„Eine massive Ungleichbehandlung“ – UT24-Interview

Frau Atz, Wie stehen Sie zu der Forderung, Elternteile, die ihre Kinder zu Hause betreuen, finanziell stärker zu unterstützen und auch besser in der Rentenvorsorge abzusichern?
Myriam Atz: Diese Forderung ist seit jeher ein zentraler Kernpunkt meiner politischen Agenda. Ich betrachte die Erziehung der nächsten Generation nicht als „berufliche Pause“, sondern als eine wertvolle gesellschaftliche Investition. Es ist nicht hinnehmbar, dass Frauen oder auch Männer für diese Leistung später mit Altersarmut „bestraft“ werden.
Es ist eine massive Ungleichbehandlung, dass für die Fremdbetruung öffentliche Gelder bereitgestellt werden, aber Familien bei der Eigenbetreuung finanziell leer ausgehen und diese Betreuungszeit nicht vollwertig für die Rente anerkannt wird. Daher setze ich mich für einen direkten finanziellen Ausgleich und eine lückenlose Rentenabsicherung ein, die Erziehungszeiten vollwertig anerkennt.
Sollte die Politik Ihrer Meinung nach stärker darauf ausgerichtet sein, echte Wahlfreiheit zwischen häuslicher Betreuung und externer Kinderbetreuung zu ermöglichen – und wenn ja, wie konkret?
Diese beiden Betreuungs-Modelle dürfen weder politisch noch gesellschaftlich gegeneinander ausgespielt werden – es muss der Betreuungs-Wunsch der Eltern und die Herstellung der wahrhaftigen Wahlfreiheit im Mittelpunkt stehen. Da aktuell fast ausschließlich die externe Betreuung öffentlich gefördert wird, entsteht für Eltern, die ihre Kinder selbst betreuen möchten, eine massive ökonomische Schieflage.
Um diese Diskriminierung zu beenden, braucht es für beide Modelle denselben finanziellen Ausgleich – echte Wahlfreiheit entsteht erst dann, wenn beide Modelle den selben finanziellen Ausgleich erfahren.
Welche Priorität sollte aus Ihrer Sicht die familiäre Kinderbetreuung im Vergleich zur Erwerbstätigkeit beider Elternteile in der politischen Ausgestaltung haben?
Die familiäre Betreuung muss politisch endlich denselben Stellenwert erhalten wie die Erwerbstätigkeit. Es ist doch paradox, dass Steuermittel für externe Betreuung verwendet werden, aber die Betreuung durch die eigenen Eltern oder Großeltern finanziell nicht gewürdigt wird.
Meine Priorität liegt darin, die unterschiedlichen Lebensrealität der Familien in den Mittelpunkt zu stellen und dass die systemische Diskriminierung der häuslichen Betreuung beendet wird. Zwar wurde mein entsprechender Antrag diesbezüglich im Landtag bereits mehrheitlich angenommen, doch seitdem herrscht in Rom Stillstand. Aufgabe der führenden Regierungen ist es, endlich die gesetzlichen Rahmenbedingungen den Lebensrealitäten der Eltern anzupassen, nicht umgekehrt!
Sehen Sie solche Maßnahmen eher in der Verantwortung des Landes oder auch auf Gemeindeebene, und warum?
Die Verantwortung liegt auf mehreren Ebenen. Das Land und der Staat müssen die gesetzliche Schieflage bei der Rente und den Fördergeldern korrigieren, um die systemische Diskriminierung der häuslichen Betreuung zu beenden.
Die Gemeinden wiederum sind nah an den Familien dran und können durch flexible lokale Modelle und familienfreundliche Arbeitsmodelle und unbürokratische Unterstützung den Alltag von Familien entlasten. Es braucht einen Schulterschluss aller politischen Ebenen, um die finanzielle und gesellschaftliche Balance für alle Familienmodelle wiederherzustellen.
Vielen Dank für das Interview!
…






