Ein Blog von

Georg Dekas

21.11.2023

Trentin-Törggelen mit „El tortèl“

Bei Welschmichl (S. Michele all’Adige) geht es an diesem Spätherbstabend die paar Kilometer hinauf nach Faé (it. Faedo, früher de. Waid). Kurz vor dem Ortskern geht es links ab in das kleine Tal der Mühlen (Ai Molini), vorbei an der herausgeputzten, kleinen, feinen Kellerei von Pojer & Sandri zum „Agritur“ (Bäuerliche Schänke/Herberge) „Ai Molini“.

El Tortel de patate - Foto: (c) dege 2023

Der große Saal entspricht nicht so ganz (én mìgol, nur ein wenig) deutschen Vorstellungen von Gemütlichkeit. Unter brausendem Stimmenhall und gleißendem Schweinwerferlicht sitzen 3 Großfamilien und 2 Gesellschaften zu je ein Dutzend Leuten beisammen. Die beiden Töchter des Hauses tischen auf. Der hauseigene, offene Teroldego steht schon da (el ße laßa béver, er lässt sich trinken), Ein-Liter-Karaffen. Flugs kommt als Erstes (primo) die Gerstsuppe. Gelbe Rüben, braune Bohnen und zartgrüne Sellerie-Stücke geben ein bunt-gesundes Aussehen.

Foto: (c) dege 2023

Jetzt kommt der Star des Trentiner Törggele-Abends über der Piana Rotaliana beim Schloss Königsberg: „El tortèl de patate“ – das Welschtiroler Rösti, wenn man so will. Diese Tirtlan, gebürtig vom (deutschen) Nonsberg, gelten als ‘paròn dele merende‘, als Herr über alle Jausen. Eigentlich gehörte der Tortèl in Schweineschmalz (smòlz) ausgebacken, sagen die Solandri am Tisch, die Sulzberger. Also nicht in Butter wie es die Schweizer, nicht in Öl, wie es die Italiener (und hier die Molini-Mama) tun. Früher wurden die Tortèle mit (Sauer-)Kraut gegessen, so wie die Erdepfl-Plattlan im Pustertal oder die Grammelknödel im Waldviertel. Heute Abend kommt der ‚tortèl‘ jedoch in feiner Gesellschaft daher: Die Müllerstöchter bringen Carne Salada, braune Bohnen (fasòi), Speck-Krautsalat (capuß), dazu ein ordentliches Aufschnitt-Brettl mit Almkäse, Bauernsalami (luganega) salamierten Schweinsschopf (coppa) und herrlichen Südtiroler Speck, der hier natürlich ‚spéck‘ heißt.

Foto: (c) dege 2023

Abgerundet wird das Menü, wie könnte es anders sein, mit einem ‚strúdel di mele‘, einem Apfelstrudel mit dick Schlagobers. Die Müllerstöchter haben ihre Rubensfiguren nicht gestohlen. Mitten in angeregter Unterhaltung geht das Licht aus, es wird still im Saal, und vom Eingang her kommt eine Torte mit Sprühkerze an, bald ertönt ‚Tanti Auguri a Te‘ und am Ende klatscht der ganze Saal Beifall. Wirklich nett. Um Elfe (ùndese) sind die Familien weg, gegen Mitternacht (mezanòt) löst sich der Saal auf. Die Mutter, die in der Küche am Herd mit Pfannen voller Öl steht, steht gerne zum Erinnerungsfoto bereit. Und wenn es einmal nicht El Tortel sein soll, dann gibt es La Polenta in allen Variationen, mit Hase, Wild, Haxe, Rippelen oder Hauswurst. Auf Wiedersehen „Ai Molini“ in Faé.

Foto: (c) dege 2023

P.S.

Herzlichen Dank an Manuela Sartori für die Einladung, an die Tirolissmo-Abendgesellschaft und an Flavio Pedrotti-Móser für die autochthonen Wörter. Er hat ein wunderbares kleines Wörterbuch „Italiano-Trentino“ herausgegeben (Reverdito, 2021).

Und hier die Speisekarte mit den Preisen, wer’s wissen will…

Foto: (c) dege 2023

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