von ih 24.04.2026 08:39 Uhr

Südtiroler Schützen von Medien und SVP angefeindet

Nach einer viel beachteten Rede bei der 61. Bundesversammlung des Südtiroler Schützenbundes ist dessen Landeskommandant Christoph Schmid in die Kritik geraten. Medien und politische Vertreter, insbesondere aus der SVP, werfen ihm vor, mit seinen Aussagen über das Ziel hinausgeschossen zu sein. Unterstützung erhält Schmid hingegen von Hannes Rabensteiner, Landtagsabgeordneter der Süd-Tiroler Freiheit, der die Rede als „notwendigen Weckruf“ bezeichnet.

(Foto: © SSB/Federico Garbellini)

„Radikale Mander“ und überzogene Kritik

In seiner Ansprache hatte Christoph Schmid vor allem eine zunehmende politische Orientierungslosigkeit im Land kritisiert. Es fehle an klarer Haltung und Mut, zentrale Themen entschieden anzugehen. Besonders deutlich warnte er davor, Identität und Sprache wirtschaftlichen oder internationalen Interessen unterzuordnen – etwa im Zusammenhang mit der Außendarstellung Südtirols bei Großereignissen wie den Olympischen Spielen. Zudem plädierte er für eine stärkere Rückbesinnung auf die eigene kulturelle Identität sowie für eine bewusste Auseinandersetzung mit der historischen Verbindung zu Österreich.

Die Reaktionen auf diese Aussagen fielen scharf aus. Teile der Medienlandschaft bezeichneten die Rede als überzogen, einzelne Stimmen sprachen sogar von „radikalen Mandern“. Hannes Rabensteiner von der Süd-Tiroler Freiheit weist diese Kritik entschieden zurück. Er betont, selbst bei der Versammlung anwesend gewesen zu sein, und spricht von einer „sachlichen und realistischen Beschreibung der aktuellen Situation“. Die heftigen Reaktionen wertet er als Hinweis darauf, dass der Schützenbund einen empfindlichen Nerv getroffen habe.

Zugleich unterstreicht Rabensteiner die gesellschaftliche Rolle des Schützenbundes. Dieser sei weit mehr als ein Traditionsverein und erfülle eine wichtige Funktion in der sogenannten Volkstumspolitik. Dazu gehöre auch, Missstände offen anzusprechen. Kritisch sieht er jedoch den Umgang mit solchen Positionen: Sachliche Kritik werde vorschnell als Hetze abgestempelt, um unbequeme Stimmen zum Schweigen zu bringen.

Ein problematisches Signal

Auch grundsätzlich äußert Rabensteiner Bedenken hinsichtlich der politischen Debattenkultur im Land. Wenn Medien und politische Akteure versuchten, abweichende Meinungen durch Etikettierung zu diskreditieren, sei dies ein problematisches Signal für die demokratische Auseinandersetzung. Südtirol brauche keine Beschönigung, sondern eine ehrliche Diskussion über bestehende Herausforderungen.

In Bezug auf die Spannungen zwischen dem Schützenbund und der SVP vermutet Rabensteiner, dass die Unabhängigkeit des Verbandes eine Rolle spiele. Der Schützenbund trete eigenständig auf und lasse sich nicht politisch vereinnahmen – eine Haltung, die offenbar nicht überall auf Zustimmung stoße.

Die Süd-Tiroler Freiheit sieht in der Rede Schmids und der anschließenden Debatte einen wichtigen Beitrag zur politischen Standortbestimmung im Land. Gerade in Zeiten wachsender Unsicherheit seien klare Worte notwendig, um Entwicklungen kritisch zu hinterfragen und die Interessen der Bevölkerung zu vertreten.

Jetzt
,
oder
oder mit versenden.

Es gibt neue Nachrichten auf der Startseite