von fe 16.11.2015 12:00 Uhr

Tolomeis Grabmal in Montan bald Geschichte?

Ettore Tolomeis Grab könnte schneller von der Bildfläche verschwinden als gedacht. Der „Totengräber Südtirols“, ist seit dem fernen Jahr 1952 auf dem Friedhof von Montan bestattet. Für das Grab wurden weder Konzessionsgebühren noch Instandhaltungskosten entrichtet. Das Grabnutzungsrecht dürfte somit längst abgelaufen sein.

Über 63 Jahre ist es nun her, dass Ettore Tolomei, Faschist der ersten Stunde und hemmungsloser Geschichtsfälscher, verstorben ist. Er wurde nach seinem Tod am 26. Mai 1952 in Montan begraben.
Als eifriger Verfechter der Brennergrenze und der Italienisierung Südtirols erhielt er in der faschistischen Ära den Titel Senator. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges behielt er diesen Titel und wurde Berater der italienischen Regierung. Als solchem wurde ihm sogar ein Staatsbegräbnis zugestanden.

Mussolini spendierte Grabmal für treuen Mitstreiter

Der unliebsame Sarkophag, der im Westteil des Montaner Friedhofes steht, war kurioserweise noch zu Tolomeis Lebzeiten von „Duce“ Benito Mussolini mitfinanziert worden. Allerdings sollte die Freude darüber nur kurz währen. Zum ersten Mal wurde er bereits vor Tolomeis Ableben gesprengt und mit Staatsgeld wiederhergestellt. Weitere Sprengungen des Monuments und Schmierereien am Porphyr Sarkophag sollten folgen, letztere bis in die heutige Zeit.

Überlieferungen zufolge soll der Conte della Vetta, zu dem er 1938 vom italienischen König geadelt worden war, sich richtungsmäßig so beisetzen haben lassen, dass er den letzten Deutschen über den Brenner abwandern sehen kann. Parfümiert und nach alter römischer Art in seine Toga eingehüllt, wurde er in einen Porphyr Sarkophag gelegt, später –nach dem letzten Sprengstoffanschlag – sogar einbetoniert.

Ettore Tolomeis Grab könnte schneller verschwinden als gedacht

Bisher wurde angenommen, dass sich die Grundparzelle auf welche der Sarkophag steht, sich im Staatseigentum befinde und die Gemeinde somit keine Handhabe darüber habe. Eine Mär, die anscheinend von Verwaltung zu Verwaltung weitergegeben wurde – genau recherchiert hatte bislang niemand.

Aus den Katasterplänen geht jedoch hervor, dass sich das Grab sehr wohl innerhalb des Friedhofs befindet und auch im Grundbuch nichts dergleichen vermerkt ist. Für das Grab wurden in der Vergangenheit weder Konzessionsgebühren noch Instandhaltungskosten entrichtet – und auch nicht eingefordert.

Die unwissentliche Sonderbehandlung könnte nun allerdings abrupt aufhören. Die Montaner Friedhofsordnung sieht nämlich vor, dass für Grabstätten eine Konzessionsgebühr sowie ein jährlicher Kostenbeitrag für die Instandhaltungskosten entrichtet werden muss. Alle Gräber, für welche die Konzession nicht verlängert wird, werden nach 20 Jahren aufgelassen.

Das Grab von Ettore Tolomei könnte somit bald Geschichte sein.

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