Urzì greift Zapfenstreich an: Stauder und Knoll schlagen zurück

Stauder: „Hände weg von unseren Traditionen“
SVP-Landessekretär Harald Stauder hat die Kritik des Fratelli-d’Italia-Abgeordneten Alessandro Urzì am Großen Österreichischen Zapfenstreich zurückgewiesen. Urzì vergreife sich erneut im Ton, wenn es um Südtirols Traditionen und Kultur gehe, erklärte Stauder. Revisionistisch seien nicht die Schützen, sondern Urzì, der sich mit seinen Aussagen historisch versteige.
Die Feier am Samstag auf dem Bozner Waltherplatz sei würdevoll gewesen und in keiner Weise gegen jemanden gerichtet. Stauder dankte dem Südtiroler Schützenbund für die Veranstaltung. Neben ihm nahmen unter anderem Rosmarie Pamer, Luis Walcher, Waltraud Deeg, Altlandeshauptmann Luis Durnwalder und weitere Vertreter der Bozner SVP teil. Die Schützen dürften nicht in eine rechtsextreme Ecke gedrängt werden, so Stauder.
Seine deutlichen Worte werfen allerdings eine politische Frage auf: Fratelli d’Italia ist Regierungspartner der SVP in der Landesregierung. Der Partei gehört auch Landeshauptmannstellvertreter Marco Galateo an. Wenn die SVP Urzìs Angriffe ernsthaft zurückweist, wäre ein mutiges Einschreiten innerhalb der Koalition längst an der Zeit. Zu oft haben Urzì und seine Parteifreunde in der Vergangenheit Anlass gegeben, an ihrer Verlässlichkeit zu zweifeln. Bei scharfer Kritik allein darf es nicht bleiben.
Knoll: „Unsere Geschichte ist keine Provokation“
Auch der Landtagsabgeordnete Sven Knoll von der Süd-Tiroler Freiheit verurteilte Urzìs Aussagen. Den Zapfenstreich mit dem nationalsozialistischen Anschluss gleichzusetzen, sei Geschichtsklitterung. Die Schützen seien keine Provokateure, sondern Menschen, die sich zu ihrer Heimat, Geschichte und österreichischen Identität bekannten.
Knoll erinnerte daran, dass Südtirol nach dem Ersten Weltkrieg gegen den Willen seiner Bevölkerung von Österreich abgetrennt und Italien zugeschlagen worden sei. Die österreichische Schutzfunktion und der Pariser Vertrag von 1946 seien zentrale Bestandteile der internationalen Absicherung der Autonomie. Die Südtirol-Frage sei daher keine bloße inneritalienische Angelegenheit.
Auch die Forderung nach Selbstbestimmung dürfe nicht als extremistisch abgetan werden, erklärte Knoll. Das Recht sei in den beiden internationalen Menschenrechtspakten verankert. Wer darin eine Gefahr sehe, habe offenbar ein Problem mit der Identität der Südtiroler.
Abschließend dankte Knoll dem Schützenbund und allen Beteiligten für die Feier zum österreichischen Nationalfeiertag. Die Südtiroler ließen sich weder ihre Geschichte noch ihr Bekenntnis zu Österreich vorschreiben, so der Landtagsabgeordnete.






