Lukas Wegscheider

29.10.2026

Der Temu-Nationalist vom Dienst

„Von hier aus bildeten wir die übrigen durch Sprache, Gesetze und Künste.“ So steht es mitten in Bozen. Auf dem vor sich hinbröckelnden Siegesdenkmal. Vor hundert Jahren errichtet.

KI-Montage: Siegesdenkmal © Süd-Tiroler Freiheit, Alessandro Urzì (Foto: Web); Grafik: Flavio Pedrotti Móser

Damals bereits ein, in steingewordenes Armutszeugnis. Und heute immer noch eine Provokation. Für die Nationalisten von gestern einerseits, die dieses faschistische Monument einst für ihre angebliche italianità in den Boden rammten. Und heute noch genau denselben ideologischen Beton im Kopf haben. Andererseits, – auch für jene guten Willens, die sich der lästigen Botschaft nicht entziehen können. Und die Umbenennung in Friedensplatz nicht schafften.

Nun gut. „Achte jedes Mannes Vaterland, aber das deinige liebe“ – dieser universelle Spruch zieht die Grenze. Dort beginnt der Respekt vor der Heimat des anderen, wo der blanke Nationalismus aufhört. Doch was lesen wir stattdessen von einem gewissen Herrn?

„Kleines Volk von verzweifelten Menschen in Kostümen, das sich ab und zu trifft, um mit düsterem Gang die Armeen affenartig nachzumachen.“

So der geistige Erguss, aus angeblich herrschaftlichem Munde. Da lebt einer scheinbar im Hier und Jetzt. Und hängt doch, exakt ein Jahrhundert nach Erbauung des Siegesdenkmals, im Geiste am Tropf derselben Ideologie. Die Temu-Version sozusagen. Denn wirkt das Original vielleicht für irgendjemand noch irgendwie pathetisch, ist das hier einfach nur noch peinlich und äußerst tschögglig. Für alle. Und eigentlich müssten nun all jene auf die Barrikaden gehen, die wirklich guten Willens sind. Egal welcher Sprache.

Es meldet sich also ein Herr zu Wort, der ungefragt und völlig überflüssig seinen nationalistischen Quatsch dazu gibt. Jemand, der seine politische Heimat wechselt wie andere ihre Unterhosen. Ein Stratege, der bei den letzten Wahlen in Südtirol gerade einmal erbärmliche 1,72 Prozent der Wählerschaft hinter seinen wirren Gedanken vereinen konnte. Ein politischer Überlebenskünstler, der sich nach Vicenza katapultieren lassen musste, um überhaupt noch an irgendeinem Sessel zu kleben.

Und genau dieser Mann spielt sich heute als großer Retter und Beschützer der Südtiroler Autonomie auf? Derselbe Mann, der gestern noch Sturm dagegen lief und seine gesamte politische Existenz in den gnadenlosen Erhalt der italianità im Alto Adige gesteckt hat.

Großartig. Gradlinig. Eine Garantie. Vom fanatischen Rom-Verteidiger zum besorgten Landesvater in Rekordzeit. Wer applaudiert? Niemand.

Denn es sollte uns allen im Grunde vollkommen egal sein, was dieser Herr von sich gibt. Wir, geben einen feuchten Furzi auf solch eine politische Heuchelei – das trifft es wohl am besten.

 

 

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