Was steckt hinter dem weltweiten Laufboom?

Die Zahlen sprechen für sich. Der Berlin Marathon 2024 erreichte 54.280 Finisher, und wenig später stellte der New York City Marathon 2024 mit 55.646 Finishern eine neue Höchstmarke auf. 2025 überquerten beim Tokyo Marathon 59.226 Menschen aus fast 130 Ländern die Ziellinie. Und der Trend hält an, denn seit 2024 übertrafen die Teilnehmerzahlen bei großen Laufveranstaltungen die Werte aus der Zeit vor der Pandemie.Â
Die Pandemie als Wendepunkt
Die Ursprünge des Laufbooms lassen sich teilweise auf die Covid-19-Pandemie finden. Als Fitnessstudios schlossen und Mannschaftssport nicht mehr möglich war, blieb vielen nur mehr die Straße vor der Haustür. So entdeckten Millionen Menschen das Laufen und blieben dabei. Eine Studie von ASICS aus dem Jahr 2020 deutet darauf hin, dass viele der während der Pandemie gewonnenen Läufer dauerhaft dabei bleiben werden.Â
Doch die Pandemie allein erklärt den Boom nicht. Der Trend fußt auf einer komplexen Mischung aus gesteigertem Gesundheitsbewusstsein, dem Bedürfnis nach Gemeinschaft und einem Ausgleich zum digitalen Alltag. Wer den ganzen Tag vor dem Bildschirm sitzt, sucht abends Bewegung, frische Luft und etwas, das sich echt anfühlt. Laufen bietet genau das.
Mehr als nur Sport
Was den aktuellen Laufboom von früheren Wellen unterscheidet, ist seine soziale Dimension. Laufgruppen entstehen in jeder Stadt, das Laufen wird zum Lebensgefühl, und Menschen teilen ihre persönlichen Laufgeschichten wie nie zuvor. Dabei geht es längst nicht mehr nur um körperliche Fitness, sondern um Motivation, bewussten Lifestyle und echte Freundschaften.Â
Auch wer läuft, hat sich verändert. Die Läuferschaft wird immer jünger und weiblicher. Während in den USA und Großbritannien bei etlichen Events bereits fast ein Gleichstand der Geschlechter herrscht, stieg der Anteil von Frauen bei Marathons in Deutschland 2024 auf 29 Prozent.Â
Interessant ist auch, dass trotz höheren Teilnehmerzahlen, die durchschnittlichen Zielzeiten über die letzten Jahrzehnte langsamer geworden sind. Es geht also nicht ums Gewinnen. Es geht ums Ankommen, ums Dabeisein und das persönliche Ziel.Â
Technik und Ausrüstung als Treiber
Auch die Industrie profitiert und treibt den Trend an. 2024 stieg die Verwendung von Hightech Laufschuhen im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent, was auf eine allgemeinere Akzeptanz bei Läufern aller Leistungsstufen hindeutet. Marken wie Nike, Adidas und On Running bieten Modelle in einer Preisspanne zwischen 200 und 300 Euro an. Smartwatches messen Herzfrequenz, Schlaf und Trainingsbelastung. Apps erstellen personalisierte Trainingspläne. Laufen ist heute auch ein technologisches Erlebnis.
Die Zukunft des Laufsports wird maßgeblich von einer Fortentwicklung technologischer Innovationen wie verbesserter Datenanalyse und personalisierten Trainingsplänen abhängen. Der Laufboom ist also mehr als nur ein flüchtiger Trend.Â






