Mehr Schwangerschaftsabbrüche und Fehlgeburten in Südtirol

Im Jahr 2025 stieg die Zahl der in Südtirol durchgeführten freiwilligen Schwangerschaftsabbrüche gegenüber dem Vorjahr um 13,3 Prozent, jene der Fehlgeburten um 18,2 Prozent. 38,7 Prozent der Frauen, die einen Abbruch vornehmen ließen, besaßen nicht die italienische Staatsbürgerschaft. Bei einer Fehlgeburt waren die Frauen durchschnittlich 32,9 Jahre alt.
In den Gesundheitseinrichtungen Südtirols wurden 2025 insgesamt 595 freiwillige Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt. Mehr als acht von zehn der betroffenen Frauen waren in Südtirol ansässig. Die Abbruchziffer betrug 5,5 je 1.000 Frauen im gebärfähigen Alter (15 bis 49 Jahre). Auf gesamtstaatlicher Ebene lag sie im Jahr 2024 bei 5,9 Promille.
Mehr als die Hälfte der Gynäkologen verweigert den Eingriff
57,9 Prozent der Gynäkologen, die an jenen Krankenhäusern tätig waren, in denen Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt wurden, verweigerten den Eingriff aus Gewissensgründen. Berücksichtigt man alle Krankenhäuser Südtirols, sinkt ihr Anteil auf 50,6 Prozent.
Seit dem Jahr 2025 werden in zwei weiteren Südtiroler Krankenhäusern Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt. Die Zahl der verweigernden Gynäkologinnen und Gynäkologen ist daher nicht mit jenen der Vorjahre vergleichbar. Auf gesamtstaatlicher Ebene lag der entsprechende Anteil im Jahr 2023 bei 57,1 Prozent.
Etwa 40 Prozent der Frauen waren Ausländerinnen
Ausländische Staatsbürgerinnen beendeten eine Schwangerschaft etwa dreieinhalb Mal häufiger freiwillig als italienische Staatsbürgerinnen: Die Abbruchziffer lag bei 13,9 gegenüber vier Abbrüchen je 1.000 Frauen im gebärfähigen Alter. Insgesamt wurden 2025 38,7 Prozent aller freiwilligen Schwangerschaftsabbrüche bei Frauen mit ausländischer Staatsbürgerschaft durchgeführt.
Familienstand und Kinder
Die Frauen, die in Südtirol einen gesetzlich erlaubten Schwangerschaftsabbruch vornehmen ließen, waren überwiegend ledig (65,9 Prozent). 32,1 Prozent waren verheiratet und zwei Prozent getrennt, verwitwet oder geschieden. 46,2 Prozent der Frauen waren zum Zeitpunkt des Abbruchs kinderlos, 18,0 Prozent hatten bereits ein Kind und 35,8 Prozent mehr als eines. 24 Prozent gaben an, vorher bereits mindestens einmal eine Schwangerschaft freiwillig abgebrochen zu haben, 18,2 Prozent hatten zuvor mindestens eine Fehlgeburt erlebt. Der Anteil der Frauen mit wiederholtem freiwilligem Abbruch belief sich bei den Ausländerinnen auf 30,9 Prozent, bei den italienischen Staatsbürgerinnen auf 19,7 Prozent.
Fast die Hälfte war unter 30 Jahre alt
Die meisten Frauen, die einen freiwilligen Schwangerschaftsabbruch vornehmen ließen, gehörten der Altersklasse der 18- bis 29-Jährigen an (45,8 Prozent). Es folgen die Frauen zwischen 30 und 39 Jahren mit 42,6 Prozent. 9,6 Prozent der betroffenen Frauen waren mindestens 40 Jahre alt, der Anteil der unter 18-Jährigen machte zwei Prozent aus.
Frauen mit italienischer Staatsbürgerschaft waren zum Zeitpunkt des Abbruchs durchschnittlich 29,9 Jahre alt, jene mit ausländischer Staatsbürgerschaft 30,4 Jahre.
