Mafia-Boss Giovanni Brusca wieder auf freiem Fuß

Brusca wurde berüchtigt, weil er am 23. Mai 1992 das Sprengstoffkommando bei dem Anschlag in Capaci auslöste, bei dem der Anti-Mafia-Richter Giovanni Falcone, dessen Ehefrau Francesca Morvillo sowie drei Polizisten getötet wurden. Nach seiner Festnahme im Jahr 1996 entschied sich Brusca zur Zusammenarbeit mit der Justiz. Durch seine Aussagen konnten zahlreiche Ermittlungen vorangebracht werden, was ihm eine massive Strafmilderung einbrachte, berichtet die Website Corriere della sera.
Scharfe Kritik von Betroffenen
Tina Montinaro, die Witwe von Antonino Montinaro, dem damaligen Chef der Polizeieskorte von Falcone, reagierte tief betroffen: „Die Rückkehr von Giovanni Brusca in die Freiheit verletzt uns sehr. Das ist keine Gerechtigkeit für die Familien der Opfer von Capaci und anderer Mafia-Verbrechen.“ Sie betont, dass auch reuige Mafiosi Kriminelle bleiben: „Sie sind keine besseren Menschen geworden. Und wir Angehörige der Opfer fühlen uns dadurch nicht respektiert.“
Sie ruft die Zivilgesellschaft zum Handeln auf: „Ich hoffe, dass die Menschen in Palermo ein starkes Zeichen setzen. Das ist nicht nur unser Problem als Familien der Opfer, sondern betrifft uns alle.“
Auch Giuseppe Costanza, der Fahrer von Falcone, der das Attentat schwer verletzt überlebte, äußerte sich mit scharfer Kritik: „Was soll man dazu sagen? Die Gesetze gelten offenbar nicht für ehrliche Menschen. Brusca hat Dutzende Menschenleben auf dem Gewissen und ist jetzt ein freier Mann. Seine Opfer hingegen bleiben für immer unter der Erde.“Â
Costanza weiter: „Das Gesetz muss angewendet werden, ja – aber bei Massakern wie diesem braucht es ein anderes Bewusstsein der Justiz. Diese Leute sollten nie mehr in Freiheit kommen. Ich empfinde nicht nur Bitterkeit, sondern tiefes Entsetzen.“
Wer ist Giovanni Brusca?
Giovanni Brusca zählt zu den grausamsten Gestalten der Mafia-Geschichte in Italien. Er ist im Jahr 1957 geboren und war Teil der Cosa Nostra. Er war verantwortlich für mehr als 150 Morde, darunter auch die grausame Ermordung des 13-jährigen Giuseppe Di Matteo, Sohn eines Kronzeugen, der nach langer Gefangenschaft erdrosselt und in Säure aufgelöst wurde. Nach Jahren auf der Flucht wurde Brusca 1996 festgenommen und begann später, mit der Justiz zu kooperieren – eine Entscheidung, die ihm nun die Freiheit gebracht hat.






