100 Jahre Siegesdenkmal: „Ein Jubiläum der Schande“

Jahrzehntelang diente das Siegesdenkmal dem einzigen Zweck, den Faschismus zu verherrlichen und die Südtiroler zu demütigen. Seit dem 21. Juli 2014 ist eine zweite Zweckbestimmung hinzugekommen. Während oben weiterhin für alle sichtbar der Faschismus triumphiert, wurde im Keller der misslungene Versuch unternommen, das faschistische Denkmal durch ein Dokumentationszentrum zu „entschärfen“. In einem faulen Kompromiss wurde versucht, den demokratischen Kräften, die den Faschismus verurteilen, ein wenig entgegenzukommen, ohne die Anhänger des Faschismus allzu sehr zu verärgern, so der Südtiroler Heimatbund in einer Aussendung. Verschiedene sachliche Fehler in der Darstellung verwundern zwar, könnten aber noch hingenommen werden. So ist etwa die Rede davon, dass Cesare Battisti „von Kaiserjägern“ gefangen genommen wurde, obwohl jeder Geschichtsinteressierte, aber anscheinend nicht jeder Historiker weiß, dass Battisti vom Landesschützen-Fähnrich Bruno Franceschini erkannt und festgenommen wurde. Auch die falsche Übersetzung von „tenente“ mit „Leutnant“ (richtig Oberleutnant) verrät eine gewisse Unkenntnis in militärischen Dingen.
Der eigentliche Skandal liege aber darin, was in diesem „Dokumentationszentrum“ noch immer nicht dokumentiert wird. So wird verschwiegen, dass der Südtiroler Klerus vor der Grundsteinlegung des Denkmals Papst Pius XI. ersucht hatte, dem Bau keinen kirchlichen Segen erteilen zu lassen, klärt der SHB auf. „Dies hatte den Trientner Bischof Celestino Endrici nicht daran gehindert, sowohl bei der Grundsteinlegung als auch bei der Einweihung höchstpersönlich den Segen zu erteilen. Den Bischof störte auch nicht, dass Staatssekretär Giacomo Suardo bei der Einweihung in blasphemischer Weise den Stahlhelm der Soldaten mit dem Heiligenschein, das Bajonett mit dem Kreuz Christi, das harte Kommissbrot mit der Hostie und die Kriegsversehrten mit den Priestern verglich“. All das wird den Besuchern des „Dokumentationszentrums“ unterschlagen.
Auch die Petition (auch Brandstätter Akte genannt) von 348 Bozner Bürgern, die gegen die Errichtung des faschistischen Denkmal protestierten – nach dem Denunzianten Karl Brandstätter als „Brandstätter-Liste“ bekannt –  wird nicht ausgestellt. Wie der Heimatbund berichtet, bezieht sich der Begriff „Brandstätter Akte“ auf die historische Überwachung von 348 Bozner Bürgern. Diese hatten 1926 einen Protestaufruf gegen die Errichtung des faschistischen Siegesdenkmals und die damit verbundene Spendensammlung initiiert.
Der Bozner Polizeibeamte Karl Brandstätter, auch Informant für die faschistische Geheimpolizei OVRA tätig, denunzierte die Unterzeichner des Protestaufrufs. Die namentlich erfassten Bürger wurden bei der Bozner Präfektur gemeldet und für ihren Protest gegen das als Demütigung empfundene Monument drangsaliert.
„Die Südtiroler Musikkapellen, die bei der Einweihung spielten, werden zwar gezeigt, doch wird mit keinem Wort erwähnt, dass sie unter Androhung der Auflösung zur Teilnahme gezwungen wurden. Das ‚Dokumentationszentrum‘ kann in dieser Form seinen Zweck nicht erfüllen, während die ursprüngliche Zweckbestimmung des Denkmals, die Verherrlichung des Faschismus, ohne Einschränkungen erhalten geblieben ist“, so der Südtiroler Heimatbund.Â






