von Alexander Wurzer 12.06.2026 15:41 Uhr

Bildungsomnibus: SVP sieht „Schritt in die richtige Richtung“

Die Diskussion um die deutsche Unterrichtssprache in Südtirols Kindergärten und Schulen bleibt eines der zentralen politischen Bildungsthemen. Der vom Landtag genehmigte Bildungsomnibus bringt mehrere Neuerungen im Bildungssystem. Die Bildungs-Arbeitsgruppe der Südtiroler Volkspartei sieht darin einen weiteren Schritt, um die deutsche Sprache im Bildungswesen zu stärken. Gleichzeitig betont AG-Vorsitzender Harald Stauder, dass dieser Weg noch lange nicht zu Ende sei.

Symbolbild (Foto: LPA/Peter Daldos)

Innerhalb der SVP arbeitet seit einiger Zeit eine eigene Arbeitsgruppe zum Thema Bildung. Ihr Ziel ist es, Maßnahmen zu erarbeiten, die einen qualitativ hochwertigen Unterricht der deutschen Sprache garantieren sollen. Das betreffe sowohl die Kindergärten als auch die Schulen des Landes, erklärt Harald Stauder, Vorsitzender der Arbeitsgruppe.

In Zusammenarbeit mit Bildungslandesrat Philipp Achammer seien bereits zahlreiche Maßnahmen und Zielsetzungen formuliert und der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Nun seien mit dem Bildungsomnibus weitere Punkte auf den Weg gebracht worden.

Achammer betont, der Bildungsomnibus stärke die Schulen in ihrer täglichen Arbeit. Mehr Flexibilität und klare Rahmenbedingungen würden eine gezieltere Förderung der Schüler ermöglichen und Inklusion sowie individuelle Bildungswege unterstützen.

Mitwirkungspflicht der Eltern

Eine der zentralen Neuerungen des Bildungsomnibus betrifft die stärkere Einbindung der Eltern durch eine gesetzliche Mitwirkungspflicht. Diese ist aus Sicht der Arbeitsgruppe besonders dort wichtig, wo Kinder beim Erlernen der deutschen Sprache stärker auf Unterstützung angewiesen sind.

Stauder verweist auf Rückmeldungen aus dem Bildungsbereich. Demnach werde vonseiten des Personals immer wieder berichtet, dass die elterliche Begleitung in vielen Fällen nur mangelhaft vorhanden sei. Das wirke sich negativ auf den Bildungsweg eines Kindes aus. Besonders kritisch sei dies dann, wenn nicht-deutschsprachige Kinder allein gelassen würden. Die Einführung einer Mitwirkungspflicht könne hier helfen, so Stauder.

Auch die Landesregierung betont in diesem Zusammenhang die gemeinsame Verantwortung von Schule und Erziehungsverantwortlichen für den Bildungserfolg; die neuen Bestimmungen zur Mitwirkungspflicht sollen laut Mitteilung nach den Prinzipien der Vernunft und der Verhältnismäßigkeit angewandt werden.

Kritik laut Stauder nicht nachvollziehbar

Kritik, wonach der Bildungsomnibus zu wenig weitreichend sei, weist Stauder zurück. Viele Einwände beruhen laut dem AG-Vorsitzenden auf mehreren Missverständnissen. Nicht jeder Punkt des SVP-Pakets erfordere überhaupt ein neues Landesgesetz – einiges lasse sich direkt auf dem Verwaltungsweg regeln, während andere Bereiche in die Zuständigkeit Roms fallen und auf Ministeriumsebene geklärt werden müssen. Wieder andere Maßnahmen bräuchten schlicht weitere Vorbereitung.

Bereits außerhalb des Bildungsomnibus auf den Weg gebracht oder in Umsetzung seien etwa die Möglichkeit, pensionierte Lehrpersonen am Nachmittag in der Sprachvermittlung einzusetzen, Auffrischungskurse für die Unterrichtssprache zu Beginn des Schuljahres sowie eine stärkere Einbindung der Vereine. Damit sollen Kinder noch besser in Sprache und Kultur eintauchen können.

„Kleine, aber substanzielle Schritte“

Für Stauder geht es nicht um kurzfristige Symbolpolitik, sondern um tragfähige Maßnahmen. „Wir sprechen hier von Kindern und deren Erziehung und Ausbildung. Lieber mehrere kleine, aber solide und substanzielle Schritte, als ein auf Effekt getrimmter Befreiungsschlag, dem es am Ende an Substanz mangelt“, betont der Vorsitzende der Arbeitsgruppe.

Die Zielsetzung bleibe unverändert: Gemeinsam mit Landesrat Achammer wolle man kontinuierlich weiterarbeiten. Der Bildungsomnibus sei ein Schritt in die richtige Richtung, aber bei weitem nicht das Ende des Weges.

Weitere Neuerungen im Bildungssystem

Der Bildungsomnibus enthält darüber hinaus mehrere administrative und strukturelle Anpassungen, die nun beschlossen sind. Mitarbeiter für Integration nehmen künftig an Klassenratssitzungen teil und erhalten bei Entscheidungen zu den ihnen zugewiesenen Schülern ein Stimmrecht. Bewertungen sind davon ausgenommen.

Für Unterrichtsmodelle mit individualisierten Curricula schafft das Gesetz einen einheitlichen Rahmen und führt einen individualisierten Klassenrat ein. Die Landesregierung regelt künftig Aufgaben, Zusammensetzung und Bewertungsabschnitte und schafft damit landesweit einheitliche Strukturen.

Zudem führt das Land ein Taschengeld für Praktika im Bildungsbereich ein. Damit werden Ausbildungswege attraktiver gestaltet und zusätzliche Fachkräfte für Schulen und Kindergärten gewonnen. Auch der Zugang zu Studiengängen wird erweitert: Personen mit Meisterdiplom erhalten künftig die Möglichkeit, auch ohne Matura ein ihrem Beruf entsprechendes Studium an der Freien Universität Bozen aufzunehmen.

Schulsystem muss Minderheitensituation berücksichtigen

Stauder verweist abschließend auf die besondere Lage Südtirols. Das deutsche Schulsystem sei aufgrund der Minderheitensituation anders zu betrachten als das gesamtstaatliche Bildungssystem. Sobald neue Möglichkeiten der autonomen Gesetzgebung erreicht würden, könne das Schulsystem noch besser an die Notwendigkeiten Südtirols angepasst werden.

Die Arbeitsgruppe sei bewusst mit Personen besetzt worden, die aus Gemeinden und Städten stammen, in denen Kindergärten und Schulen bereits heute mit komplexen Situationen konfrontiert sind. In manchen Einrichtungen sei der Anteil der deutschen Muttersprachler so gering, dass die bisherigen Mittel an Grenzen stoßen würden.

Gerade deshalb dürfe die Situation weder zu Lasten der Kinder gehen noch dazu führen, dass das Recht auf einen qualitativ hochwertigen Unterricht in der Muttersprache beschnitten werde. Die AG Bildung werde Bildungslandesrat Achammer daher weiterhin bei der Umsetzung der beschlossenen Maßnahmen unterstützen.

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