Streit um „Weihnachten im Schuhkarton“

Diese Woche hat Südtirols Katholische Jugend einen Leserbrief an die Medien geschickt, worin sie von der Aktion abrät. Das Ok-Team von Weihnachten im Schuhkarton hat darauf geantwortet.
Wie die Aktion funktioniert
Man nimmt einen Schuhkarton, beklebt Deckel und Boden getrennt mit Geschenkpapier und füllt ihn mit neuen Sachen. Kleidung, Spielzeug, Schulmaterial, Hygieneartikel. Man legt fest, ob das Päckchen für einen Buben oder ein Mädchen ist und für welche Altersgruppe. Heuer dürfen erstmals keine Süßigkeiten mehr hinein. Dann bringt man den Karton zu einer Annahmestelle. Hinter der Aktion steht die Hilfsorganisation Samaritan’s Purse. Sie ist evangelikal ausgerichtet und gehört keiner Kirche an. Das Südtiroler Team der Aktion macht seit 1999 mit.
Was die Katholische Jugend kritisiert
Südtirols Katholische Jugend nennt zwei Hauptpunkte.
Erstens die Mission: Die Aktion werde genutzt, um christliche Inhalte zu verbreiten. Dabei gehe es um ein Heft im Comic-Stil mit dem Titel „Das größte Geschenk“. Darin stehe unter anderem, dass Jesus die einzige Rettung vor Sünde und Hölle sei. Besonders heikel sei das in Ländern, in denen kaum Christen leben. Die Katholische Jugend zitiert dazu die Diözese Bozen-Brixen. Diese lehnt es ab, Geschenke für bedürftige Kinder als Türöffner für Mission einzusetzen und spricht davon, dass es dabei immer wieder zu Konflikten komme.
Zweitens der Nutzen: Die Lebensbedingungen der Kinder würden dadurch nicht besser. Weder beim Essen noch bei der medizinischen Versorgung, der Wohnung oder der Schule. Auch die Wirtschaft in den Empfängerländern profitiere nicht, weil die Sachen bei uns gekauft werden. Dazu komme der weite Transport, der teuer und ökologisch fragwürdig sei. Die Diözese Bozen-Brixen hat sich nach Angaben der Katholischen Jugend mehrfach von der Aktion distanziert und die Pfarrer aufgerufen, keine kirchlichen Räume dafür herzugeben. Mehrere deutsche Diözesen und die Erzdiözese Wien äußern sich ähnlich.
Was die Veranstalter antworten
Das OK-Team widerspricht in mehreren Punkten. Samaritan’s Purse arbeite sehr wohl mit Kirchen zusammen und zwar mit örtlichen Kirchen verschiedener Konfessionen, sowohl bei uns als auch in den Empfängerländern. Zum Vorwurf der Mission heißt es: „Kein Kind muss etwas annehmen, um ein Geschenk zu bekommen. Jedes Kind, das bei einer Verteilung dabei ist, bekommt den Karton ohne Bedingung. Das Heft mit den Bibelgeschichten wird bei der Verteilung zusätzlich angeboten und nicht in die Kartons gelegt. Wenn es nicht in den religiösen oder kulturellen Zusammenhang passt, wird darauf verzichtet.“
Beim Nutzen gibt das Team der Kritik teilweise recht. Es handle sich in erster Linie um eine Geschenkaktion und nicht um Entwicklungshilfe. Dafür habe Samaritan’s Purse andere Projekte. Trotzdem sei der Inhalt für viele Familien wertvoll, weil sie sich das oft Sachen wie Schulmaterialien oder Kleidung nicht leisten könnten. Und über den Kontakt zu den Partnerkirchen entstünden manchmal längerfristige Projekte.
Wo sich die beiden Seiten widersprechen
Die Katholische Jugend schreibt, in jeden abgegebenen Karton würden Schriften mit christlichen Inhalten gelegt. Das OK-Team sagt, das stimme so nicht. Das Heft werde erst vor Ort bei der Verteilung angeboten und niemand müsse es nehmen.
In einem anderen Punkt liegen die beiden näher beieinander, als es zunächst klingt. Dass es nicht um Entwicklungshilfe geht, sagen beide. Und auch der religiöse Zweck wird von den Veranstaltern nicht bestritten. In ihrer Stellungnahme steht wörtlich, im Zentrum stehe das Anliegen, einem Kind Freude zu schenken „und Gottes Liebe greifbar machen“. Das Wort Mission verwenden sie selbst, in Anführungszeichen.
Andere Hilfsangebote
Südtirols Katholische Jugend nennt in ihrem Schreiben zwei Alternativen: die Aktion „Schenken mit Sinn“ der Südtiroler Caritas und die Ukraine-Hilfe des Weißen Kreuzes. Die Erzdiözese Wien formuliert es als Frage und die trifft den Kern der Debatte ganz gut: Wer mitmachen will, solle sich überlegen, ob er mit seinem Engagement Teil einer evangelikal geprägten Mission sein möchte.
Wer einen Karton packen will, kann das bis Montag in einer Woche tun. Wer lieber anders hilft, hat ebenfalls Möglichkeiten. Beides ist eine Entscheidung, die jeder für sich treffen kann.






