Florian Stumfall

28.01.2026

Grönland? Schon mal dagewesen

Die hartnäckigen Bemühungen des US-Präsidenten Donald Trump um Grönland rufen in Europa höhnische bis erbitterte Antworten hervor, und da er sich hier ohnehin keiner großen Beliebtheit erfreut, finden seinen Kritiker die Bestätigung ihrer Abneigung in fast allen seinen Unternehmungen und in der Grönland-Frage auf alle Fälle.

Grönland: Weite, Eis und strategische Lage – seit über 150 Jahren im geopolitischen Blickfeld der USA (Bild von Bernd Hildebrandt auf Pixabay).

Amerika wuchs nicht vom Himmel

Dabei fordert es die Gerechtigkeit, die Sache in ihren historischen Zusammenhang zu stellen. Denn die USA sind ja nicht als ein Ganzes mit einem Mal entstanden, sondern haben sich stückweise zusammengesetzt. Und nicht weniger als drei bedeutende Teile sind von anderen Mächten dazugekommen – einmal abgesehen von den Indianern, die ohnehin nie jemand um ihre Meinung gefragt hat.

Da war als erster der heutige Bundesstaat Louisiana, der Ende des 18. Jahrhunderts zwischen dem Mississippi und den Rocky Mountains erstreckte und so groß gewesen ist, wie die restlichen damaligen US-Staaten zusammengenommen. Gehört hat er aber zu Frankreich, das eine zeitlang mit der Idee geflirtet hatte, ganz Nordamerika für sich einzunehmen. Napoleon aber, der in Europa genug mit seinen Kriegen zu tun hatte und dazu Geld brauchte, verkauft anno 1803 Louisiana den Amerikanern, die damit ihr Staatsgebiet verdoppelten.

Der zweite Erwerb, wenn auch nicht durch Kauf, war Texas. Es gehörte zuvor zu Mexico, war dann kurz selbständig und fiel 1846 mit dem mexikanisch-amerikanischen Krieg an die USA. Diese hatten aber zuvor den Mexikanern zweimal ein Kaufangebot gemacht, was die indes zurückwiesen. Mit Texas kam auch der gesamte heutige Südwesten bis hinauf nach Kalifornien zu den USA.

Kaufen statt erobern – eine alte Idee

Schließlich Alaska. Dieses riesige Gebiet war seit dem 17. Jahrhundert von den Russen besiedelt worden. Allerdings sah Zar Alexander II. ein, dass ihn diese Kolonie nur Geld kostete und im Falle einer militärischen Gefahr unmöglich zu halten gewesen wäre. Also verkaufte er das ganze Gebiet an Washington. Das war anno 1867, und US-Präsident war Andrew Johnson.

Derart ermuntert, erwog dieser im darauffolgenden Jahr, dass man gleichermaßen den Dänen Grönland abkaufen solle. Es blieb aber bei der Überlegung. Diese Idee also ist keineswegs eine Ausgeburt von Trumps vielgescholtenem Gehirn, sondern hat eine gewisse Tradition, die vom Präsidenten Truman nach dem II. Weltkrieg wieder aufgenommen wurde und sich bis Obama und Biden fortsetzte, auch wenn das heute vehement geleugnet wird.

Drei erhebliche Gebiets-Gewinne für die USA, dabei nur eine durch Krieg, die beiden anderen aber durch Kauf – diese Bilanz hat etwas verlockendes, und es ist nicht nur Trump, der das so empfindet.

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