Kollmanns Blog

Cristian Kollmann

01.07.2020

Operation „Abschuss Negerhütte“ gelungen – und nun?

Die Negerhütte soll nun Geschichte sein. Doch wird damit tatsächlich ein Beitrag zum Antirassismus geleistet? Nein, denn erstens: der Begriff Negerhütte hat keinen rassistischen Ursprung, zweitens: tatsächlich rassistische und menschenverachtende Bezeichnungen werden nicht in Frage gestellt, und, drittens: ein Präzedenzfall wird geschaffen, dem weitere Verbote folgen könnten.

Die Negerhütte im Gadertal. Der deutsche Name wird bald nicht mehr zu sehen sein. Der italienische und mutmaßlich faschistische Name soll dagegen bleiben. Und stattdessen an eine ladinische Bezeichnung denkt offenbar niemand. Foto: Google

Eine Analyse aus sprachhistorischer, sprachpolitischer und ideologischer Sicht von Cristian Kollmann.

Am deutschen (Gutmenschen-)Wesen soll wieder einmal die Welt genesen. Spätestens seit den Vorfällen in den USA wird auch in Europa und insbesondere in Deutschland vermehrt über Rassismus debattiert. Das ist grundsätzlich gut so. Doch die Forderungen jener, die sich den Antirassismus auf die Fahnen geschrieben haben, führen am eigentlichen Ziel, das eine gerechtere Welt erschaffen soll, vorbei und nehmen immer absurdere Ausmaße an: Längst nicht hinter jedem Begriff, der Neger beinhaltet, steckt eine rassistische Intention. Dies ist lediglich eine zeitgeistige Interpretation, die die Geschichte, wenn sie gerade ins antideutsche und ja, antiweiße Konzept passt, gerne ausblendet.

Warum ist Neger verpönt?

Der Begriff Neger ist, etymologisch betrachtet, absolut wertfrei. Im Deutschen ist er seit dem 17. Jahrhundert geläufig. Er ist entlehnt aus französisch nègre ‘Schwarzer’. Dieses Substantiv ist seinerseits aus spanisch negro entlehnt, das als Adjektiv ‘schwarz’ und als Substantiv ‘Schwarzer’ bedeutet und direkt lateinisch niger ‘schwarz’ fortsetzt. Anders aussehende Menschen nach ihrer Hautfarbe zu bezeichnen, um sie von der eigenen ethnischen Gruppe zu unterscheiden, ist an sich nichts Verwerfliches und war in der Geschichte immer schon gang und gäbe. So wurden und werden beispielsweise auch hellhäutige Menschen von jenen Menschen, die eine andere Hautfarbe besitzen, umgekehrt als ‘Weiße’ oder ‘Bleiche’ bezeichnet. So weit, so gut. Doch warum ist der Begriff Neger dann so verpönt? Fakt ist: Im maßgeblichen etymologischen Wörterbuch der deutschen Sprache von Friedrich Kluge und Elmar Seebold ist nichts über eine pejorative (abwertende) Bedeutung von Neger zu lesen. Dennoch wird diese heutzutage im Geiste der politischen Korrektheit als gegeben betrachtet. Der Ausgangspunkt war dabei wohl der in der Tat durchwegs abschätzig verwendete englische Begriff nigger. Dieser scheint eine Verballhornung von englisch negro, das direkt aus spanisch negro entlehnt ist, darzustellen. Wenn nigger eine ethnische Gruppe abwertet – die Sprachwissenschaft spricht in diesem Zusammenhang von „Ethnophaulismus“ –, dann muss dies bei englisch negro und bei den in die anderen Sprachen entlehnten Bezeichnungen aus lateinisch niger ebenso der Fall sein, so die irrige Schlussfolgerung.

Verbot von Neger, dann Negerhütte, dann...

Doch was bedeutet das Verbot von Neger in der Konsequenz? Sollen sämtliche Wörter und Namen, die direkt oder indirekt auf lateinisch niger zurückgehen, plötzlich pauschal für rassistisch erklärt und verboten werden? Genau dies soll offenbar bezweckt werden, ohne Rücksicht darauf, ob der ins Visier geratene Begriff möglicherweise einen ganz anderen Ursprung hat. Dass die Negerhütte eben so heißt, wie sie heißt, hat sie ihrer Färbung, dem Steinkohleteeröl (Carbolineum), zu verdanken. Dieses nicht rassistische Benennungsmotiv beteuern ja die Betreiber selbst. Um so unverständlicher ist es, dass sie angekündigt haben, den Namen Negerhütte zurücknehmen und nur noch den italienischen Namen Capanna nera zu führen. Diese Entscheidung mag aus wirtschaftlichen Überlegungen heraus getroffen worden sein, sprach- und kulturpolitisch wird damit ein falsches Signal gesetzt. Denn man kann sich nun zu Recht fragen: Welches Wort oder welcher Name steht als Nächstes am Pranger? Werden es nicht nur Begriffe mit Neger wie beispielsweise das Negerdörfl in Sexten sein, sondern, unabhängig davon, ob ursprünglich rassistisch oder nicht, sämtliche Bezeichnungen, die mit Neger etymologisch verwandt sind? Nach dem Einknicken der Betreiber der Negerhütte – warum haben diese wenn schon nicht einen ladinischen Namen ins Spiel gebracht? – und der wohlwollenden Berichterstattung in den Systemmedien könnten sich die vom Antirassismuswahn getriebenen Sprachsäuberer(innen) nun erst recht ermutigt sehen, noch eins draufzusetzen. Mediale Unterstützung scheint ihnen jedenfalls jetzt schon gewiss.

