von ih 13.01.2018 11:27 Uhr

Die KMU schalten auf Neustart

„Neustart ohne unnütze Haltestellen für unsere Betriebe. Die Haltestellen, die Unternehmen vermeiden möchten“ – so lautet das Leitmotiv der Pressekonferenz der SHV-CNA zu Jahresbeginn auf welcher Probleme und Vorschläge für das Jahr 2018 vorgestellt worden sind.

Claudio Corrarati

Claudio Corrarati, der regionale Präsident der SHV-CNA, und Günther Schwienbacher, Sekretär der Vereinigung, haben auf metaphorische Weise, den Weg eines Unternehmens mit eine Busfahrt verglichen, nur an nützlichen und produktiven Haltestellen möchte man anhalten. „Es gibt zwei Startpunkte:“ so Corrarati, „ Einer ist Südtirol als Ganzes, mit seiner positiven Konjunktur, die für 2018 ein Wachstum des BIP um 1,8 Prozent sowie Vollbeschäftigung vorsieht, Daten die unser Land unter die ersten in ganz Europa und natürlich auch Italiens einreiht. Klar ist aber, dass für unsere Handwerksbetriebe nicht das goldene Zeitalter hereingebrochen ist. 2017 haben wir einen leichten Wachstum der Handwerksbetriebe zu verzeichnen, die Beschäftigungslage wächst aber die Firmen haben Schwierigkeiten, Fachkräfte zu finden. Es fehlen insbesondere junge Fachkräfte, auch weil in den größeren Zentren das duale Lehrlingssystem nur wenig verbreitet ist. Die Daten sagen uns, dass 50 Prozent der Arbeitnehmer mit befristetem Arbeitsvertrag nach drei Jahren und 80 Prozent nach fünf Jahren einen unbefristeten Arbeitsvertrag erhalten: Dies gilt gerade für die KMU die von Anfang an versuchen, Arbeitnehmer an sich zu binden. Die Form eine Anfangsvertrags darf nicht zu Befürchtungen führen, wenn aber Aufträge fehlen können Arbeitsplätze gestrichen werden.“

Der zweite Startpunkt besteht aus den größeren Ortschaften unseres Landes, wo die Arbeitslosenquote dreimal so hoch ist, als im Landesdurchschnitt und das Betriebssterben größer ist. „In den städtischen Zentren“ fährt Corrarti fort, „gibt es einen anderen Wettbewerb, die öffentlichen Aufträge werden über offene Ausschreibungen vergeben, anstatt über vereinfachte Ausschreibungen mit direkter Vergabe, die Baugründe sind teurer und die Kosten für Betriebsansiedlungen einfach hoch.“ Der Sekretär Günther Schwienbacher fügt weiters hinzu: „Bozen hätte die urbane und die wirtschaftliche Expansion in Einklang bringen müssen und nur jetzt hat die Politik bemerkt, dass die Politik der wirtschaftliche Entwicklung der Landeshauptstadt stärker auf die KMU abgestimmt werden muss. Ist ein Bäumchen schwach, reicht ein leichter Wind, um es zu entwurzeln.“

Die erste Haltestelle für Unternehmen ist die Bürokratie. 41,3 Prozent der Unternehmen müssen pro Monat drei Tage für bürokratische Auflagen der öffentlichen Hand opfern und 32,2 der Unternehmen müssen dafür gar fünf Tage hergeben. Diese Kosten lasten auf unseren Betrieben, belasten aber auch die öffentliche Verwaltung und blockieren wichtige Gelder, die für Investitionen bestimmt sein sollten. Die SHV-CNA fordert noch vor der Digitalisierung eine Entbürokratisierung, eine Verbesserung der Internetplattformen der öffentlichen Verwaltung, Gesetze, deren Auswirkungen auf Betriebe im Vornhinein untersucht werden, Standardformulare, ein internes Kontrollsystem für die öffentliche Verwaltung, welches sicher stellt, dass in allen Ämtern dieselben Regeln gleich angewandt werden.

Die zweite Haltestelle ist das Steuerwesen. Berechnungen des Studienzentrums der SHV-CNA weisen nach, dass ein Südtiroler Unternehmen eine Total Tax Rate von 57,5 Prozent auf das Betriebseinkommen zahlt. Rechnen wir von diesen sämtliche Steuern weg, bleiben 21.000 Euro netto, d.h. der Lohn eines Angestellten, der jedoch nicht die Aufgaben und die Verantwortung eines Unternehmers hat. Für unsere Unternehmen braucht es eine gerechtere und nachhaltigere Besteuerung.

