PVÖ Tirol lehnt höheres Pensionsantrittsalter entschieden ab

„Wer ein höheres Pensionsalter fordert, muss zuerst sagen, wo die Arbeitsplätze für ältere Menschen sein sollen. Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer scheiden lange vor dem gesetzlichen Pensionsantritt aus dem Erwerbsleben aus – oft nicht freiwillig, sondern weil sie ihren Arbeitsplatz verlieren oder keine neue Beschäftigung mehr finden. Unter diesen Voraussetzungen bedeutet ein höheres gesetzliches Pensionsalter für viele Menschen nicht längeres Arbeiten, sondern längere Arbeitslosigkeit“, erklärt Striegl.
Verweis auf niedrige Beschäftigungsquote Älterer
Der PVÖ Tirol verweist darauf, dass die Beschäftigungsquote der 60- bis 64-Jährigen deutlich unter jener jüngerer Altersgruppen liegt und ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer überdurchschnittlich häufig von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen sind. Gleichzeitig steige das faktische Pensionsantrittsalter seit Jahren kontinuierlich. „Wer über weitere Reformen spricht, muss zuerst die Realität am Arbeitsmarkt verbessern. Sonst verschiebt man das Problem lediglich von der Pension in die Arbeitslosigkeit“, so Striegl.
Erst Arbeitsplätze schaffen – dann über längeres Arbeiten reden
Für den PVÖ Tirol liegt die eigentliche Herausforderung nicht beim gesetzlichen Pensionsalter, sondern bei den Rahmenbedingungen am Arbeitsmarkt. Viele Menschen können bereits heute aus gesundheitlichen Gründen oder wegen fehlender Beschäftigungsmöglichkeiten nicht bis zum gesetzlichen Pensionsantrittsalter arbeiten.
„Solange Betriebe Menschen ab 55 aussortieren, Bewerbungen aufgrund des Alters scheitern und Erfahrung am Arbeitsmarkt zu wenig geschätzt wird, bleibt die Forderung nach einem höheren Pensionsalter reine Theorie. Wer die Lebensarbeitszeit verlängern will, muss zuerst dafür sorgen, dass ältere Menschen tatsächlich eine faire Chance auf Beschäftigung haben“, betont Striegl.
Der PVÖ Tirol fordert daher einen konsequenten Ausbau altersgerechter Arbeitsplätze, verstärkte Gesundheitsprävention im Berufsleben, bessere Weiterbildungsangebote sowie wirksame Maßnahmen gegen Altersdiskriminierung. Ziel müsse es sein, das faktische Erwerbsaustrittsalter durch bessere Beschäftigungsmöglichkeiten anzuheben – nicht durch eine gesetzliche Verschärfung des Pensionsrechts.
Soziale Verantwortung statt Symbolpolitik
Der Pensionistenverband Tirol spricht sich klar gegen Symbolpolitik auf dem Rücken älterer Menschen aus. Wer jahrzehntelang gearbeitet und Beiträge geleistet hat, müsse sich auf einen verlässlichen Sozialstaat verlassen können. Dazu gehören Vertrauensschutz, eine volle Inflationsabgeltung der Pensionen sowie Planungssicherheit für alle Generationen.
„Nicht das gesetzliche Pensionsalter muss steigen, sondern die Chance älterer Menschen, bis zur Pension arbeiten zu können. Erst wenn dieses Ziel erreicht ist, kann seriös über weitere Reformen gesprochen werden. Alles andere ist keine verantwortungsvolle Pensionspolitik, sondern Symbolpolitik auf Kosten der Betroffenen“, fasst Striegl zusammen.
Die Position des PVÖ Tirol ist eindeutig: keine Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters, solange ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer am Arbeitsmarkt systematisch benachteiligt werden. Der richtige Weg führe über mehr Beschäftigung, bessere Arbeitsbedingungen und eine Arbeitsmarktpolitik, die Erfahrung als Stärke versteht – nicht über zusätzlichen Druck auf jene, die bereits heute oft um ihren Arbeitsplatz kämpfen.






