von lif 27.05.2026 10:18 Uhr

Voller Teller, voller Müll

Es klingt absurd und es ist absurd. Während jeden Tag Millionen Menschen nicht genug zu essen haben, landen in anderen Ländern tonnenweise einwandfreie Lebensmittel im Müll. Nicht weil sie schlecht sind, sondern weil sie zu viel gekauft, falsch gelagert oder einfach vergessen wurden.

Bild: APA (Archiv/epa)

Die Zahlen sind schwer zu fassen. Laut dem Food Waste Index Report 2024 der Vereinten Nationen landen weltweit rund 1,05 Milliarden Tonnen Lebensmittel jährlich im Müll. Gleichzeitig hungern 673 Millionen Menschen. Das ist kein Zufall und kein Naturgesetz. Es ist das Ergebnis von Überfluss auf der einen und strukturellen Problemen auf der anderen Seite.

Europa ist kein Vorbild

Auch Europa trägt erheblich zur Verschwendung bei. In der Europäischen Union werden jährlich etwa 60 Millionen Tonnen Lebensmittel verschwendet, was die EU jedes Jahr mehr als 130 Milliarden Euro kostet. Gleichzeitig können sich mehr als 40 Millionen Menschen in der EU nur jeden zweiten Tag eine hochwertige Mahlzeit leisten. Zwei Realitäten, die kaum weiter auseinanderliegen könnten, und das auf demselben Kontinent.

Weltweit verschwenden Haushalte, Einzelhandel und der Gastronomiesektor zusammen 19 Prozent aller verfügbaren Lebensmittel. Dazu kommen weitere 13 Prozent, die bei Transport und Lagerung verloren gehen. Das bedeutet: Fast ein Drittel aller produzierten Lebensmittel erreicht nie einen Teller.

Besonders auffällig ist dabei die Rolle der privaten Haushalte. Laut dem Ernährungsradar, der Daten von Eurostat und dem deutschen Bundesministerium für Ernährung auswertet, entsteht mit 59 Prozent der größte Anteil der Lebensmittelabfälle in privaten Haushalten, also bei uns zu Hause. Nicht im Supermarkt, nicht in der Fabrik, sondern in der eigenen Küche.

Warum werfen wir so viel weg?

Die Gründe sind vielfältig. Zu große Portionen beim Einkauf, unklare Mindesthaltbarkeitsdaten, spontane Planänderungen und der günstige Preis von Lebensmitteln machen das Wegwerfen zur einfachen Lösung. Wer für ein Kilo Tomaten weniger als zwei Euro zahlt, überlegt zweimal, ob es sich lohnt, sie noch zu retten.

Dazu kommt ein gesellschaftliches Phänomen: Makellose Lebensmittel. Krumme Gurken, fleckige Äpfel und unförmige Karotten landen oft schon vor dem Supermarkt im Müll, weil sie nicht den optischen Erwartungen der Konsumenten entsprechen. 

Politik reagiert, aber spät

Das Europäische Parlament beschloss im September 2025 neue verbindliche Reduktionsziele für Lebensmittelverschwendung bis 2030. Im Einzelhandel, in Restaurants, im Catering und in privaten Haushalten liegt das Ziel bei einer Reduktion von 30 Prozent im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2021 bis 2023. Ein wichtiger Schritt, aber einer, der Jahrzehnte zu spät kommt.

Denn das Bewusstsein für das Problem ist längst vorhanden. Studien zeigen, dass die meisten Menschen wissen, dass sie zu viel wegwerfen. Das Verhalten ändert sich aber trotzdem kaum. Bequemlichkeit, mangelnde Planung und ein Lebensmittelsystem, das auf Überfluss ausgelegt ist, machen es schwer, aus dem gewohnten Muster auszubrechen.

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