von hz 30.07.2022 06:41 Uhr

Schützen feiern Heimkehr von Freiheitskämpfer Oberleiter

Am Freitagabend hat das Schützenbataillon Ahrntal mit zahlreichen Vertretern aus Gesamt-Tirol die „gerechte Heimkehr des Freiheitskämpfers“ Heinrich Oberleiter gefeiert. Gleichzeitig erneuert der Südtiroler Schützenbund die Forderung, den Freiheitskämpfern der 1960er-Jahre endlich den gebührenden Platz in der Südtirol-Geschichte zuzugestehen.

Landeskommandant Roland Seppi mit Freiheitskämpfer Heinrich Oberleiter. - Foto: © Südtiroler Schützenbund / Richard Andergassen

Mit einem Großen Österreichischen Zapfenstreich und einer Festveranstaltung mit Gruß- und Dankesworten durch Bataillonskommandant Wolfgang Kofler, Landeskommandant Roland Seppi und dem Hauptmann der Schützenkompanie Steinhaus, Benjamin Rauchenbichler, begrüßten die Schützen sowie die Gemeinde Steinhaus ihren „verlorenen“ Sohn Heinrich Oberleiter, der nach 60 Jahren im Exil in seine angestammte Heimat zurückkehren durfte, berichtet der Südtiroler Schützenbund. In diesem Rahmen wurde auch die Autobiographie Heinrich Oberleiters, „Es gibt immer einen Weg“, vorgestellt. Im Jahr 2018 stellten Heinrich Oberleiters Kinder ein Gnadengesuch, dem der italienische Staatspräsident im Dezember 2021 stattgegeben hatte (UT24 berichtete).

Bei der Frontabschreitung des Schützenbataillons Ahrntal. – Foto: © Südtiroler Schützenbund / Richard Andergassen

Kampf gegen Italienisierungspolitik

Mit 20 Jahren fiel bei Heinrich Oberleiter der Entschluss, am Südtiroler Freiheitskampf teilzunehmen, um die radikale Italienisierungspolitik in Südtirol zu beenden. Gemeinsam mit Sepp Forer, Heinrich Oberlechner und Siegfried Steger übte Heinrich Oberleiter dabei zahlreiche Anschläge auf Strommasten aus. Zu Unrecht wurde den „Puschtra Buibm“ dabei auch die Ermordung eines Carabinieri-Beamten angelastet, heißt es in der Aussendung. Heinrich Oberleiter konnte 1968 nach einer Verhaftung über die Grenze flüchten und wurde in Abwesenheit zu zwei Mal lebenslänglicher Haft verurteilt. Fortan lebte Oberleiter im Exil in Unterfranken.

Meldung an den Landeskommandanten Roland Seppi durch Bataillonskommandant Wolfgang Kofler. – Foto: © Südtiroler Schützenbund / Richard Andergassen

Mit der Festveranstaltung unterstreicht der Südtiroler Schützenbund die Bedeutung des Südtiroler Freiheitskampfes für das heutige Südtirol. „Italien war drauf und dran, die Südtiroler im Staatsvolk aufgehen zu lassen. Nur durch die gezielten Anschläge wurde Italien zu Verhandlungen und zur Gewährung elementarer Minderheitenrechte gezwungen. Es ist an der Zeit, die Bedeutung des Südtiroler Freiheitskampfes in der Südtirol-Geschichte gebührend zu würdigen. Mit Bedauern muss festgestellt werden, dass dieses Kapitel der Südtirol-Geschichte heute bewusst ausgeklammert wird“, so der Südtiroler Schützenbund.

Beim Einzug der Österreichischen Fahne am Ende des Zapfenstreichs. – Foto: © Südtiroler Schützenbund / Richard Andergassen

„Kein Akt der Großherzigkeit Italiens“

„Kein Akt der Großherzigkeit Italiens, wie von der Südtiroler Politik betitelt, sondern ein Akt der historischen Gerechtigkeit sowie ein Anstoß, die wahren Hintergründe aufzuarbeiten, die im Fall der ‘Puschtra Buibm’ noch immer in den italienischen Archiven verborgen bleiben. Gleichzeitig ist die Rückkehr Heinrich Oberleiters aber auch ein Anstoß in Richtung Südtiroler Landespolitik, um den Freiheitskämpfern der 1960er Jahre einen gebührenden Ehrenplatz zu schaffen. Ohne deren Einsatz von Freiheit und Leben wären wir heute eine gewöhnliche italienische Provinz“, so Major Roland Seppi, Landeskommandant des Südtiroler Schützenbundes.

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