Abbrüche meist in den ersten Wochen
56,6 Prozent der freiwilligen Schwangerschaftsabbrüche wurden bis zur achten Schwangerschaftswoche vorgenommen, 22,0 Prozent in der neunten oder zehnten Woche und 14,1 Prozent in der elften oder zwölften Woche. 7,3 Prozent der Abbrüche erfolgten nach der zwölften Schwangerschaftswoche infolge eines auffälligen Befundes bei einer Vorsorgeuntersuchung oder aufgrund einer Erkrankung der Mutter.
Medikamentöse Abbrüche überwogen
2025 wurden 54,5 Prozent aller Abbrüche medikamentös durchgeführt. Der Abbruch erfolgte üblicherweise durch die Verabreichung von zwei Medikamenten, eines mit dem Wirkstoff Mifepriston, das andere mit dem Wirkstoff Prostaglandin. In 93,1 Prozent der Fälle erfolgte der Eingriff ambulant beziehungsweise in der Tagesklinik und war mit einem Aufenthalt von weniger als 24 Stunden verbunden. Diese Entwicklung führte zu einem Rückgang der operativen Abbrüche, die mit einer Vollnarkose und einem Krankenhausaufenthalt einhergehen. Sie machten im Bezugsjahr 34,8 Prozent aus.
Bewilligung meist durch das Krankenhaus
In den meisten Fällen wurde die Bewilligung für den Schwangerschaftsabbruch vom gynäkologischen Dienst eines Krankenhauses erteilt (85,8 Prozent). Deutlich seltener erfolgte sie durch den Hausarzt beziehungsweise die Hausärztin (9,4 Prozent) oder durch die Familienberatungsstellen (2,9 Prozent).
Zwischen der Ausstellung der Bewilligung und dem Abbruch verstrich wenig Zeit: 80 Prozent der Abbrüche erfolgten innerhalb von 14 Tagen, in 92,3 Prozent der Fälle vergingen höchstens drei Wochen. Der Großteil der Eingriffe verlief ohne Komplikationen (96,6 Prozent).
Ein Plus bei Fehlgeburten
Im Jahr 2025 wurden in Südtirol 384 Fehlgeburten verzeichnet, die eine Aufnahme in ein öffentliches Krankenhaus erforderlich machten. Das entspricht einem Zuwachs um 18,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr, als 325 Fälle registriert wurden.
Die Abbruchziffer aufgrund von Fehlgeburten lag bei 3,6 je 1.000 Frauen im gebärfähigen Alter. Bei den Ausländerinnen war sie mit 5,2 Promille höher als bei den Inländerinnen (3,3 Promille). Der Gesundheitsbezirk Brixen wies landesweit die höchste Fehlgeburtenziffer auf (4,6 Promille), was mit einer vergleichsweise hohen Geburtenrate zusammenhängt.
Das Alter spielt eine Rolle
Das Risiko einer Fehlgeburt steigt im Allgemeinen mit zunehmendem Alter der Schwangeren. Tatsächlich war die Abbruchquote bei Frauen ab 40 Jahren deutlich höher als in der Altersklasse der 35- bis 39-Jährigen (183,1 gegenüber 94,4 Fehlgeburten je 1.000 Lebendgeborene). Bei den 30- bis 34-Jährigen und den 25- bis 29-Jährigen betrug die Fehlgeburtenrate 68,8 beziehungsweise 64,8 Promille, bei den jüngsten Frauen zwischen 15 und 24 Jahren 97,5 Promille. Im Durchschnitt waren die Frauen zum Zeitpunkt einer Fehlgeburt 32,9 Jahre alt.
Meist bis zur zehnten Schwangerschaftswoche
Auch 2025 bestätigte sich, dass Fehlgeburten am häufigsten in den ersten Schwangerschaftswochen auftreten: 66,4 Prozent der Fälle ereigneten sich innerhalb der ersten zehn Wochen. Die durchschnittliche Dauer der Schwangerschaft vor einer Fehlgeburt sank gegenüber 2024 leicht und lag bei 10,1 Wochen.
Der Eingriff nach einer Fehlgeburt erforderte in 79,7 Prozent der Fälle einen eintägigen Krankenhausaufenthalt. In 46,6 Prozent der Fälle wurde eine Ausschabung durchgeführt, die Vollnarkose kam nach wie vor häufig zur Anwendung (72,7 Prozent).






