Roland Stauder: Man male sich die Welt, wie sie einem gefalle. Was nicht ins eigene Weltbild passe, werde kurzerhand zu „Inklusion“, „Dialog“ und „Selbstbestimmung“ erklärt. Besonders stört sich Stauder an einem Satz des Beirats, wonach es immer jemanden gebe, der zu bestimmen glaube, was der „richtige“ Weg sei, eine Frau zu sein. Genau hier liege der Widerspruch, so der Freiheitliche.
Die entscheidende Frage werde ausgeblendet, meint Stauder: Warum glaube man eigentlich, dass Frauen ihren Körper verhüllen müssten und weshalb würden dafür eigene gesellschaftliche Räume und Sonderregelungen nötig? Religiöse Bekleidungsvorschriften und traditionelle Rollenbilder seien schließlich nicht vom Himmel gefallen, sondern beruhten auf über Jahrhunderte gewachsenen Vorstellungen. Natürlich könne jede erwachsene Frau selbst entscheiden, was sie trage, betont der Obmann. Zwischen der individuellen Freiheit einer Frau und der politischen Institutionalisierung kulturell oder religiös begründeter Sonderregeln bestehe aber ein gewaltiger Unterschied.
Wenn öffentliche Einrichtungen begännen, ihre Angebote an Vorstellungen anzupassen, nach denen Frauen und Männer getrennt werden sollten, müsse die Politik fragen, ob damit Integration gefördert oder einer Parallelgesellschaft der Weg geebnet werde.
Streit um das Argument der Emanzipation
Ein Argument des Beirats greift Stauder besonders auf: Eine eigene Schwimmzeit könne Frauen helfen, ein „besonders abgeschottetes familiäres Umfeld“ zu verlassen. Dieser Satz müsste aus Sicht der Freiheitlichen die Alarmglocken schrillen lassen. Wenn Frauen ein Schwimmbad nur besuchen dürften, sofern Männer ausgeschlossen würden, solle eine emanzipatorische Politik doch zuerst fragen, warum diese Frauen ansonsten nicht teilnehmen könnten.
Die Antwort darauf könne nicht sein, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen Stück für Stück an die Abschottung anzupassen, so Stauder. Ob man einer Frau auf ihrem Weg zur Emanzipation helfe, indem man genau jene Strukturen institutionell berücksichtige, aus denen sie herausgeführt werden solle, sei mehr als zweifelhaft.
Integration bedeute nicht, dass sich die Aufnahmegesellschaft immer weiter an unterschiedliche religiöse und kulturelle Vorstellungen anpasse.
„Frauenrechte sind nicht verhandelbar“
Das eigentliche Problem der Stellungnahme sieht Stauder darin, dass sie immer weniger mit konkreter Frauenpolitik und immer mehr mit linker Gesellschaftspolitik zu tun habe. Eine Politik, die nahezu jede kulturelle Sonderregelung unter den Begriffen Vielfalt, Inklusion und Selbstbestimmung rechtfertige, frage nicht mehr, wo Integration ende und Segregation beginne.
Die Freiheitlichen verträten einen anderen Ansatz, betont Stauder: Frauenrechte seien nicht verhandelbar. Gleichberechtigung brauche keine kulturell-religiösen Sonderzonen. Und Integration funktioniere nicht dadurch, dass man Parallelstrukturen gesellschaftsfähig mache.






