Arno Mall

21.02.2026

Muttersprache bewahren – Identität stärken

Der Welttag der Muttersprache sollte in Südtirol besondere Aufmerksamkeit genießen. Sprache ist weit mehr als ein bloßes Kommunikationsinstrument. Sie ist kulturelles Gedächtnis, soziales Band und Identitätsanker – vor allem aber ist sie unsere emotionale Heimat.

Symbolbild - Bild: Schützenbezirk Südtiroler Unterland

Sie prägt unser Land. Insbesondere die deutsche Sprache als Mehrheitssprache, aber auch – und ganz besonders – unser Dialekt. Beide verdienen tägliche Pflege. Sie sind kostbare Kulturschätze, deren Verlust unwiederbringlich wäre.

Sprache war und ist in Südtirol immer auch politisch. Bereits seit dem Trienter Konzil gab es wiederholt strategische Bestrebungen, die deutsche Sprache zurückzudrängen. Schon damals unterschätzte man auf deutscher Seite die langfristigen Folgen solcher Entwicklungen. Da diese historischen Erfahrungen heute kaum mehr präsent sind, besteht die Gefahr, dieselben Fehler erneut zu begehen.

Zum x-ten Mal erleben wir in diesen Tagen eine Debatte, in der historische Erkenntnisse beiseitegeschoben werden. Gemischtsprachige Schulen werden als zeitgemäße Antwort auf gesellschaftliche Entwicklungen und als pädagogisch fortschrittliches Signal vermarktet. Die politischen Absichten dahinter sind jedoch meist andere.

In asymmetrischen gesellschaftlichen Verhältnissen – Minderheitensprache gegenüber Staatssprache – setzt sich aus sozialer Logik stets die Staatssprache durch. Diese Dynamik ist gut belegt. Die Folgen solcher schulischen Experimente wären langfristig und kaum mehr korrigierbar. Überall dort in Europa, wo man vom muttersprachlichen Prinzip für Schulen abgerückt ist, kam es innerhalb kürzester Zeit zur Assimilierung. Das ist eine Tatsache, die uns Warnung genug sein sollte.

Zudem zeigt sich immer wieder dieses Dogma, zwanghaft Neues anzustreben und Gewachsenes sowie Bewährtes als überholt abzutun. Dabei sind die Folgen gemischtsprachiger Schulmodelle absehbar und aus anderen Minderheitensituationen bekannt: Die Erstsprache wird häufig nicht auf bildungssprachlichem Niveau ausgebaut. Wortschatz, Syntax, Textverständnis und Schreibkompetenz bleiben hinter jenen einsprachig beschulten Kindern zurück – insbesondere in abstrakter Sprache, Fachsprache und schriftlichem Ausdruck. Das ist kritisch, denn eine schwach entwickelte Erstsprache lässt sich nicht stabil auf andere Sprachen übertragen.

Auch Mischformen und sprachlicher „Krautwelsch“ prägen zunehmend unseren Alltag. Sie mögen harmlos oder „a wia potschat“ wirken, sind bei genauerem Hinsehen jedoch Ausdruck von Nachlässigkeit – vor allem aber Symptom eines schleichenden Sprachverlustes.

Eine solide Beherrschung der Muttersprache und eine gute Ausdrucksfähigkeit sind nicht bloß Fragen des persönlichen Stils. Wer seine Muttersprache sicher beherrscht, legt die Grundlage für Bildungserfolg und kann nachweislich auch andere Sprachen leichter erlernen. Die Pflege der Muttersprache bedeutet dabei keine Abschottung. Sie braucht jedoch Rückzugsräume, in denen sie sich entfalten kann.

Die muttersprachliche Schule ist ein solcher Raum: ein Ort, an dem Wurzeln wachsen, Selbstbewusstsein entsteht und zugleich Offenheit sowie Neugier für andere Sprachen und Kulturen gefördert werden. Sie ist die zentrale Säule zur Sicherung des kulturellen Bestandes von Volksgruppen und sprachlichen Minderheiten. Überall dort, wo das muttersprachliche Prinzip gilt, konnte dieser Bestand gesichert werden. Wo man davon abwich, kam es in Europa zu kultureller Einebnung. Sie hat sich also für Südtirol bestens bewährt.

Gerade heute, in einer globalisierten und mehrsprachigen Welt, ist dieser Ansatz aktueller denn je. Die Muttersprache zu schützen heißt, unsere Wurzeln zu bewahren, Kultur zu stärken und gleichzeitig entspannt Offenheit für andere Menschen und anderes Denken zu leben. Dialekt, Alltags- und Bildungssprache tragen gemeinsam dazu bei, dass Südtirols sprachliche Vielfalt nicht nur erhalten bleibt, sondern gedeiht.

Am Welttag der Muttersprache sollten wir uns daran erinnern: Unsere Sprache ist unser Erbe – und unsere Zukunft.

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