Verbot von Negerhütte, dann Nigerhütte, dann Montenegro?

In Südtirol gibt es nicht nur eine Negerhütte, sondern auch eine Nigerhütte. Sie befindet sich im Tierser Tal in unmittelbarer Nähe des Nigerpasses, der seinen Namen vom Geländerücken, der Alter Niger heißt, bezieht. Im Katastralmappenblatt aus dem Jahr 1858 ist die Flur als Nigger eingetragen. Es ist denkbar, dass der Name Nigger, Niger aus fassanisch neigher ‘schwarz’ stammt und das Gelände somit nach seiner dunklen Farbe benannt ist. Fassanisch neigher kommt in Fassa in diversen weiteren Flurnamen vor. So gibt es beispielsweise in Mazzin einen Bosch neigher (‘schwarzer Wald’) und eine Crepa neigra (‘schwarzer Felsgipfel‘). Im übrigen Welschtirol, wo venezianische Dialekte gesprochen werden, lautet das Wort für ‘schwarz’ gewöhnlich negro. Als solches erscheint es in unzähligen Flurnamen wie Bosch negro (‘schwarzer Wald’), Cròz negro (‘schwarzer Fels’), Lach negro (‘schwarzer See’) oder Sas negro (‘schwarzer Stein’). Venezianischen Ursprungs ist übrigens auch der Ländername Montenegro (‘schwarzer Berg’). Sollen nun all diese, seit Jahrhunderten überlieferten geografischen Namen ebenso plötzlich für rassistisch erklärt und verboten werden, nur weil es der Zeitgeist gebietet?

  • Der Nigger, heute als Alter Neger bekannt, auf dem Katastralmappenblatt aus dem Jahr 1858.

Verbote richten sich gegen alles Deutsche, nicht gegen den Faschismus

An ein Verbot der ladinischen und venezianischen Begriffe denkt von den bundesdeutschen Antirassismusschreier(innen) sicher niemand. Ihnen geht es nämlich nicht gegen das Ladinische, Venezianische, das Italienische, sondern ihnen geht es ja „nur“ gegen das Deutsche. Und schon gar nicht geht es ihnen gegen den italienischen Faschismus. Tatsächlich faschistische Bezeichnungen wie die Bozner Amba-Alagi-Straße, die nach einem Berg und Kriegsschauplatz in Äthiopien benannt ist, wo von Seiten Italiens Giftgas zum Einsatz kam, oder das Brunecker Alpinidenkmal, das den Abessininienkrieg verherrlicht, sollen ausgeklammert bleiben, auch die mutmaßlich erst im Faschismus aufgekommene italienische Bezeichnung Capanna nera für die Negerhütte – ganz zu schweigen von dem bis heute imperialistischen und tirolleugnenden Begriff Alto Adige für Südtirol. Durch ihre einseitigen und kurzsichtigen Forderungen, die sich exklusiv gegen das Deutsche und auf keinen Fall gegen das Faschistische richten, spielen die selbst erklärten Antirassist(inn)en und ja, auch Antifaschist(inn)en den italienischen Nationalisten und Faschismusverstehern in die Hände, die sich selbige indes genüsslich reiben. Man stelle sich vor: Es würde die Forderung erhoben, die Bezeichnung Capanna nera, weil sie mutmaßlich faschistischer Provenienz ist, zu entfernen: Eine beispiellose Medienkampagne würde italienweit losgetreten. Man wolle den Italienern ihre Identität nehmen, und auch die ausländischen Medien würden undifferenziert darüber berichten, so wie sie es im Zusammenhang mit der Alto Adige-Polemik taten. Aber wo bleibt diesmal der mediale Aufschrei? Er findet nicht statt, weil die Forderung nach der Abschaffung der Bezeichnung Negerhütte ganz im Sinne der italienisch-nationalistischen und antideutschen Sache von statten geht. Genau jene somit, die sämtliche Neger-Begriffe reflexartig und undifferenziert als rassistisch verurteilen, sind jene, die, wenn es gegen tatsächlich rassistische und faschistische Bezeichnungen und architektonische Symbole geht, auffallend schweigen. So gesehen betätigen sich diese Gutmenschen und Medien, gewollt oder einfach nur aus Oberflächlichkeit oder Naivität, auch als Mitläufer(innen).

