von Alexander Wurzer 30.05.2026 06:49 Uhr

Sarntaler Käse räumt groß ab: 100 Punkte für echte Hofqualität

Die Hofkäserei Steg aus dem Sarntal hat beim Wettbewerb „Das Kasermandl in Gold“ 2026 in Wieselburg stark aufgezeigt. Besonders das „Sarner Edelweiss“ von Hannes Frei wurde von der Fachjury mit der Höchstnote von 100 Punkten bewertet.

Die Hofkäserei Steg aus dem Sarntal hat beim Wettbewerb „Das Kasermandl in Gold“ 2026 in Wieselburg starkt abgeräumt (Foto: Hannes Frei)

Auch weitere Produkte der kleinen Sarner Hofkäserei überzeugten: Die Sauerrahmbutter erreichte 97,7 Punkte, der „Kasatsch“ 94,3 Punkte, der „Steger“ 92 Punkte, die „Sarner Scharte“ 89,5 Punkte und der „Pachler Zottel“ 89 Punkte.

Im Interview mit UT24 spricht Hannes Frei über echte Hofqualität, regionale Kreisläufe, harte Arbeit im Stillen und die Herausforderungen für kleine Familienbetriebe.

Das „Sarner Edelweiss“ wurde mit 100 Punkten bewertet. Was macht diesen Käse aus Ihrer Sicht besonders?

Die 100 Punkte beim Kasermandl in Wieselburg sind für uns eine riesige Freude und Bestätigung. Das „Sarner Edelweiss“ ist ein Weichkäse mit Edelschimmel, der von der ersten Sekunde an absolute Präzision verlangt. Das Besondere ist die Kombination aus unserer reinen, naturbelassenen Bio-Milch und der optimalen Reifung. Wenn alles perfekt zusammenspielt, entsteht diese einzigartige Cremigkeit und ein milder, aber charaktervoller Geschmack. Dass die Fachjury uns dafür die Höchstnote gibt, macht uns unheimlich stolz.

Wie viel Sarntal steckt in Ihren Produkten – bei Milch, Herstellung, Reifung und Geschmack?

In unseren Produkten steckt Sarntal von A bis Z. Unsere sechs Kühe genießen die frische Luft und das Futter direkt hier im Tal. Aber wir gehen noch einen Schritt weiter: Wenn wir Zutaten zusetzen, gehen wir keine Kompromisse ein. Die Gewürze für unseren Schnittkäse – wie beim „Pachler Zottel“ mit seinen Schüttelbrot-Kräutern – oder die Fruchtmischungen für unser Joghurt stammen ausnahmslos aus regionalem, heimischem Bezug. Das Sarntal und Südtirol stecken also in jedem Löffel und in jedem Bissen.

Was unterscheidet handwerklich hergestellten Hofkäse von industrieller Ware?

Der größte Unterschied ist, dass wir jeden Tag mit einem lebendigen Naturprodukt arbeiten und nicht mit einer standardisierten Formel. Bei uns wird der Bruch noch von Hand geschnitten, jeder Käse einzeln von Hand gesalzen und im Reifekeller intensiv gepflegt. Wir korrigieren die Milch nicht chemisch und jagen sie nicht durch riesige Industrieanlagen. Unser Käse darf reifen, wie es die Natur vorgibt. Das schmeckt man am Ende auch – jedes Stück ist ein ehrliches Unikat.

Bei einer Bewertung wie dem „Kasermandl“ wird sehr genau auf Aussehen, Konsistenz, Geruch und Geschmack geschaut. Ist so ein Ergebnis auch eine Bestätigung für die tägliche Arbeit, die man oft gar nicht sieht?

Absolut. Die Arbeit in einer Hofkäserei findet im Stillen statt, sieben Tage die Woche. Die Konsumenten sehen uns am Bio-Bauernmarkt in Bozen oder in Brixen lachen und verkaufen, aber die unzähligen Stunden im Stall, beim Saubermachen, beim Wenden im Reifekeller sieht niemand. Wenn dann ein Käse wie das „Sarner Edelweiss“ mit 100 Punkten ausgezeichnet wird, ist das der schönste Lohn für all die harte Arbeit und das Herzblut, das meine Familie und ich täglich hineinstecken.

Was sind die größten Herausforderungen für einen Betrieb wie die Hofkäserei Steg?

Als kleine Hofkäserei mit sechs Kühen ist der Arbeitsaufwand ohnehin enorm. Die größte Herausforderung im Alltag ist aber ganz klar die Bürokratie. Die Auflagen und Dokumentationspflichten sind für einen kleinen Familienbetrieb oft genauso hoch wie für eine Großmolkerei. Dazu kommen die steigenden Kosten für zertifizierte Bio-Betriebsmittel. Man muss extrem effizient arbeiten und gleichzeitig die handwerkliche Qualität halten, um wirtschaftlich zu bleiben.

Südtirol wirbt gerne mit regionalen Qualitätsprodukten. Haben kleine Hofkäsereien aus Ihrer Sicht genügend Sichtbarkeit und Wertschätzung?

In Südtirol stehen die großen Genossenschaften oft im Rampenlicht. Kleine, echte Hofkäsereien müssen hart darum kämpfen, gesehen zu werden. Deshalb sind Märkte wie der Bio-Bauernmarkt in Bozen für uns überlebenswichtig, weil wir dort direkt mit den Menschen reden können. Die Wertschätzung der Kunden, die bewusst zu uns kommen, ist riesig.

Ich bin überzeugt, dass die gesamte heimische Gastronomie enorm davon profitieren würde, wenn sie authentische Hofprodukte noch gezielter und im richtigen Licht präsentiert. Die Betriebe, mit denen wir bereits zusammenarbeiten, zeigen das ganz deutlich: Unsere Produkte bieten ihnen einen echten Mehrwert. Die Gäste suchen heute nach Ehrlichkeit und Bezug zur Herkunft – und genau das können wir kleinen Erzeuger liefern. Von der Politik, dem Tourismus und der Gastwirtschaft würde ich mir daher wünschen, dass dieser Kreislauf noch mutiger und digitaler unterstützt wird, damit die echten, kleinen Kreisläufe sichtbarer werden.

Was wünschen Sie sich von den Konsumenten, wenn es um heimische Lebensmittel und echte Hofqualität geht?

Ich wünsche mir, dass Konsumenten wieder vermehrt hinterfragen, woher ihr Essen kommt. „Regional“ ist ein schönes Wort, aber bei uns bedeutet es eben gelebte Ehrlichkeit. Die Milch kommt zu 100 Prozent von unseren eigenen sechs Kühen hier vom Steghof im Sarntal.

Und wenn wir Zutaten zusetzen, schauen wir ganz genau hin: Da wir im Sarntal nicht alles selbst anbauen können, holen wir die Gewürze und Fruchtmischungen für unsere Käsereifung und das Joghurt gezielt aus dem Vinschgau. Also zu 100 Prozent aus Südtirol, von Partnern, die genauso viel Wert auf Qualität legen wie wir. Wer beim Bauern kauft, sichert den Fortbestand dieser echten Kreisläufe. Schaut uns über die Schulter, probiert den Unterschied und schätzt die Zeit, die ein gutes Lebensmittel zum Reifen braucht!

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