von su 23.01.2020 09:15 Uhr

ZDF-Lebensmittelreport stellt Südtiroler Bauern an den Pranger – Video

Der Fokus des kürzlich ausgestrahlten ZDF-Lebensmittelreportes, der neben den Orangen und den Bio-Bananen, auch das Thema Apfel behandelt, richtet sich auf Südtirols Obstbauern. Der Südtiroler Apfel wird im Titel des Beitrages mit der Frage konfrontiert, ob er denn „Pestizidbelastet, von wenigen Vitaminen, aber frisch und süß im Geschmack?“ ist.

Nelson Müller, Andreas Tauber (Screen: ZDF-Lebensmittelreport)

Was steckt hinter dem optisch perfekten Apfel

Der Check von Nelson Müller läuft darauf hinaus, in Erfahrung zu bringen, was hinter den optisch perfekten Äpfeln aus Südtirol steckt.

Müller leitet sein Unbehagen vom Umstand ab, dass der Apfel vom Dorfladen, nicht so „makellos“ ausschaut, wie jener, der aus dem Supermarkt kommt und er sagt: „Irgendwie, kann das nicht mit rechten Dingen zugehen“.

„Um auf das Geheimnis der perfekten Äpfel zu kommen, reist Nelson nach Italien, denn Südtirol ist das Apfelanbaugebiet Europas“, wird im Beitrag gesagt. Jeder zehnte Apfel, der in der EU produziert wird, wächst hier, so die Begründung.

„Ist da noch was drauf, oder nicht?"

Gleich am Beginn wird der Brixner Apfelbauer Andreas Tauber, von Nelson gefragt: „Sind die gespritzt?“. Tauber spricht die Pilzkrankheiten an, welche es zu bekämpfen gilt. Es folgt ein Schwenk zu einem Bauer, welcher mit stark abdriftendem Sprühgerät eine Spritzung eines Obstgartens vornimmt, ergänzt um den Hinweis, dass solche Spritzungen bis zu dreißig Mal im Jahr erfolgen.

Nelson beißt in einen Apfel der Sorte „Gala” und fragt: „Ist da noch was drauf, oder nicht?” Tauber antwortet; „Kann sein, aber es muss nicht sein“.

„Was heißt das nun?“ Im weiteren Verlauf des Beitrages wird die Untersuchung des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz zitiert, wonach von 91 untersuchten Äpfeln, nur acht unbelastet sind – davon stammen sieben aus Bio- und einer aus konventionellem Anbau.

  • Leo Tiefenthaler (Bild: Südtiroler Wirtschaftsring)

Leo Tiefenthaler, Obmann des Südtiroler Bauernbundes (Bild: Privat)

„Ist das Glas halb voll, oder halb leer?“

Der Obmann des Südtiroler Bauernbundes, Leo Tiefenthaler sieht, von UT24 auf den Beitrag angesprochen, die Notwendigkeit, die Angelegenheit von zwei Seiten zu sehen, nach dem Motto: „Ist das Glas halb voll, oder halb leer?“.

Die Südtiroler Obstwirtschaft habe in den letzten Jahrzehnten sehr viel unternommen, um naturnahe zu produzieren, so der Obmann des Bauernbundes, der auf die Integrierte Produktion, die Verwirrungsmethode, die Einführung von Nützlingen und anderes mehr verweist.

„Natürlich gibt es noch Verbesserungsmöglichkeiten – aber um die generelle Notwendigkeit, Pflanzenschutz zu betreiben, werden wir nicht herumkommen“, so Tiefenthaler. Der Bauernbund-Obmann macht das Beispiel mit dem Menschen, der ab und zu ein Antibiotikum braucht – was auch die durchschnittlich gewachsene Lebenserwartung von uns allen erklärt.
Tiefenthaler glaubt auch, dass gerade durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, insgesamt viel gesündere Lebensmittel produziert werden.

