von ih 16.04.2018 15:39 Uhr

Erste dm-Filiale in Südtirol enttäuscht viele Kunden

Viele Südtiroler erreichte im Sommer vergangenen Jahres eine erfreuliche Nachricht: die beliebte Drogeriekette „dm“ eröffnet erstmals Geschäfte südlich des Brenners. Mehrere Shoppingbegeisterte, denen die Kette von Fahrten nach Innsbruck oder München bekannt war, fieberten im Vorfeld freudig der Eröffnung der ersten Filiale in Leifers entgegen. Doch die große Euphorie dürfte nicht lange angehalten haben. So scheint sich der deutsche Drogeriekonzern hierzulande ausschließlich an Kunden italienischer Muttersprache zu orientieren. Denn obwohl in Südtirol mehrheitlich Deutsch gesprochen wird, ist die allererste Filiale in Leifers vor allem eines: rein Italienisch.

Die erste dm-Filiale Südtirols hat sich ganz dem italienischen Publikum verschrieben - Foto: UT24

UT24 geht Hinweisen von Lesern nach!

Einige Menschen, die die Filiale bereits besucht hatten, berichteten UT24 davon, dass sie sich im Geschäft in Leifers „wie Ausländer gefühlt“ hätten. Sämtliche Informationen zu Produkten und/oder Inhaltsstoffen seien nämlich ausschließlich in italienischer Sprache zu finden. Dies hätte man sich „gerade von einer deutschen Firma nicht erwartet“.

UT24 ist den Hinweisen seiner Leser nachgegangen und hat dem Drogeriemarkt in Leifers einen Besuch abgestattet.

7 Tage die Woche geöffnet

Der neue Drogeriemarkt liegt direkt im neuen Leiferer Mini-Einkaufszentrum „Centrum“. Für ausreichend Parkplatz ist gesorgt und die örtliche Parkgarage weiß vor allem durch sehr breite Parkplätze zu überzeugen. Neben dem dm liegt im Gebäude noch ein Spar-Supermarkt. Das war es dann aber auch schon mit dem vermeintlichen Einkaufszentrum.

Angekommen im dm wird der Kunde gleich zu Beginn mit den Worten „Benvenuti da dm“ begrüßt. Das Geschäft scheint somit bereits am Eingang keinen Hehl daraus zu machen, wer der gewünschte Kunde ist. Auch die Öffnungszeiten sind in rein italienischer Sprache angeschlagen. Kleine Randnotiz: das Geschäft hat 7 Tage die Woche geöffnet; somit auch sonntags, was hierzulande immer wieder für Streit zwischen Gewerkschaftern und Arbeitgebern sorgt.

Deutsche Inhaltsstoffe wurden überklebt

Wer das Leiferer Geschäft betritt, landet zu allererst in der beliebten Gesundheits- und Biolebensmittel-Abteilung. Hier sind viele Produkte zu finden, welche die Südtiroler bis vor kurzem nur in Innsbruck kaufen konnten. Mit dem Unterschied, dass die Preise, wohl aufgrund des höheren Mehrwertsteuersatzes und den Importkosten, etwas höher sind wie in Nordtirol, scheint das Sortiment recht vielfältig und bunt zu sein.

Negativ ins Auge fällt hier vor aber allem die Etikettierung der einzelnen Produkte. Obwohl es sich augenscheinlich um ein und dieselben Waren handelt, die auch für den deutschen und österreichischen Markt bestimmt sind, sind sämtliche Angaben wie z.B. Inhaltsstoffe, Allergene oder die richtige Einnahme mit dem italienischen Text überklebt worden. Diese Art der Etikettierung scheint in Leifers derzeit die Regel zu sein.

Ein Insider, der für ein namhaftes Unternehmen arbeitet, welches mit der Etikettierung von Lebensmitteln betraut ist, meint zu UT24: „Wir sind von oberster Stelle dazu angewiesen, bewusst die deutschen Texte zu überkleben. Ich verstehe das auch nicht, aber was will man machen“.

„Non parlo tedesco“

Ob Babynahrung, Windeln, Lutschtabletten, Haarpflegeprodukte oder Waschmittel. Wer bei dm in Leifers nach deutschen Informationen sucht, der will einfach nicht so richtig fündig werden. Gleiches gilt sowohl für Werbebroschüren, Preisschilder oder sonstige Informationen.

Die Nachfrage bei einer Mitarbeiterin, ob es denn auch möglich sei, die Einnahmeempfehlung eines bestimmten Produktes in Deutsch zu erhalten, wird kurzerhand mit den Worten „Non parlo tedesco“ (italienisch: „Ich spreche kein Deutsch“) abgetan. Eine ältere Kundin, die das Gespräch mitbekommen hat, kommentiert: „Das nächste Mal fahren wir wieder nach Innsbruck“.

Eine schriftliche Anfrage von UT24 bei der Unternehmenszentrale von dm blieb bislang unbeantwortet. Die deutsche Drogeriekette möchte Gerüchten zufolge demnächst auch eine weitere Filiale in Bruneck eröffnen.

Ob sich der Drogeriemarkt auch in der zu 82 Prozent deutschsprachigen Stadt rein dem italienischen Kunden widmen wird, wird sich noch zeigen.

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  1. TikTakTikTak
    19.04.2018

    Ja das ist ganz normal. Das gleiche geschah mit Lidl, MediaMarkt und mit anderen Ketten. Demnächst kommt auch Aldi nach Südtirol und da wird es auch nicht anders sein.
    Aber die Macht hat der Kunde. Einfach bei denen nichts kaufen. Ich gehe trotzdem nach Innbruck einkaufen. In meinem Wohnort kaufe ich nur Brot und Milch für den täglichen Gebrauch, alles andere kaufe ich in IBK und nebenbei tanke ich nochdazu billig.

  2. Pinky56
    16.04.2018

    Zum Glück gibt es auch noch andere Möglichkeiten einzukaufen

  3. lowin
    16.04.2018

    Da sitz so ein Unternehme vermutlich irgendwo in Deutschland im Ruhr-Pott und hat keine Ahnung was ihre Kunden vornehmlich für Sprachen Sprechen.
    Kriminell wird es mit den überklebten Inhaltsstoffen in deutscher Sprache. Da müsste sich neben der Gewerbeaufsicht doch auch die Südtiroler Landesregierung interessieren wie sich das die Firma DM gedacht hat.
    Ich würde dort nicht mehr hingehen, auch nicht in Innsbruck. Es gibt sicher genügend alternativen.
    Was ist es, Dummheit oder Provokation?

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