von lif 24.07.2026 17:27 Uhr

AEB: „Pflegende Eltern dürfen nicht vergessen werden!“

Eltern, die ihr Kind mit Behinderung jahrzehntelang betreuen, droht im Alter oft Armut. Der Verein AEB warnt nun davor, diese Familien bei der Rentenreform zu übersehen.

Bild: AEB

Der Verein AEB – Aktive Eltern von Menschen mit Behinderung – begrüßt zwar grundsätzlich die rentenmäßige Absicherung von Erziehungszeiten. Diese sei ein wichtiger Schritt zu sozialer Gerechtigkeit und zur Anerkennung der Care-Arbeit. Aus Sicht des Vereins greift sie jedoch zu kurz. Der Grund: Derzeit werde vor allem über die Anerkennung der ersten Lebensjahre eines Kindes diskutiert. Eltern von Kindern mit schwerer Behinderung leisteten aber oft jahrzehntelang intensive Betreuungs- und Pflegearbeit.

Viele geben ihren Beruf ganz auf

Viele Mütter und Väter reduzieren laut AEB ihre Arbeitszeit oder geben ihre Erwerbstätigkeit vollständig auf, um die Pflege und Begleitung ihres Kindes sicherzustellen. Die Folgen seien dramatisch: geringe Rentenansprüche und ein erhöhtes Armutsrisiko im Alter. Besonders betroffen sind dem Verein zufolge Mütter. Viele begleiten ihre Kinder ein Leben lang. Endet diese Betreuung durch den Tod des Kindes oder kommt es zu einer Trennung oder Scheidung, stünden zahlreiche Frauen ohne ausreichende soziale Absicherung oder mit einer existenzgefährdend niedrigen Pension da.

Wer jahrzehntelang eine Pflegeleistung übernehme, die ansonsten der Staat finanzieren müsste, dürfe im Alter nicht bestraft werden, betont AEB-Präsidentin Angelika Stampfl. Pflegearbeit sei gesellschaftlich unverzichtbar und müsse endlich auch pensionsrechtlich anerkannt werden.

Das fordert der Verein

Konkret verlangt AEB, dass pflegende Angehörige von Menschen mit Behinderung in zwei Punkten ausdrücklich und in ausreichendem Maß berücksichtigt werden:

  • bei der Anerkennung von Pflegezeiten für einen vorzeitigen Pensionsanspruch
  • bei der rentenmäßigen Absicherung von Pflegezeiten

Pflege ende in diesen Familien nicht nach einem oder fünf Jahren, heißt es vonseiten des Vereins. Bei Menschen mit schwerer Behinderung dauere sie häufig Jahrzehnte und sei vielfach mit einer Rund-um-die-Uhr-Verantwortung verbunden. Diese Leistung spare der öffentlichen Hand enorme Kosten und ermögliche vielen Menschen mit Behinderung überhaupt erst ein würdevolles Leben im sozialen Umfeld. Der Verein fordert die Landes- und Staatspolitik daher auf, die laufende Diskussion zu nutzen und Modelle zu entwickeln, die auch die Lebensrealität dieser Familien berücksichtigen. Eine gerechte Pensionsregelung dürfe diese Familien nicht länger ausblenden.

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