Pilze, die Lebensmittel befallen, sind für den Menschen sehr toxisch, so Tiefenthaler – sie sind für den menschlichen Organismus, alles eher, als bekömmlich, gibt sich der Bauernbundobmann überzeugt.
Wenn es gelingt, mit Hilfe von Pflanzenschutzmitteln, diese Pilze zu bekämpfen, dann ist der Mensch, der erste Nutznießer davon, so Tiefenthaler.

Auf die Frage von UT24, warum in dem ZDF-Lebensmittelreport auch der Umweltverband München ins Feld geführt wird und warum insgesamt auf Südtirol geschossen würde, gibt sich Bauernbundobmann Tiefenthaler in seiner gewohnt mäßigenden und sachlich ausgerichteten Art:

„Es hängt immer davon ab, wer einen solchen Bericht macht. Wir wissen, dass es Gegner des Obstbaus, der Obstbauern gibt. Man weiß ja nicht, was sich hinter den Kulissen so alles abspielt. Insgesamt bin ich aber der Meinung, dass wir auf einem guten Weg sind. Wenn wir imstande wären, in bestimmte Sorten, Resistenzen hinein zu züchten, dann wäre das ideal. Solange wir aber nicht imstande sind, die den Apfel bedrohenden Krankheiten zu bekämpfen, werden wir um den Pflanzenschutz nicht herumkommen“.

Kommentare zum ZDF-Lebensmittelreport (YouTube)

Herr Nelson, sie sind fachlich nicht auf der Höhe

In dem Beitrag in YouTube geposteten Kommentaren findet sich eine gute Mischung aus Fachmeinung und Emotion. So sagt beispielsweise, Tobias Thaler: „Der Südtiroler Apfel ist sicherlich eines der mit am wenigsten Rückstands belastendsten Lebensmittel, da er sehr streng von Global GAP und Agrios kontrolliert wird!!! Und nebenbei, der Biologisch angebaute Apfel wird öfter behandelt.“

Alexander Pircher fragt sich: „Warum wird im Video nicht das gesamte Interview mit dem Herrn Tauber gezeigt und warum wird ein Video von einem Sprühgerät gezeigt, welches in Südtirol schon seit Jahren nicht mehr den Richtlinien entsprechen würde und welches nicht in Südtirol aufgenommen ist, wobei es doch um Südtirol geht?“.
Martin Pircher hält fest: „Das ist doch lächerlich?so ein Leerlauf, nur weil Sie den Südtirolern integrierten Bauern ihre Professionalität nicht gönnen“

Georg Gallmetzer sagt: „Man sollte über das WARUM MAN PFLANZENSCHUTZ BETREIBT sprechen. Herr Nelson man sieht sie sind fachlich nicht auf der Höhe es richtig zu recherchieren. Warum sprechen wir mal nicht über die Mykotoxine der Pilze wie z.B. Alternaria. Die sind sehr schädlich für den Menschen. Dank der modernen Landwirtschaft leben die Menschen länger und gesünder. Ein Umweltinstitut München ist ein Freizeitverein“.

Biobauer Vinzenz Geier (Bild: Privat)

Verbraucher sehr preisbewusst

Der Traminer Vinzenz Geier beschäftigt sich bereits seit 25 Jahren mit dem Bioanbau von Äpfeln. Von UT24 befragt, stellt er die Thematik zunächst auf die Ebene des Verbraucherverhaltens: „Es ist leider Gottes so, dass der Verbraucher sehr preisbewusst einkauft“, resümiert Geier.

Das Geschäft, so Geier, würde eh nicht der Bauer machen. Das lässt sich an den Preisen im Supermarkt festmachen. Dort koste das Kilogramm der Apfelsorte „Pink Lady“ aus konventionellen Anbau 2,99 Euro – der Bauer würde davon 80 Cent bekommen und habe bei der Preisgestaltung nichts mitzureden. Für den „Golden Delicius” der ebenfalls mit 2,99 Euro im Supermarkt angeboten wird, bekomme der Bauer 20 Cent, wie 2018 geschehen.

