Europahütte wird zum Vorzeigeprojekt

Experten aus Architektur, Ingenieurwesen, Wirtschaft und Gesellschaft diskutierten über die Herausforderungen des Bauens in großen Höhen. Dabei standen sowohl klimatische und topografische Bedingungen als auch Fragen der Baukultur und gesellschaftlichen Entwicklung im Fokus.
In einer Videobotschaft betonte Nord- und Osttirols Landeshauptmann und Euregio-Präsident Anton Mattle die Bedeutung der Veranstaltung. Baukultur sei Ausdruck von Geschichte und Identität. Es freue ihn daher besonders, dass das hochkarätig besetzte Symposium in der Euregio stattfinde.
Als Beispiel für innovatives Bauen im Hochgebirge stellte Euregio-Generalsekretär Matthias Fink die neue Landshuter Europahütte in den Zillertaler Alpen vor. Die Schutzhütte liegt auf 2.693 Metern Höhe direkt auf der österreichisch-italienischen Staatsgrenze zwischen den Gemeinden Pfitsch und Gries am Brenner. Derzeit entsteht dort ein Neubau, der die stark sanierungsbedürftige bestehende Hütte ersetzen soll.
Das Projekt bringt besondere Herausforderungen mit sich: Die Staatsgrenze verläuft mitten durch das Gebäude, wodurch neben bautechnischen Fragen auch zahlreiche rechtliche und bürokratische Hürden zu bewältigen sind. Unterstützt wird das Vorhaben von der Europaregion Tirol und dem Interreg-Rat Wipptal.
Für den Architekten Matteo Scagnol, der aus Triest stammt und unter anderem in Brixen tätig ist, liegt gerade in dieser grenzüberschreitenden Dimension die Besonderheit des Projekts. Die neue Europahütte vereine eine symbolische und eine funktionale Ebene. Einerseits werde die Grenze zu einem Ort des Zusammenlebens, der Begegnung und des Austauschs. Andererseits reagiere das Gebäude mit einfachen technischen Lösungen auf die extremen Bedingungen im Hochgebirge.
Eine zentrale Rolle spielt dabei das große Dach der Hütte. Es dient nicht nur als Schutz vor den Witterungseinflüssen, sondern übernimmt auch technische Funktionen: Regen- und Schmelzwasser werden gesammelt und in einer Zisterne gespeichert, während Photovoltaikanlagen die notwendige Energie für den Hüttenbetrieb erzeugen. Aus diesem Zusammenspiel entstehe die architektonische Identität des Gebäudes, erklärte Scagnol.
Die Eigentümer der künftigen Europahütte sind das Land Südtirol und die Sektion Landshut des Deutschen Alpenvereins. Den Betrieb soll künftig eine eigens gegründete Stiftung übernehmen, an der der Alpenverein Südtirol (AVS), der Club Alpino (CAI), der DAV Landshut sowie der Österreichische Alpenverein als Vertreter des Landes Tirol beteiligt sind.
Die Europahütte gilt damit nicht nur als Bauprojekt im Hochgebirge, sondern auch als Symbol für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit innerhalb der Euregio Tirol.






