Florian Stumfall

05.01.2026

USA: Immer wieder dasselbe Spiel

Über den Handstreich der USA gegen Venezuela, ausgeführt von Kampftruppen der CIA und dem Militär, sind so gut wie alle Meinungen gesagt und ausgetaucht worden. Doch ein Gesichtspunkt kommt dabei meist zu kurz. Seit dem Jahr 1900 haben die USA allein in Lateinamerika 25 mal militärisch eingegriffen. Das bedeutet, daß es im Durchschnitt alle fünf Jahre wieder soweit war. Man darf also über den Fall Venezuela empört oder begeistert sein, nur wundern darf man sich nicht.

Bild: UT24/mag/KI-generiert

Missionierungsdrang mit Tradition

Denn der Häufung der USA-Überfälle – wobei vom Rest der Welt noch gar nicht die Rede ist – liegt eine ganz bestimmte Geisteshaltung zugrunde, die man näher betrachten muß. Begonnen hat es mit den Pilgervätern, die im Jahr 1620 in Neuengland die erste englische Siedlung gründeten. Sie waren eine religiöse Gruppe, die sich von der englischen Staatskirche abgespalten hatte, unversöhnlich, radikal und selbstherrlich. Sie selbst nannten sich „Heilige“. Ihre Grundeinstellung ist heute noch in den USA zu finden.

Im 18. Jahrhundert kamen Teile der in Europa vertriebenen Illuminaten dazu, Mitglieder eines Geheimbundes, die sich als erwählt, im alleinigen Besitz der Wahrheit und dazu berufen glaubten, die Macht auszuüben.

Exzeptionalität statt Völkerrecht

Die beiden geistigen Wurzeln begründen den Anspruch der USA, überall auf der Welt ihren Willen durchzusetzen, wo es ihnen vorteilhaft erscheint, sei es durch Drohungen, Sanktionen oder Krieg – andere Mittel der Außenpolitik besitzen sie nicht. Es gibt für diese Anmaßung in den USA einen eigenen Begriff, den der „Exzeptionalität“, als der Ausnahmestellung unter den Völkern sozusagen als heiliges Gut.

Die nächstliegenden Opfer dieser Ideologie findet man konzentriert in Lateinamerika, das Washington gemäß der Monroe-Doktrin als seinen Einflußbereich betrachtet, wo sich die Länder ganz nach dem zu richten haben, was der große Nachbar im Norden will. Das Selbstbestimmungsrecht der Völker und die Souveränität der Staaten gelten den USA nichts, und das Gerede von Demokratie ist eine alltägliche Ausrede, um die eigenen strategischen oder wirtschaftlichen Interessen zu verdecken.

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