Für den Biobauer würde es sehr oft Grenzfälle geben, in welchen sich die Produktion, die insgesamt eh schon in etwa 25 Prozent weniger ausmacht, nicht mehr lohnt – weil es ohne die Verwendung von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln nicht funktioniert. Für den Bioanbau brauche es, so Geier, ausgewählte und sich dafür eignende Flächen.

Vor dem Hintergrund, dass Südtirol 10 Prozent der Apfelproduktion in Europa stellt, verweist Geier auf den Hauptplayer Polen und der damit einhergehenden Überproduktion.

Ein Mittel, dieser Überproduktion entgegenzuwirken, sieht Geier im Ausbau der Produktion nach biologischen Richtlinien.

Auf den Einsatz von chemisch-synthetischen Mitteln angesprochen, sagt Geier, dass beispielsweise der Einsatz von Glyphosat in unseren Breitengraden „nicht tragisch wäre“. Anders in den Amazonas, wo auf die gentechnisch manipulierte Soja gespritzt wird, um billiges Protein zu produzieren, was sich direkt auf die Fleischpreise auswirkt. So auch in Kanada, wo auf den Weizen Glyphosat ausgebracht wird.

Viel Fleiß und Technik für die Überproduktion

„Wir Biobauern spritzen gleich wie der konventionelle Bauer, wenngleich ohne chemisch-synthetischen Mitteln“, so Geier. Die eingesetzten Materialien des Biobauern sind natürlicher gehalten, aber es ist nicht so, dass er sich nicht gleichermaßen um den Pflanzenschutz bemühen müsse“, fasst Biobauer Geier die Situation zusammen.

„In bestimmten Zeiten müssen wir mit schwefel-kalkhaltigen Mitteln vorgehen, die Bodenbearbeitung wird anstatt mit chemischen, mit mechanischen Mitteln ausgeführt“.

Die Landwirtschaft habe, so Geier, in den vergangenen Jahren mit viel Fleiß und Technik zustande gebracht, eine Überproduktion auf den Markt zu bringen, „die uns keiner mehr abkauft“.

Die Alternative ist auf alle Fälle jene, dass künftig mit mehr umweltschonenden Mitteln vorgegangen wird, aber hierfür braucht es auch den Konsumenten, der diese Bemühungen anerkennt. Es gehe letztendlich um Wertschöpfung, so Geier.

„Macht optisch was” (Bild aus ZDF-Lebensmittelreport)

Bemühungen von Mals

Was die im ZDF-Beitrag dargestellten Bilder der extrem starken Abdrift betrifft, so sieht Biobauer Geier darin eine „extreme Darstellung“. Hier haben, laut Geier, die „Bemühungen von Mals“ ihren Einfluss genommen. „Natürlich stört es mich, wenn man sieht, welcher Abdrift-Nebel in Südtirol offenbar bei jeder Spritzung entsteht – weil es so nicht stimmt, wie es dargestellt wird.

Es macht optisch was – aber wirklich nennenswerte Rückstände haben wir deswegen nicht. Wir lassen alle unsere Grenzreihen untersuchen. Probleme machen uns die Phosphite. Hier sollte der Beratungsring dahingehend wirken, damit der Bioanbau nicht in Mitleidenschaft gezogen wird“.

Geier gibt sich insgesamt mit der Koexistenz von Bio- und herkömmlichem Anbau zufrieden. Biobauer Geier verweist auf die Analyse vieler Apfelproben; es sind jährlich zwischen 500 und 600 – auch jene in den Grenzreihen wären frei von Rückständen.

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  1. Regenwurm
    24.01.2020

    Mich würden die Kommentare interessieren, wenn es in dem Beitrag nicht um das ” heilige Bauerland Südtirol” gehen würde?!?!?! Dann wäre es sicher ein sehr kompetenter Experte.

  2. Elmar65
    23.01.2020

    Um zu sehen warum gegen den Spdtiroler Abfel so hart geschossen wird braucht man nur chauen wer im Osten die großen Anlagen betreibt Deutschland Investoren lassen grüßen……Herr Nelson und ZDF betreiben da reine Lobbyisten Arbeit

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