EZB hebt Leitzinsen an

Konkret hob die EZB am 11. Juni alle drei Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte an. Der für Banken und Sparer wichtige Einlagenzins klettert damit von zwei auf 2,25 Prozent. Der Hauptrefinanzierungssatz steigt auf 2,40 Prozent, der Spitzenrefinanzierungssatz auf 2,65 Prozent. Die neuen Sätze gelten ab dem 17. Juni 2026. Damit beendet die Notenbank eine längere Pause. Es ist die erste Zinserhöhung seit September 2023 und beendet eine Phase von sieben aufeinanderfolgenden Zinspausen.
Der Iran-Krieg treibt die Preise
Als Hauptgrund nennt die EZB die gestiegene Inflation. Der Iran-Krieg hat Energiekosten und Inflation angetrieben, die Zinserhöhung soll dem Kaufkraftverlust entgegenwirken. „Durch den Krieg im Nahen Osten entsteht Druck auf die Inflation“, heißt es von der Notenbank.
Mittelfristig will die EZB die Inflation wieder auf ihren Zielwert von zwei Prozent bringen. Für 2026 erwartet sie nun allerdings eine durchschnittliche Inflation von drei Prozent. Im Dezember war sie noch von 1,9 Prozent ausgegangen.
Auf einen festen Kurs für die kommenden Monate legte sich die EZB aber nicht fest. EZB-Präsidentin Christine Lagarde stellte klar, man entscheide weiterhin datenabhängig und von Sitzung zu Sitzung.
Was das für Verbraucher bedeutet
Für Sparer und Kreditnehmer hat die Zinswende spürbare Folgen und zwar in beide Richtungen. Höhere Leitzinsen können laut dem Vergleichsportal Verivox zu besseren Zinsen auf Tagesgeldkonten führen. Teils gibt es bereits Angebote mit bis zu vier Prozent, allerdings befristet und nur für Neukunden. Bestandskunden dürften hingegen vorerst kaum mit deutlich höheren Zinsen rechnen.
Die Kehrseite: Kredite und Finanzierungen werden tendenziell teurer. „Hypotheken und Immobilienfinanzierungen werden teurer, ebenso wie Konsumentenkredite“, erklärt Sonja Marten, Chefvolkswirtin der DZ Bank. Bei solchen Verteuerungen reagieren Banken erfahrungsgemäß sogar besonders schnell.
Gedämpfte Aussichten für die Wirtschaft
Gleichzeitig dämpfte die EZB ihre Erwartungen an die Konjunktur. Beim Wirtschaftswachstum rechnet sie für 2026 nur noch mit 0,8 Prozent, für 2027 mit 1,2 Prozent und für 2028 mit 1,5 Prozent. Als Gründe nennt sie die Auswirkungen des Krieges auf Rohstoffmärkte, Realeinkommen und das allgemeine Vertrauen.






