von lif 01.05.2026 14:53 Uhr

Die schlaflose Gesellschaft

Früher war die Nacht einfach Nacht. Kein Leuchten vom Nachttisch, keine Benachrichtigungen und kein endloses Scrollen. Heute ist das anders und die Folgen zeigen sich in den Zahlen. Schlafstörungen sind keine Randerscheinung mehr, sondern eine stille Volkskrankheit, die weltweit immer mehr Menschen betrifft.

Schlafen (Symbolbild) - Foto: Pixabay

Laut der Resmed Global Sleep Survey 2024, für die 36.000 Personen in mehreren Ländern Asiens, Europas und Amerikas befragt wurden, bekommt fast 40 Prozent der Befragten in nicht mehr als drei Nächten pro Woche wirklich guten Schlaf. Für Deutschland zeichnen die Zahlen ein ähnlich düsteres Bild. Laut Statista Consumer Insights haben rund 43 Prozent der Deutschen in den vergangenen zwölf Monaten unter Schlafstörungen gelitten. Und der Trend zeigt nach oben, denn laut dem Norvio Magazin, das Daten mehrerer deutscher Krankenkassen ausgewertet hat, stiegen Schlafstörungen bei Berufstätigen zwischen 35 und 65 Jahren von 2010 bis 2015 um 66 Prozent. Seitdem hat sich die Situation weiter verschärft.

Das Smartphone auf dem Nachttisch

Ein wesentlicher Faktor ist bekannt, aber wird trotzdem von den meisten ignoriert: das Smartphone. Laut einer Studie aus dem Jahr 2024 haben jene Personen, die nach dem Löschen des Lichts noch ihr Handy im Schlafzimmer nutzten, schlechter geschlafen und sich am nächsten Tag müder gefühlt. Das Scrollen durch Nachrichten und soziale Medien aktiviert das Gehirn genau dann, wenn es zur Ruhe kommen sollte. Inhalte regen zum Nachdenken an, lösen Emotionen aus und verhindern, dass der Körper in den Ruhemodus schaltet.

Dazu kommt das viel diskutierte Blaulicht. Die Forschungslage ist nicht ganz eindeutig, aber mehrere Studien deuten darauf hin, dass Bildschirmlicht die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin hemmt und die innere Uhr durcheinander bringen kann. Eine Studie der Harvard University zeigte, dass Probanden, die abends blauem Licht ausgesetzt waren, bis zu drei Stunden später müde wurden als jene, die grünem Licht ausgesetzt waren.

Stress, Sorgen und der Dauerkrisen-Modus

Doch das Smartphone allein erklärt nicht alles. Laut einer Befragung der KKH Kaufmännischen Krankenkasse hat gut die Hälfte der Befragten aktuell an mindestens drei Tagen pro Woche Schlafprobleme. Die meisten davon, nämlich 62 Prozent, geben an, dass ihre Gedanken dann häufig um Probleme und Sorgen kreisen. Konflikte im Beruf, private Belastungen, aber auch der allgemeine Dauerkrisen-Modus der vergangenen Jahre hinterlassen ihre Spuren in der Nacht.

Besonders alarmierend ist die Entwicklung bei jungen Menschen. Die KKH verzeichnet im Zehnjahresvergleich bei den 25 bis 29-Jährigen das deutlichste Plus bei Schlafstörungsdiagnosen von gut 113 Prozent. Eine Generation, die mit dem Smartphone aufgewachsen ist und ständige Erreichbarkeit als normal empfindet, schläft schlechter als jede Generation vor ihr.

Die Folgen sind nicht nur Müdigkeit am Morgen. Langfristiger Schlafmangel erhöht das Risiko für Herzinfarkte um bis zu 48 Prozent, begünstigt Diabetes, Übergewicht und psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen. Und auch wirtschaftlich hat die Schlafkrise einen Preis: Laut Schätzungen entstehen allein in Deutschland jährliche Kosten von bis zu 60 Milliarden Euro durch Produktivitätsverluste und erhöhte Gesundheitsausgaben.

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