von lif 29.10.2026 07:55 Uhr

Fast ein Drittel der Pflege und Unterstützung läuft „horizontal“

In Österreich helfen sich Menschen im Alltag häufiger gegenseitig, als oft angenommen wird. Anlässlich des heutigen internationalen Tages für Pflege und Unterstützung zeigt eine Studie, dass unbezahlte Care-Arbeit auch unter Freunden, Geschwistern, Nachbarn und Kollegen weit verbreitet ist.

Bild: APA/dpa-Zentralbild

Wie Experten der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in einem Gespräch mit der APA sagten, verläuft fast ein Drittel der Care-Arbeit in Österreich „horizontal“, also innerhalb derselben Generation. Lässt man die Betreuung der eigenen minderjährigen Kinder außer Acht, ist das sogar die häufigste Form unbezahlter Hilfe. Rund 17 Prozent der Unterstützung gehen an die jüngere Generation, etwa an erwachsene Söhne und Töchter, rund 14 Prozent an die Elterngeneration. Dazu zählen Hilfe bei der Kinderbetreuung, der Körperpflege und im Haushalt sowie finanzielle Unterstützung.

Die Daten stammen aus dem „Generations and Gender Survey“, einem internationalen Forschungsprojekt. In Österreich wurde die Befragung in den Jahren 2022 und 2023 durchgeführt, in mehr als 30 Ländern wurden Menschen zwischen 18 und 59 Jahren befragt. Die Betreuung der eigenen Kinder wurde aus methodischen Gründen nicht eingerechnet. Isabella Buber-Ennser vom Institut für Demographie der ÖAW sieht darin einen großen unbezahlten Beitrag, den Frauen leisten. „Was wir nicht messen, das sehen wir nicht“, sagt sie.

Die Ergebnisse waren auch für die Forscherinnen überraschend. Shamim Sherafat von der ÖAW hatte vor allem Pflege und Unterstützung älterer Angehöriger erwartet. Sie vermutet, dass Freunde und Nachbarn in einer immer mobileren Welt wichtiger werden, weil Familien oft weit voneinander entfernt leben. Gleichzeitig seien niedrige Geburtenraten ein Faktor: Kleinere Familien führen dazu, dass etwa kinderlose Freunde oder Verwandte häufiger bei der Kinderbetreuung helfen. Wichtig sei es, Menschen ohne solche Netzwerke zu unterstützen, so Sherafat.

Laut der Umfrage sind 62 Prozent derjenigen, die solche Hilfstätigkeiten leisten, Frauen. Am meisten unbezahlte Care-Arbeit übernehmen Frauen zwischen 50 und 59 Jahren. „Wenn Frauen mehr machen, machen Männer weniger“, sagt Buber-Ennser. Die Frage sei, wie man Männer überzeugen könne, sich stärker einzubringen.

APA/UT24

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