von ih 10.07.2026 11:12 Uhr

Zwischen Hitzewelle und Baustelle

Die anhaltenden Sommerhitzen rücken den Schutz von Beschäftigten im Freien zunehmend in den Fokus. Während über strengere Vorgaben und Temperaturgrenzen diskutiert wird, plädiert der Wirtschaftsverband Handwerk und Dienstleister (lvh) für einen praxisnahen Umgang mit dem Thema. Statt pauschaler Verbote brauche es flexible Lösungen, die den unterschiedlichen Arbeitsbedingungen gerecht werden.

Foto: Hannes Niederkofler

Auf Südtirols Baustellen sei Hitzeschutz bereits seit Jahren gelebte Praxis, betont der lvh. Viele Betriebe beginnen an besonders heißen Tagen früher mit der Arbeit, verlegen körperlich anstrengende Tätigkeiten in die kühleren Morgenstunden, schaffen zusätzliche Pausenmöglichkeiten und stellen ausreichend Trinkwasser sowie Schattenplätze zur Verfügung.

Die Herausforderungen betreffen dabei nicht nur das Baugewerbe, sondern zahlreiche Handwerksberufe, die ihre Arbeiten im Freien oder unter anspruchsvollen Bedingungen ausführen. Viele Tätigkeiten könnten nicht einfach in klimatisierte Räume verlegt werden.

„Wer auf einer Baustelle arbeitet, ist den Witterungsbedingungen jeden Tag direkt ausgesetzt. Umso wichtiger ist es, dass Schutzmaßnahmen konsequent umgesetzt werden und die Sicherheit der Beschäftigten an erster Stelle steht“, erklärt lvh-Baugruppenobmann Fritz Ploner. Die Betriebe seien sich ihrer Verantwortung bewusst und setzten entsprechende Maßnahmen sorgfältig um.

Nach Ansicht des lvh greifen starre Temperaturgrenzen jedoch zu kurz. Die Bedingungen auf Baustellen seien je nach Tätigkeit und Standort sehr unterschiedlich. Zwischen Asphaltierungsarbeiten im Talboden, einer Dachsanierung im Stadtgebiet oder einer Baustelle in höheren Lagen gebe es teils erhebliche Temperaturunterschiede. Die klimatischen Gegebenheiten in Südtirol seien vielfältig und ließen sich nicht allein an einer bestimmten Gradzahl festmachen.

Auch lvh-Direktor Walter Pöhl spricht sich für differenzierte Lösungen aus. „Die Diskussion über Hitzeschutz ist grundsätzlich wertvoll. Sie macht sichtbar, welche Leistungen täglich von Handwerkerinnen und Handwerkern erbracht werden“, sagt er. Gleichzeitig brauche es Augenmaß: „Starre Regeln werden der Realität oft nicht gerecht. Im Winter wäre es vielfach zu kalt, im Sommer zu heiß. Die Praxis ist deutlich differenzierter.“

Die Herausforderungen durch den Klimawandel würden weiter zunehmen, so Pöhl. Deshalb gelte es, bestehende Schutzmaßnahmen laufend weiterzuentwickeln und an die veränderten klimatischen Bedingungen anzupassen. Entscheidend sei weniger die Zahl neuer Vorschriften als deren Wirksamkeit und Praxistauglichkeit.

Der lvh betont abschließend, dass der Schutz der Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Betriebe oberste Priorität habe. Sicherheit entstehe nicht allein durch zusätzliche Regelungen, sondern vor allem durch eine gelebte Sicherheitskultur sowie das verantwortungsvolle Zusammenspiel von Unternehmen, Beschäftigten und Behörden.

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