von lif 08.06.2026 16:47 Uhr

„Urzí sollte die Ursachen der Südtirol-Problematik hinterfragen statt Verstorbene zu diffamieren“

Die Freiheitlichen weisen die jüngsten Aussagen von Alessandro Urzí zum Tod des Historikers und ehemaligen BAS-Aktivisten Dr. Josef Fontana entschieden zurück. Parteiobmann Roland Stauder wirft Urzí fehlendes historisches Verständnis und mangelnden Respekt vor einem Verstorbenen vor.

Roland Stauder, Obmann der Freiheitlichen - Foto: Freiheitliche

Wer heute, mehr als sechs Jahrzehnte nach den Ereignissen, pauschal von „Terroristen“ spreche, offenbare vor allem eines: die Unfähigkeit, sich mit den Ursachen jener Entwicklungen auseinanderzusetzen, so Stauder.

Die Aktivitäten der Südtiroler Freiheitskämpfer seien nicht im luftleeren Raum entstanden, betont der Parteiobmann in einer Aussendung. Sie seien die Folge einer Politik des damaligen Nachkriegsitaliens gewesen, das die Südtirolfrage trotz internationaler Verpflichtungen nicht gelöst, sondern durch fortgesetzte Italianisierungs- und Majorisierungsversuche weiter verschärft habe. Die Missachtung berechtigter Anliegen, die schleppende Umsetzung des Pariser Vertrages und die gezielte Veränderung der Bevölkerungsstruktur hätten zu einer Situation geführt, die viele Menschen als unerträglich empfunden hätten. Gerade die Aktionen des BAS hätten die ungelöste Südtirolfrage wieder in den Blick der internationalen Öffentlichkeit gerückt und jene politische Dynamik in Gang gesetzt, die letztlich neue Verhandlungen ermöglicht habe. „Wer diesen historischen Zusammenhang ausblendet, betreibt keine Geschichtsaufarbeitung, sondern Geschichtsverdrängung“, so Stauder.

Appell an Urzí

Viel ehrenhafter wäre es laut Stauder, wenn sich Urzí mit der Rolle des italienischen Staates in den 1950er- und 1960er-Jahren auseinandersetzen würde. Er solle hinterfragen, weshalb sich Menschen damals zu Widerstand berufen fühlten und welche politischen Fehlentwicklungen diesem vorausgingen.

Stattdessen liefere Urzí einmal mehr einen Beitrag, der weder dem gesellschaftlichen Zusammenhalt noch einer sachlichen Aufarbeitung der Geschichte diene. Seine Wortmeldungen zeichneten sich zunehmend durch Provokation und Polarisierung aus, anstatt Brücken zwischen den Sprachgruppen zu bauen.

Südtirol brauche keine ideologischen Rückzugsgefechte vergangener Jahrzehnte, sondern einen respektvollen Umgang mit seiner Geschichte. „Wer Versöhnung und Zusammenleben ernst meint, sollte die Geschichte in ihrer Gesamtheit betrachten und nicht einzelne Personen für politische Zwecke instrumentalisieren“, so Stauder.

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