Bahn-Chaos in Deutschland: Funkstörung legt Zugverkehr lahm

Nachtzüge des Personenverkehrs und auch des Güterverkehrs konnten nicht mehr weiterfahren, wie ein ÖBB-Sprecher auf APA-Anfrage nach der gegen 22.30 Uhr aufgetretenen Störung mitteilte. Die ÖBB wollten Züge, die in der Nacht etwa von Innsbruck nach Wien über das Deutsche Eck verkehren, über Zell am See umleiten. „Wir hoffen natürlich, dass die Deutsche Bahn und InfraGO das bis zum Morgen wieder in Tritt bekommt“, sagte der ÖBB-Sprecher.
Fern-, Regional- und Stadtverkehr betroffen
„Aufgrund bundesweiter Störung des digitalen Bahnfunks GSM-R werden alle Züge an Bahnhöfen zurückgehalten“, teilte die Deutsche Bahn in ihrer ersten Störungsmeldung am Dienstagabend mit. Neben Fern- und Regionalverkehr waren auch S-Bahnen in verschiedenen Städten betroffen, so etwa in der Hauptstadt Berlin. Der Verkehr lief jedoch schneller als zwischenzeitlich befürchtet wieder an.
„Unsere IT-Experten haben ununterbrochen an der Behebung der Störung gearbeitet und waren erfolgreich“, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Gleichzeitig wurde vor möglichen Einschränkungen bis in die frühen Morgenstunden gewarnt. Betroffenen Passagieren sollten Taxi- und Hotelgutscheine ausgestellt und Ersatztransporte angeboten werden. Bahn-Chefin Palla sagte der „Bild“-Zeitung: „Wir konnten mit einem Notfallsystem die Lage stabilisieren.“ Die Ursache für das Problem „müssen wir jetzt klären“.
Systemausfall kurz vor Aufsichtsratstagung
Bei dem von der Störung betroffenen digitalen Bahnfunk GSM-R handelt es sich laut Metronom um ein zentrales Kommunikationsmittel zwischen den Lokführern im Zug und den Fahrdienstleitern auf den Stellwerken des Netzbetreibers DB InfraGO AG. Ein Ausfall dieses Systems stelle „ein immenses Sicherheitsproblem“ für den Zugbetrieb dar. Die „Bild“-Zeitung berichtete unter Verweis auf Sicherheitskreise, dass ein Software-Update der Auslöser für die Funkstörung gewesen sein könnte. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür nicht.
Der Vorfall mit ihren drastischen Auswirkungen auf den Zugverkehr ereignete sich wenige Stunden vor einer Tagung des Aufsichtsrates der Deutschen Bahn. Bei der am Mittwoch und Donnerstag stattfindenden Sitzung will Palla ihre Strategie für die kommenden Jahre vorstellen. Sie steht seit vergangenem Herbst an der Spitze des Konzerns und hat weitreichende Umstrukturierungen angekündigt. Insbesondere soll die Konzernzentrale deutlich verschlankt werden.
apa






