von lif 28.04.2026 18:22 Uhr

Anstieg: 46 Prozent mehr Jugendliche in Haft

Die Zahl der jugendlichen Häftlinge in Österreich ist innerhalb eines Jahres um rund 46 Prozent gestiegen. Wegen Überbelegung müssen Jugendliche teilweise mit Erwachsenen in einer Zelle untergebracht werden.

APA (dpa/Archiv)

Bei der Präsentation des Parlamentsberichts 2025 in Wien machte die zuständige Volksanwältin Gabriela Schwarz (ÖVP) auf die Entwicklung aufmerksam. „2024 gab es 125 Jugendliche in Haft. Ende 2025 waren es 182. Das bedeutet einen Anstieg von rund 46 Prozent in nicht einmal einem Jahr“, so Schwarz. Aufgrund des Überbelags würden Jugendliche häufig gemeinsam mit Erwachsenen angehalten: „Das ist eine dramatische Situation.“

In mehreren Justizanstalten ist die Lage besonders prekär. In der JA St. Pölten musste die Jugendabteilung wegen des hohen Belagsdrucks geschlossen werden, daher landeten vier Jugendliche in Mehrpersonenhafträumen mit Erwachsenen. In der JA Wiener Neustadt waren im August 2025 fünf Jugendliche in keiner eigenen Abteilung untergebracht. Für die Betroffenen gab es weder Ergotherapie noch Sozialpädagogik oder kinder- und jugendpsychiatrische Versorgung.

Neue Anstalt schon überfüllt

Mit Anfang Februar hat in Wien-Simmering die neue JA Münnichplatz für männliche Jugendliche mit 72 Haftplätzen den Vollbetrieb aufgenommen. Doch von der erhofften Entlastung könne keine Rede sein: Aktuell sind dort bereits 82 Jugendliche untergebracht – eine Auslastung von 114 Prozent. Dem Überbelag werde teils mit Stockbetten begegnet. „Enge Platzverhältnisse führen zu einem erhöhten Gewaltrisiko“, warnte Schwarz.

Dass das Justizministerium nun die Belagsfähigkeit auf 90 Plätze anheben will, kritisiert die Volksanwältin scharf: „Diese Erweiterung in ein positives Licht zu rücken, kann wirklich nur ein schlechter Scherz sein.“

Höchststand bei Suiziden in Haft

Grundsätzlich habe sich die Situation in den heimischen Justizanstalten weiter verschärft. Im Vorjahr seien 1.145 Beschwerden eingegangen – ein Plus von 27 Prozent. „Alle Gefängnisse sind überfüllt“, so Schwarz. Der Personalmangel führe die Justizanstalten „an den Rand ihrer Belastbarkeit“.

Bei den Suiziden in Haft wurde 2025 ein Höchststand verzeichnet. Bis Jahresende wurden der Volksanwaltschaft 59 versuchte und acht vollendete Suizide von Inhaftierten gemeldet. „Diese Zahl ist alarmierend“, so Schwarz.

APA/UT24

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