„Haltet Frieden!“ – Gedenkfeier im Soldatenfriedhof Vahrn

Zahlreiche Ehrengäste
Wie jedes Jahr hatte das Bürgerkomitee für den österreichisch-deutschen Soldatenfriedhof Brixen-Vahrn unter Obmann Robert Recla zur Gedenkfeier eingeladen. Neben zahlreichen Bürgern aus Brixen, Vahrn und Umgebung waren auch viele Ehrengäste gekommen. Darunter der Brixner Bürgermeister Andreas Jungmann mit einigen Stadträten sowie der Vahrner Bürgermeister Andreas Schatzer mit mehreren Gemeinderäten. Anwesend waren außerdem Vertreter der Stadtpolizei, der Militärbehörden und der Carabinieri, Abordnungen mehrerer Schützenkompanien des Bezirkes Brixen sowie eine Abordnung des Südtiroler Kriegsopferverbandes.
Die Ehrenkompanie stellten die Schützenkompanien Vahrn und Neustift. Sie stand unter dem Kommando von Daniel Oberegger, Hauptmann der Schützenkompanie Neustift.
Kapelle vor 110 Jahren eingeweiht
Die Feier begann mit einer heiligen Messe, die von Dekan Florian Kerschbaumer zelebriert wurde. In seiner Predigt erinnerte der Dekan an die Einweihung der Friedhofskapelle vor genau 110 Jahren. Zugleich schlug er den Bogen zur Gegenwart und sprach über die aktuellen Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten.
Musikalisch umrahmt wurde die Gedenkfeier vom Männergesangsverein 1862 Brixen und der Bürgerkapelle der Stadt Brixen. Für die Gräbergestaltung und den Blumenschmuck sorgte die Gärtnerei Auer aus Brixen.
Wer erinnert sich noch?
Bürgermeister Jungmann eröffnete seine Gedenkrede mit einer nachdenklichen Frage: „Friedhöfe sind Orte der Erinnerung. Doch wer erinnert sich noch, wenn die Gräber weit entfernt von den Familien der Bestatteten liegen und mehr als hundert Jahre seit ihrem Tod vergangen sind?“
Im Soldatenfriedhof Vahrn, dem drittgrößten seiner Art im Süden Tirols, ruhen 1229 österreichisch-ungarische Soldaten, 119 russische Soldaten des Ersten Weltkriegs und 107 Soldaten der deutschen Wehrmacht aus dem Zweiten Weltkrieg. In der Gedenkkapelle hängen zudem Gedächtnistafeln mit den Namen jener Brixner, die im Ersten Weltkrieg ihr Leben verloren haben. Alte Fotografien zeigen außerdem 154 im Zweiten Weltkrieg gefallene und vermisste Söhne der Stadt Brixen.
Die letzte Mahnung der Gefallenen
Besonders eindringlich zitierte der Bürgermeister die Botschaft der Gefallenen, die in der Gedenkkapelle hängt und auch nach über 100 Jahren nichts von ihrer Bedeutung verloren habe. Dort heißt es: „Wir, die wir für euch Lebende gelitten und gestritten und unser höchstes Gut, das Leben hingegeben haben, hinterlassen Euch als letzte Mahnung: Haltet Frieden! Und als letzte Bitte: Vergesst uns nicht und sorgt für unsere Gräber.“
„Bei wem flackern da nicht Bilder auf?“, fragte Jungmann und verwies auf die Soldaten und Zivilisten, die im Ukraine-Krieg getötet werden, und auf die Menschen, die in den Konflikten im Nahen Osten ihr Leben verlieren. Viele von ihnen würden fern ihrer Heimat begraben – so wie die Soldaten, deren Namen auf diesem Friedhof zu lesen sind.
Jeder Name steht für ein Menschenleben
„Soldatenfriedhöfe sind ein Ort der Erinnerung. Soldatenfriedhöfe sind vor allem aber ein Mahnmal“, so der Bürgermeister. Jeder Name stehe für ein Menschenleben, für Träume, die nicht verwirklicht werden konnten, und für Familien, die ohne Söhne und Töchter, Väter und Mütter, Brüder und Schwestern blieben und bleiben.
Die Pflege des Friedhofs sei deshalb nicht nur ein Dienst an der Vergangenheit, sondern auch ein Auftrag für die Gegenwart und die Zukunft. „Wer diesen Ort erhält, bewahrt die Erinnerung und stärkt zugleich das Bewusstsein für Frieden, Versöhnung und ein respektvolles Miteinander“, sagte Jungmann. Aus diesem Bewusstsein heraus hätten die Gemeinden Brixen und Vahrn gemeinsam die Verantwortung für den Soldatenfriedhof übernommen.
Großer Dank an Obmann Robert Recla
Einen besonderen Dank richtete der Bürgermeister an das Bürgerkomitee und dessen Obmann Robert Recla, der seit vielen Jahren mit seinen zahlreichen Helfern für die Gräber sorgt und die Gedenkfeier organisiert. Dank ging außerdem an die Musikanten und Sänger, an Hansjörg Auer für den Blumenschmuck, an die Schützen von Vahrn, Neustift und Brixen sowie an die Abordnung der Alpini.
Nach der Ehrensalve der Schützenkompanien Vahrn und Neustift und den Kranzniederlegungen endete die Feier mit einem eindringlichen Wunsch des Bürgermeisters: „Möge dieser Ort auch in Zukunft daran erinnern, dass Frieden, Freiheit und Menschlichkeit niemals selbstverständlich sind, sondern von jeder Generation aufs Neue bewahrt und gestärkt werden müssen.“






