von fe 05.04.2018 13:57 Uhr

1858 – 2018: 160 Jahre Tirolertum in Brasilien

Die Ankunft der ersten Tiroler Einwanderer im Jahre 1858 markiert den Beginn einer bis 1938 andauernden Auswanderung nach Brasilien.

von Everton Altmayer

Ende März 1858: In der Landeshauptstadt Innsbruck treffen sich 277 Auswanderer aus ganz Tirol und aus Vorarlberg. Dort beginnt eine lange Reise ohne Rückkehr nach Südamerika. Auf dem Weg zum Hamburger Hafen fährt die Gruppe zuerst nach Augsburg, dann nach Mannheim, von wo aus sie mit einem Schiff der Niederländischen Gesellschaft die Stadt Köln erreichen.

Die Reise durch Deutschland dauerte ungefähr einen Monat. Nach Hamburg mussten sie noch einen Zug der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft nehmen, um dort am 3. Mai anzukommen. Im Hafen befanden sich schon hunderte andere Auswanderer aus Deutschland.

Und diejenigen, die uns diese interessante Geschichte erzählen, sind die Forscher Rita Couto und Roberto Dilly vom Deutsch-Brasilianer Institut „William Dilly“ (Instituto Teuto-brasileiro William Dilly) von Juiz de Fora im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais.

  • Foto: Instituto Teuto-Brasileiro “William Dilly”

Foto: Instituto Teuto-Brasileiro “William Dilly”

Der Industrielle Mariano Procópio Ferreira Lage, Besitzer der brasilianischen Gesellschaft „União e Indústria“, möchte Arbeiter aus Europa nach Brasilien bringen. Im Hafen von Hamburg haben die 1.195 Auswanderer (918 Deutsche und 277 Österreicher) den Arbeitsvertrag mit dem Vertreter der Gesellschaft unterzeichneten. Die Mehrheit von ihnen brach mit dem Schiff Gundela, das am 9. Mai 1858 von Hamburg abgefahren ist, nach Brasilien auf. Eine zweite Gruppe mit dem Schiff Osnabrück. Am 25. Juli, nach 78 Tagen über den Atlantik, sind die Emigranten in Rio de Janeiro angekommen.

Die Tiroler Auswanderer waren aus Axams, Biberwier, Brixen, Cavalese, Ehrwald, Eppan, Fernitz, Fliess, Fulpmes, Gilgenberg, Hall, Heiming, Innsbruck, Inzing, Kastelruth, Ladis, Lermoos, Lüsen, Matrei, Meran, Mühlen in Taufers, Nassereith, Oberhofen, Oberperfuss, Ötz, Pfaffenhofen, Pfunds, Prags, Rasen, Reith, Ried im Oberinntal, Rum, Sankt Leonhard, Seefeld, Stams, Taufers im Ahrntal, Telfs, Villanders, Volders, Volderwald, Weer, Wildermieming und Zierl. Die Vorarlberger waren aus Feldkirch (noch unter der k.u.k. Regierung von Innsbruck).

  • Familie Larcher aus Haiming (Instituto "William Dilly")

Familie Larcher aus Haiming. Foto: Instituto Teuto-Brasileiro “William Dilly”

Die Auswanderer haben die Kolonie Dom Pedro II von Juiz de Fora siedelten. Schnell wurde sie als Colônia Alemã (Deutsche Kolonie) bekannt. Sie waren dafür verantwortlich, das Landwirtschaftliche Profil der Stadt in ein industriales Profil zu ändern. Viele Einwanderer hatten einen spezialisierten Beruf wie z.B. Grundschullehrer, Müller, Zimmermann, Schmied, Mechaniker oder Brauer. Viele von ihnen eröffneten eigene kleine Fabriken, die andere Unternehmen in die Stadt lockten. So wurde Juiz de Fora zur zweitgrößten Industriestadt Brasiliens geworden. Wegen der beiden Weltkriege haben die germanischen Einwanderer und ihre Nachkommen Verfolgungen erlitten, denn die deutsche Sprache wurde verboten und einige ihrer Bräuche mussten abgeschafft werden. Heute leben in Juiz de Fora und Umgebung mehr als 80.000 Nachkommen der deutschen und Tiroler Einwanderer.

1967 wurde das Deutsch-Brasilianer Institut ,,William Dilly“ gegründet, um die Geschichte der Einwanderung zu erhalten. 1969 hielt es das erste ,,Deutsches Fest“ von Juiz de Fora ab, eines der ältesten germanischen Feste Brasiliens. Dem Institut gehört das Zentrum für Studien, Dokumentation, Forschung und Genealogie mit verschiedenen Objekten der ersten Familien sowie Fotografien und Dokumenten, die die Geschichte der Einwanderung erzählen. Es gibt sogar die Volkstanzgruppe Edelweiss Tiroler Alpenbühne, die die Volkstänze von Tirol und Deutschland in Juiz de Fora aufführt.

  • Haus der Familie Kirchmair aus Weer. Instituto Teuto-Brasileiro “William Dilly”
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