Antifa und Ost West Club konterkarieren Herz-Jesu-Feuer

Auf einer Alm im Pustertal wurde laut Ost West Club Est Ovest am Herz-Jesu-Sonntag ein Herz-Jesu-Feuer mit dem Schriftzug „BUNTES SUDTIROLO“ entzündet. Die Aktion wurde unter dem Titel „Occupy Herz-Jesu-Feuer“ verbreitet. Schon diese Wortwahl ist bezeichnend: Es geht nicht um Pflege, nicht um Weitergabe und nicht um respektvolle Auseinandersetzung mit einem gewachsenen Brauch. Es geht um Besetzung.
In dem geteilten Beitrag heißt es, man wolle die Herz-Jesu-Feuer mit einer zeitgenössischen Bedeutung versehen und ein Zeichen für Vielfalt, Offenheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt setzen. Gleichzeitig werden traditionelle Deutungen des Brauchs in die Nähe von „rechten und deutschnationalen Akteuren“ gerückt. Auch von Opfererzählungen, Identitätsängsten und einer angeblich fortgesetzten Trennung zwischen den Sprachgruppen ist die Rede.
Damit wird ein religiöses und historisches Zeichen Tirols nicht weitergedacht, sondern politisch umgedeutet. Wer das Herz-Jesu-Feuer unter dem Schlagwort „Occupy“ besetzt, macht aus einem Gelöbnis ein ideologisches Plakat.
Antifa-Gruppen im Unterstützerkreis
Bemerkenswert ist auch der Unterstützerkreis, der im Beitrag genannt wird. Neben Gruppen wie Alpelibera, Alto Adige Pride Südtirol, Bozen Solidale, Teatro Zappa, HdS (Haus der Solidarität), Spazio Autogestito 77 und dem Ost West Club Est Ovest werden ausdrücklich mehrere Antifa-Zusammenhänge angeführt: Antifa Überetsch, Antifa Brixen, Antifa feminist bookclub Bolzano und Antifa Sarntoul.
Damit ist die Aktion nicht bloß eine harmlose kulturelle Neuinterpretation eines alten Brauchs. Sie ist klar im politisch-aktivistischen Milieu verortet. Umso mehr stellt sich die Frage, weshalb ausgerechnet eine christlich-tirolische Tradition zum Schauplatz einer solchen politischen Botschaft gemacht werden musste.
Was Herz-Jesu wirklich bedeutet
Die Herz-Jesu-Feuer sind keine billige Projektionsfläche. Sie erinnern an das Herz-Jesu-Gelöbnis von 1796. Damals sah sich Tirol durch die napoleonische Bedrohung in einer schweren Lage. Die Tiroler Landstände traten in Bozen zusammen und beschlossen, das Land dem Heiligsten Herzen Jesu anzuvertrauen. Andreas Hofer erneuerte diesen Bund 1809 im Tiroler Freiheitskampf.
Seit Generationen stehen die Feuer auf den Bergen für Glauben, Treue, Heimat und gemeinschaftliche Erinnerung. In Südtirol haben sie zudem eine besondere Bedeutung als sichtbares Zeichen der Verbundenheit mit Tirol und der eigenen Geschichte. Man muss diese Tradition nicht teilen. Man muss sie auch nicht mögen. Aber wer ernsthaft von Respekt spricht, sollte sie nicht unter dem Banner einer politischen Gegenaktion vereinnahmen.
Vielfalt ohne Respekt ist nur Parole
Besonders fragwürdig ist der Versuch, die Sorge um Identität, Sprache und Heimat als rückwärtsgewandt oder als bloße Opfererzählung darzustellen. Südtirols Geschichte ist keine Erfindung und kein folkloristischer Mythos. Die deutsche und ladinische Volksgruppe mussten im 20. Jahrhundert erleben, was es heißt, wenn Sprache, Kultur und Identität staatlich bekämpft werden. Gerade daraus erwuchs der heutige Minderheitenschutz.
Wer diese Erfahrung abwertet, trifft nicht irgendeine „rechte Erzählung“, sondern den historischen Nerv dieses Landes. Zusammenhalt entsteht nicht dadurch, dass man die Zeichen anderer besetzt. Zusammenhalt entsteht durch Anerkennung. Dazu gehört auch die Anerkennung, dass die Herz-Jesu-Feuer für viele Tiroler nicht Kulisse für politische Experimente sind, sondern Ausdruck von Glauben, Heimat und geschichtlicher Treue.
Eine bewusste Provokation
Die Aktion „Occupy Herz-Jesu-Feuer“ war daher keine Brücke, sondern eine Provokation. Sie spricht von Offenheit, beginnt aber mit der Besetzung eines fremden Symbols. Sie spricht von Respekt, stellt aber eine gewachsene religiöse Tradition unter politischen Verdacht. Sie spricht von Zusammenhalt, bedient sich aber eines Tons, der viele gläubige und heimatverbundene Menschen vor den Kopf stoßen muss.
Ein buntes Südtirol braucht keine ideologische Enteignung seiner Traditionen. Es braucht Respekt vor dem, was dieses Land geprägt hat. Die Herz-Jesu-Feuer gehören nicht der Antifa, nicht dem Ost West Club und auch keiner tagespolitischen Kampagne. Sie gehören zu Tirols christlichem und geschichtlichem Gedächtnis. Wer sie „besetzen“ will, hat ihren Sinn nicht erneuert. Er hat ihn konterkariert.






