Mattle gegen Pläne für sechs Jahre Volksschule

„Im Ministerium in Wien redet es sich leicht, ob die Volksschulzeit mal eben so auf sechs Jahre verlängert wird“, meinte der Landeschef. Wenn eine Gemeinde eine Volksschule errichte, die auf vier Jahrgänge ausgerichtet sei, „haben nicht auf Anordnung sechs Jahrgänge Platz“, wähnte er ein praktisches Problem. Die Diskussion widerspreche zudem dem Konzept, das in Tirol verfolgt werde: „Wir sollten den Bildungsbereich inhaltlich und verwaltungstechnisch reformieren, aber nicht komplett auf den Kopf stellen.“
Dem pflichtete indes der Präsident des Tiroler Gemeindeverbandes, Karl-Josef Schubert, bei. Der ÖVP-Bürgermeister der Gemeinde Vomp meinte zwar, dass eine sechsjährige Volksschule bildungspolitisch „die richtige Entscheidung“ sein möge. „Als Gemeinden können wir massive Umbauarbeiten, die vielerorts damit verbunden wären, aber nicht leisten“, meinte er gegenüber der „TT“ und forderte im Falle einer Einführung finanzielle Unterstützung des Bundes. In Wien seien Volksschulen und Mittelschulen häufiger in einem Gebäudekomplex untergebracht, in den Bundesländern jedoch nicht, sah er offenbar andere Bedingungen gegeben.
Wiederkehr verteidigt Pläne
Bildungsminister Wiederkehr verteidige seine Pläne unterdessen in einem Interview mit dem „Kurier“ (Sonntag-Ausgabe). Es gebe viel Evidenz aus anderen Ländern, dass eine sechsjährige Volksschule zu mehr „Chancengerechtigkeit und besserer Leistung“ führe – Vorbild sei für ihn die Schweiz. Aktuell werden Pilot-Volksschulen gesucht. Dort unterrichten sollen Volksschul-, Mittelschul- und Gymnasial-Lehrkräfte, so Wiederkehr. Dass diese nach unterschiedlichen Gehaltsschemen bezahlt werden könne problematisch sein und in einer „langfristigen Vision“ hinterfragt werden. Auch innerhalb einer verlängerten Volksschule solle es eine Differenzierung nach Leistungsniveaus geben.
apa