Die Daten zu den Krediten, dritte Haltestelle, bestätigen, dass die lokalen Banken wieder den Familien (plus 6 Prozent) Kredite gewähren aber nicht den Unternehmen (minus 0,8 Prozent), insbesondere nicht den Unternehmen, die weniger als 20 Mitarbeiter beschäftigen. „Wir laufen Gefahr“, unterstreicht Corrarati, „dass 60 Prozent der Betriebe keinen Zugang zu den Krediten erhalten und wir können natürlich nicht einzig und allein auf Garfidi zurückgreifen. Es ist notwendig, dass die Banken wieder Partner der Unternehmen werden und dass sie den unternehmerischen Fähigkeiten wieder Vertrauen schenken.“

An der vierten Haltestelle geht es um die Landesbeiträge. „Sicher sind Steuerentlastungen die besten Förderungsmaßnahmen“ hebt die SHV-CNA hervor, „wenn Beiträge zu langsam ausbezahlt oder äußerst kompliziert abgerechnet werden müssen. So sind solche Ressourcen nicht nützlich. Wir sind der Meinung, dass bei Ausschreibungen für Beiträge für KMU die Punkte für Betriebe, die in der Peripherie investieren, um dort Dienstleistungen anzusiedeln, höher angesetzt werden müssen. Dies gilt insbesondere für die größeren Ortschaften in den Tälern.“

Die fünfte Haltestelle gilt dem Schutz und der Weiterentwicklung handwerklicher Kompetenzen. Die Daten, über die unsere Vereinigung verfügt, sagen, dass von zehn Betrieben, die schließen, bei zwei eine Nachfolge vonstattengeht, zwei an Dritte abgegeben werden, zwei wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten schließen und vier Handwerker in Rente gehen, ohne einen Erben bzw. Nachfolger zu haben, dem sie den Betrieb übergeben können. Nur 40% der Betriebe werden im Falle einer Nachfolge oder eines Erbes weitergeführt. Gleichzeitig entstehen neue Unternehmen, insbesondere Friseursalons, Reinigungs- sowie Transportunternehmen. Die SHV-CNA wird 2018 eine eigenes Projekt starten, um die Nachfolge und Vererbung zu studieren und zu unterstützen.

Innovation und Export sind die Themen der sechsten Haltestelle. Die SHV-CNA hofft, dass der NOI Technologiepark in diesem Jahr immer enger mit den kleinen und Kleinstunternehmen zusammenarbeitet und jene Unternehmen unterstützt, die Innovation schaffen. Zum Export muss man sagen, dass bei 2.699 Betrieben, die Export betreiben, 90 Prozent der Güter von 240 Betrieben kommen. Die einzige Möglichkeit, auch kleiner Betriebe miteinzubeziehen, besteht in kurzen Wegen und Ketten von Lieferungen, Arbeiten und Dienstleistungen zwischen den großen exportierenden Unternehmen und den Kleinstbetrieben unseres Landes.

Die siebte Haltestelle steht für Erreichbarkeit und Verkehr. „Das Problem besteht insbesondere in der Landeshauptstadt“ hebt der Präsident Corrarati hervor, „und wir denken, dass es einen Plan braucht, der kurzfristige Lösungen aufzeigt, mittelfristige Lösungen, wie die Umfahrung Bozens, angeht und längerfristige Lösungen, wie die Verlegung der Autobahn in den Berg, vorsieht. Für ein Unternehmen ist es ein Unding, durch Staus usw. Arbeitszeiten zu verlieren. Auch aus diesem Grunde haben wir erst kürzlich ein Projekt für die Warenzulieferung auf dem letzten Km mittels Elektrofahrzeugen vorgelegt.“

Nun an der Endstation unserer Fahrt zieht die SHV-CNA ihre Schlüsse. „Wird ein Betrieb gezwungen, an allen Haltestellen stehen zu bleiben,” so Corrarati und Schwienbacher, „führt dies zu einem Verlust von Zeit, Geld und Motivation. Das Risiko ist am Ende leer anzukommen, ohne die Möglichkeit ein Einkommen oder Arbeitsplätze zu schaffen. Wir möchten all dies vermeiden und alles daran setzen, dass die Fahrt unserer Unternehmen flüssig und erfolgreich wird.“

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