AVS zieht Bilanz: Fortschritt bei Projekten – Schatten eines schweren Unglücks bleibt

Aufarbeitung eines schweren Lawinenunglücks
Einen besonders eindringlichen Teil der Versammlung lieferte der Blick auf das Lawinenunglück im Pongau im Jänner dieses Jahres. Jörg Randl und Manuel Reindl vom ÖAV-Referat Bergsport schilderten detailliert den Ablauf des Krisenmanagements nach dem Unglück, bei dem vier Teilnehmer einer ÖAV-Weiterbildung für Tourenführer ums Leben kamen.
Randl, der gemeinsam mit Reindl zuvor als Alpinpolizist tätig war, sprach über die Herausforderungen in der Krisenbewältigung: „Der ÖAV war von allen Seiten stark gefordert. Mediale und rechtliche Aspekte sowie die psychologische Betreuung mussten berücksichtigt und koordiniert werden.“
Besonders wichtig sei die Kommunikation mit Überlebenden und Hinterbliebenen gewesen. „Das Angebot muss da sein, jeder reagiert in solchen Fällen anders und das muss respektiert werden. Die Betroffenen müssen aber wissen, dass jemand da ist, der sie begleitet – psychologisch, aber auch in praktischen Fragen“, so Randl.
Der AVS verfügt seit 15 Jahren über eine Notfall-Hotline für ehrenamtliche Mitarbeiter bei Unfällen im Vereinsumfeld. Peter Warasin betonte: „Wir werden am Thema dranbleiben und den Austausch mit ÖAV und DAV suchen. Wir hoffen, diese Strategien nie zu brauchen, können Unfälle aber nie ausschließen.“
Bergsport: Regelungsbedarf und neue digitale Projekte
Im Rückblick auf das Jahr 2025 wurde unter anderem eine Grundnutzungsvereinbarung mit dem Südtiroler Bauernbund ausgearbeitet, die die Nutzung von Privatgrund für Klettersteige und Klettergärten regelt. Warasin wies auf bestehende Lücken hin: „Der AVS fordert, dass das Land endlich die Kompetenz in die Hand nimmt und gemeinsam mit allen Partnern die Klettersteigthematik regelt.“
Im digitalen Bereich arbeitet der AVS an einer alpinen Wissensdatenbank, die im Winter online gehen soll und auch über die AVS-App zugänglich sein wird. Zudem wurden Klettergärten digital erfasst und jene mit guter Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel entsprechend gekennzeichnet.
Auch die Hochtouren-Gruppen (HG) zogen Bilanz. Thomas Mair berichtete von fünf aktiven Gruppen in nahezu allen Landesteilen, darunter eine neue Gruppe im Vinschgau, die ihre Mitgliederzahl bereits verdoppelt hat. Nach über 20 Jahren übergab Mair sein Amt an Kathrin Zischg (HG Bozen), die per Akklamation bestätigt wurde.
Im Bereich Alpinist hob Stefan Plank hervor, dass inzwischen ein Drittel der Teilnehmenden Frauen sind. 2025 wurde erneut ein ALPINIST-Team gebildet: Acht junge Alpinisten wurden nach vier Sichtungstagen ausgewählt und werden über zwei Jahre begleitet. Höhepunkt wird eine geplante Expedition nach Bolivien.
Auch Fragen der Kletterethik wurden diskutiert. Erwin Steiner, Bergführer und Bergsportreferent der Sektion Hochpustertal, erläuterte unterschiedliche Zugänge zur Absicherung von Routen und betonte regionale Lösungen im Umgang mit Sicherungen und Erhalt traditioneller Begehungsstile.
Alpine Führungskräfte: Ausbildung bleibt zentral
Im Referat Alpine Führungskräfte, zu dem Tourenleiter, Mountainbike-Gruppenleiter und AVS-Wanderführer zählen, wurde eine positive Entwicklung festgestellt. Fortbildungen und Kurse seien gut besucht und in allen Bereichen etabliert.
Michele Ferrara berichtete von 14 neuen Wanderführern und fünf neuen Gruppenleitern im Bereich Schneeschuhwandern. Elf weitere Anwärter befinden sich in Ausbildung. Markus Tröger verwies auf inzwischen 40 Mountainbike-Gruppenleiter im AVS und auf neue Ansätze im Ausland: Bei einem Ausflug nach Graubünden sollen sogenannte Fairtrails für Mountainbiker untersucht werden, die zeitlich geregelte Nutzungskonzepte für Wege vorsehen.
Michael Grünfelder hob zudem hervor, dass die Ausbildung von Tourenleitern gut funktioniere und Netzwerke innerhalb des AVS wachse. Besonders gefragt seien Kurse zu Sicherheit, Tourenorganisation mit öffentlichen Verkehrsmitteln und Angebote für Familien. Im Bereich Klettern bestehe hingegen noch Entwicklungsbedarf.
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