  • Das Alpinidenkmal in Bruneck. Es verherrlicht die italienischen Kriegsverbrechen in Abessinien, bleibt aber in der (Anti-)Rassismusdebatte ausgeklammert. - Foto: www.schuetzen.com

Parallele zu 1933

In diesem Zusammenhang sei auf eine verblüffende Parallele hingewiesen. In Deutschland wird die Forderung nach der Entfernung des Heiligen Mauritius aus dem Coburger Stadtwappen erhoben. Der Grund: Die Darstellung eines Schwarzafrikaners sei nämlich – wie sollte es anders sein – rassistisch. 1933 war es das nationalsozialistische Regime, das dieselbe Forderung erhob und die Entfernung veranlasste, wenngleich aus einem anderen Grund: Es kann nicht sein, dass ein Schwarzafrikaner öffentlich zu Ehren kommt. Zweimal dieselbe Forderung, zwar mit unterschiedlichem Ziel, aber, weiter gedacht, mit demselben Ergebnis: Soll die im Laufe der mehrhundertjährigen Geschichte in Europa stattgefundene Wahrnehmung der Schwarzafrikaner, auch jener die, so wie der Heilige Mauritius, Anerkennung erfahren haben, aus der kollektiven Erinnerungskultur gelöscht werden? Welches Unrecht soll damit wieder gut gemacht werden, und was haben die heute in Europa und insbesondere in Deutschland lebenden Schwarzafrikaner von dieser angeblichen Wiedergutmachung? Bei faschistischen Namen und architektonischen Symbolen in Südtirol dagegen liegt das Unrecht bis heute auf der Hand, zumal es bis heute kaum oder nur halbherzig aufgearbeitet ist und zumal vor allem, es unverändert überall noch im öffentlichen Raum dasteht und die Bevölkerung kulturell nötigt. Aber ja, es geht dort ja nur gegen Südtiroler, und zugegebenermaßen auch gegen Schwarzafrikaner. Dass sich Italien bis heute für seine Kriegsverbrechen in Nordafrika nicht entschuldigt hat und, im Gegenteil, kriegsverherrlichende und imperialistische Denkmäler mit Steuergeldern herausputzt und mit systemgefälligen Auftragswissenschaftlern relativiert, zeigt, dass in der gesamten (Anti-)Rassismusdebatte etwas gewaltig schiefläuft.

  • Der Heilige Mauritius im Stadtwappen von Coburg. Früher waren es die Nationalsozialisten, die ihn entfernen ließen. Heute erheben die Antirassisten dieselbe Forderung.

Verbot von Negerhütte, dann von Moritz und Mohr?

Doch geht es nach den deutschen Gutmenschen, wird nach der Negerhütte auch der Heilige Mauritius und schließlich auch Moritz als Vorname dem Antirassismuswahn zum Opfer fallen. Der Name Moritz stammt wie Mauritius von lateinisch maurus ‘Nordafrikaner’. Der lateinische Begriff wurde ins Althochdeutsche als mōr entlehnt und hat neuhochdeutsch Mohr und tirolisch Moar ergeben. Dass der Mohr aus dem öffentlichen Raum verschwinden soll, ist ja keine neue Forderung. Daher erneut die Frage: Was kommt als Nächstes? Soll der Mohr nicht nur in der bildlichen Darstellung, sondern soll auch der im gesamten deutschen Sprachraum vorkommende Familienname Mohr verboten werden? Darf es somit dunkelhäutige Menschen in der Geschichte Deutschlands überhaupt nicht mehr geben? So schnell kann einseitiger und kurzsichtiger Antirassismus mit dem Nationalsozialismus in Berührung kommen. Und dass die Nationalsozialisten mit den Faschisten der befreundeten Staaten gemeinsame Sache machten, ist ja bekannt.

Die Deutschen als „die Stummen“

In den slawischen Sprachen werden die Deutschen mit Ableitungen vom urslawischen Adjektiv *němъ ‘stumm’ bezeichnet. Die Deutschen waren also aus der Sicht der Slawen die Stummen. In der Tat täten besonders manche Deutsche gut daran zu schweigen. Zwar tun sie dies dann auch, aber an der falschen Stelle – genau so wie sie es vorziehen, an der falschen Stelle zu schreien. Mit absurden Verbotsforderungen, zeitgeistigen Dogmen und falschem Toleranzdenken wird die Welt überhaupt nicht gerechter, sondern diktatorischer. Und genau dies setzt nicht nur den sozialen, sondern insbesondere den ethnischen Frieden aufs Spiel. Gleichzeitig heißt es gebetsmühlenartig, dass sich die Geschichte bloß nicht wiederholen darf. So lange man auf einem Auge blind ist und man es nicht vermag zu reden oder zu schweigen, wo es angebracht ist, kann dies leicht wieder passieren.

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  1. Henner
    20.07.2020

    Nicht alle Deutschen unterstützen diesen Schwachsinn. Das ist nur eine kleine Minderheit, die viel Langeweile, aber wenig Hirn haben.

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